Atze Schröder wird in Braunschweig melancholisch

Braunschweig.  Der Komiker setzt bei seinem Auftritt in der Stadthalle vor allem auf Altbewährtes. Am Schluss der Show überrascht er das Publikum aber noch.

Atze Schröder während der Show in der Stadthalle in Braunschweig.

Atze Schröder während der Show in der Stadthalle in Braunschweig.

Foto: Philipp Ziebart

Im 25. Jahr auf der Bühne, unterwegs mit dem zwölften Soloprogramm. Was kann da so ein kumpelhafter Ruhrpott-Proll noch Neues erzählen? Wie bleibt die überschaubare Lebenswelt interessant? Im letzten Programm erkundete Atze Schröder kurz eine neue Facette: das Altern. Das war recht ergiebig. Er hat bei Club-Auftritten auch probiert, politischer und gesellschaftskritischer zu werden, erzählt er am Freitag in der ausverkauften Stadthalle. „Aber ihr wollt euren Atze so, wie ihr ihn kennt. Das ist auch gut so.“ In der Show „Echte Gefühle“ setzt er nun vor allem auf Altbewährtes – und wirkt damit mitunter hängengeblieben.

Viele Prominente haben einen Fahrer. Atze lässt lieber einen fahren. Neulich im Aufzug im Rathaus etwa: „Plötzlich so ein leichter Druck auf der Warenausgabe. Akuter Heckhusten. Und ihr wisst: Die Kleinen sind die Schlimmen. Was für ein Gestank in der Todeszelle.“ Was nun? Er klopft dem Nebenmann auf die Schulter: „Respekt, alte Pottsau.“

Atze Schröder setzt in Braunschweig auf Altbewährtes

Auch ein Bäckereibesuch ist heikel. Eine Politesse sucht den Fahrer, dessen Porsche auf dem Behindertenparkplatz steht. „Ich sage: Was ist los? Hast du dir beim Rasieren in die Oberlippe geschnitten?“ Nach einigem Geplänkel wird der Porsche abgeschleppt. Atze nimmt‘s gelassen. Ist nicht seiner. Er ist mit dem Fahrrad da.

Und dann erst die von ihm ausgerichtete Geburtstagsfeier für sein zwölfjähriges Patenkind Stevie. Mit dabei: Sektbar, Schießstand und ein Kurzauftritt von Rammstein. Atze, als grüner Shrek verkleidet, flirtet im Wohnzimmer mit den Müttern. Zwei Kinder waschen derweil draußen die S-Klasse des Vaters, „leider mit Ziegelsteinen“.

Komiker serviert in Braunschweig dünnes Gebräu

Das sind so die Storys des Abends. Ein recht dünnes Gebräu. Dazu viel Geläster über Prominente, meist über deren Aussehen oder Alter. Helene Fischer? „Nuttig, aber mit Niveau.“ Udo Lindenberg? „Der singt: Ich mache mein Ding. Da denkt der Pfleger: Ja, morgen früh in die Bettpfanne.“

Der rote Faden des Programms: echte Gefühle. Das lässt Raum für Sprüche über dies und das: über alberne Versprecher der Werbung und das Sexspielzeug Womanizer, über Überbehütung, Nachhaltigkeit oder eingespielte Pärchen. Atze Schröder erzählt über ein belauschtes Gespräch am Hotelbüfett: „Ein Mann im Cityhemd rief: Mutti, mag ich Gouda? Sie rief zurück: Nimm das Zwiebelmett, das kennst du.“

Atze Schröder schafft in Braunschweig schnell Nähe zum Publikum

Solche überraschenden Beobachtungen sind ansonsten rar gesät. Die meisten Gags sind routiniert. Die Show lebt vom mitreißenden Erzähltalent. Beeindruckend, wie Atze sofort Nähe schafft im vertrauten Braunschweig: „Mit der Hälfte von euch habe ich schon gesoffen, mit der anderen schon geschlafen. Es müssten sogar ein paar Lockenköpfe hier sein.“ Er erzählt lebhaft und locker, lacht viel, hat sichtlich Spaß. So ist das Publikum durchweg in bester Stimmung. Viele lachen durch. Zum Schluss – doch noch etwas Ungewohntes – sitzt Atze am Bühnenrand. Gedimmtes Licht, Streichmusik. Kurz zuvor hat er erzählt, wie er im Bett mit einer Affäre vorzeitig eingeschlafen ist. Nun ein ruhiger Schlussmonolog. Resümee: „Wenn man müde ist, muss man schlafen. Wenn man traurig ist, kann man auch mal heulen. Und wenn man liebt, dann kann man richtig lieben. Solange wir immer wieder zueinanderfinden, bleibe ich euer Atze, euer Freund.“ Atze etwas melancholisch – steht ihm gut. Langer Schlussbeifall.

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