Von Alices Wunderland bis nach Arabien

Wolfenbüttel.  Der Katar Junior Chor nimmt am Eurotreff, dem internationalen Festival für junge Chöre in Wolfenbüttel teil.

Chorleiterin Alena Pyne, Ivana (11), Arav (11), Lucy (10) und Rajit (12) haben mit 31 weiteren Chormitgliedern den Weg nach Wolfenbüttel gewagt.

Chorleiterin Alena Pyne, Ivana (11), Arav (11), Lucy (10) und Rajit (12) haben mit 31 weiteren Chormitgliedern den Weg nach Wolfenbüttel gewagt.

Foto: Lara Hann

42 Sänger aus unterschiedlichen Nationen, eine Chorleiterin aus Irland, Lieder auf Englisch und arabisch. Der Katar Junior Chor lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben: divers. Die Sänger haben sich auf den langen Weg nach Wolfenbüttel begeben. Sie nehmen gemeinsam mit 18 weiteren Chören am Eurotreff teil. Das Festival findet von Mittwoch bis Samstag, 11. bis 15. September, statt.

In ihrem Gepäck haben die Sänger im Alter von 8 bis 13 Jahren bekanntere Lieder wie den „Jabberwocky“ aus dem Film „Alice im Wunderland“ und einen Canon vom zeitgenössischen ungarischen Komponisten György Sándor Ligeti.

Aber es wird auch poetisch. Der Chor vertont das Gedicht „I’m nobody“ von Emily Dickinson. „In dem Gedicht geht es darum, dass es auch schön sein kann, ein Niemand zu sein“, erklärt der elfjährige Arav. Das Singen im Chor ist für ihn mehr als nur ein Hobby.

„Wer in unserem Chor dabei sein will, muss Gesang lieben“, sagt Chorleiterin Alena Pyne. Sie erwartet Gesangstalent und Engagement von ihren Sängern. Ihr ist es wichtig, dass die Kinder Musik lesen lernen. Daher gehört nicht nur Gesangstraining, sondern auch Musiktheorie zu ihren Übungen. Normalerweise trifft sich der Chor zweimal pro Woche. Zur Vorbereitung auf den Eurotreff haben sie sechs Tage am Stück geprobt.

Momentan sind die meisten Stücke auf englisch. So sei es zunächst einfacher, den Kindern das Singen beizubringen. „Langsam fangen wir aber auch an, uns an katarische Stücke heranzuwagen“, sagt Pyne. Zwei arabische Lieder zum Thema Freundschaft haben die Sänger schon in ihrem Repertoire.

Selbstverständlich ist das nicht. „Es ist schwierig in Katar einen guten Chor aufzubauen“, sagt Pyne. Katar ist ein Zuwanderungsland. Die meisten Menschen kommen zum Arbeiten und gehen nach einigen Jahren wieder. Nur jeder neunte Einwohner des Landes ist Inländer. Und nur wenige sprechen Arabisch als Muttersprache.

Der Eurotreff ist eine große Chance für den Chor. Schon seit zwei Jahren möchten die Sänger gemeinsam mit einem Chor aus Europa singen. Der Eurotreff ist da der Hauptgewinn, meint Pyne. Denn so können sie Kontakte mit Chören aus zwölf Nationen schließen. „Wir freuen uns darauf, von anderen Chören zu lernen und ihnen vielleicht auch etwas beizubringen“, sagt die elfjährige Ivana. Der Trip nach Europa sei beides: furchteinflößend und aufregend zugleich.

Neben verschiedenen Workshops und Proben stehen für die Sänger auch vier Auftritte auf dem Programm: Schon am Mittwoch sind sie beim Eröffnungskonzert in der Lindenhalle dabei. Am Samstag treten sie in der Fußgängerzone auf. Auch beim ausverkauften Abschlusskonzert am Samstag in der Lindenhalle sind sie dabei.

Eine besondere Herausforderung: Der Chor wird das erste Mal in einer Kirche singen. Genauer: Am Freitag um 20 Uhr in der evangelischen Kirche in Watzum.

„Unsere Stücke sind gut für Konzerte geeignet“, sagt Pyne. Die Stille eines Raumen sei besonders wichtig, um den Liedern die richtige Betonung zu verleihen. Eine Kirche böte dafür genau den richtigen Rahmen. „Wir sind alle gespannt darauf, wie unsere Stimmen in solch einem Gebäude klingen“, sagt Ivana.

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