Neu in Braunschweig – Komödie mit Corona

Braunschweig.  Open air im Stadtpark präsentiert Florian Battermann sein neues Boulevard-Stück „Ich hasse dich - heirate mich!“. Es spielt in Covid-Zeiten.

Sarah Matberg und Florian Battermann in der Corona-Komödie "Ich hasse dich- heirate mich!"

Sarah Matberg und Florian Battermann in der Corona-Komödie "Ich hasse dich- heirate mich!"

Foto: imagemoove

Wenn dir das Wasser bis zum Hals steht, solltest du den Kopf nicht hängenlassen. Spruch aus einem Ratgeber des selbsternannten Ratgeberkönigs Felix Schwarz. Das ist eine Figur aus dem neuen Schwank von Florian Battermann und Co-Autor Jan Bodinus. Battermann spielt sie auch gleich selbst. Und die Maxime hat er ebenfalls verinnerlicht.

Weil die Corona-Beschränkungen den Betrieb seiner Altstadt-Komödie unrentabel machen, ist er in den lauschigen Garten des „Heinrich“ im Braunschweiger Stadtpark umgezogen. Und präsentiert auf der nostalgischen Pavillon-Bühne seine Corona-Komödie „Ich hasse dich - heirate mich!“. 41 mal en suite, sofern das Wetter mitspielt. Da kann von Kopfhängenlassen keine Rede sein. Und es läuft: 5500 von 7000 Karten sind schon vergeben, die Premiere am Samstag ist selbstredend ausverkauft. Knapp 200 Menschen sitzen gemütlich an Zweier- und Vierertischen. Die Sicht auf die Bühne ist gut, die Tontechnik auch. In den hinteren Reihen stört ein wenig das Geplauder der Wirtshausgäste, denn der normale Betrieb läuft weiter.

In Battermanns/Bodinus’ neuem Boulevard-Wurf ist das noch nicht der Fall. Ihr Stück spielt in kärgsten Covid-Zeiten. Man ist gerade mitten im Lockdown, und Tanzlehrerin Kerstin Schröder schlägt sich mit Online-Unterricht durch. Das nervt ihren Unter-Mieter, besagten Ratgeber-Autor Felix Schwarz. Denn der will gerade seinen nächsten Titel fertigschreiben. Druck vom Verlag, und dann immer das Absatz-Geklacker von der Nachbarin oben!

Paraderolle für Manon Straché

Die wiederum hat neben den Corona-Scherereien noch ein anderes Problem: Ihr Freund hat gerade Schluss gemacht, kurz bevor sie das tun konnte. Nun will sie sich nie mehr verlieben. Sondern einen Partner, den sie von Beginn an ätzend findet, weil es am Ende eh darauf hinausläuft. Nur keine Enttäuschungen mehr - so die krude Philosophie, die Kerstin entwickelt, offensichtlich damit die Komödie in Gang kommen kann. Denn der ideale Ätztyp ist natürlich ihr Nachbar Felix Schwarz.

Pi mal Daumen zusammengetackerte Story, aber Sarah Matberg bekommt es prima hin, dass das nicht weiter auffällt. Mit Verve, einer Dosis Schnippischkeit und einem Schuss Erotik gibt sie die quirlige Tanzlehrerin, die sich nicht dumm kommen lässt. Auch nicht von der aufdringlichen Nachbarin - Manon Straché in ihrer Paraderolle als in Plattenbauten sozialisierte neugierige alte Dampfschwätzerin. „Ei Gott, wenn das der Spahn sieht“, stoßseufzt sie, als sie bei einem ihrer zahlreichen Besuche Herrn Schwarz am Laptop der Nachbarin erspäht. „Aber wir sind ja wie eine große Familie, da gilt das Kontaktverbot nicht so richtig.“

„Reißen Sie den Fußboden auf? – Nein, ich unterrichte!“

Was aber macht der penible, reizbare Schwarz auf Kerstin Schröders Sofa? Nun, man ist sich über das Gestreite wegen des Tanzschuhlärms immerhin näher gekommen. Souverän giften Matberg und Battermann alias Schwarz/Schröder sich an: „Reißen Sie den Fußboden auf? – Nein, ich unterrichte! – Was denn? Sumo-Ringen? – Nein! Tanzen! – Klingt nach Elefantendressur.“

Kerstin geht auf, dass Schwarz der ideale Typ ist, ihre verstiegene Theorie antipathischer Beziehungen auszutesten... Gekonnt zimmern die versierten Komödien-Handwerker Battermann und Bodinus den abstrusen, aber wendungsreichen Plot zusammen. Und Battermann (als Darsteller) sowie namentlich die aus einem Guss spielende Sarah Matberg beglaubigen die Chose souverän. Sowieso die ständig dazwischenplatzende Boulevard-Bombe Manon Straché. Das Tempo ist flott, die kleinen oder auch dick aufgetragenen Pointen im Dauergeschwätz sitzen.

Das Traumpaar Schwarz-Schröder alias Battermann und Matberg

Und irgendwie macht diese leichte Kunst auch Mut. Aus dem Thema Corona schlägt Regisseur Andreas Werth keine größeren Funken. Es bleibt der sanft summende Unterton einer klassischen Screwball-Inszenierung. Da ist keinerlei bissige Satire oder Bitternis. Das ist bemerkenswert, wenn man sich die schwierige Situation der Altstadtkomödie klarmacht. Angesichts steigender Infektionszahlen rückt ein irgendwie auskömmlicher Spielbetrieb im Herbst wieder in die Ferne. Umso mehr unterhält und beeindruckt die kaum beschwerte Unverdrossenheit und Frische dieses Abends. Ob das Traumpaar Schwarz-Schröder am Ende wirklich zusammenkommt, müssen Sie übrigens selbst herausfinden.

Bis 20. September. Karten ab 28,50/35 Euro (Zweier-/Vierertisch) gibt es unter komoedie-am-altstadtmarkt.de

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