Treibhausgas

CO2-Ausstoß: Das sind die Probleme beim nachhaltigen Bauen

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Warum unser Fleisch-Konsum dem Klima schadet

Warum unser Fleisch-Konsum dem Klima schadet

Fleisch als Klimakiller: Wie sehr schadet unser Fleisch-Konsum wirklich der Umwelt?

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Berlin.  Noch immer wird mit vielen Materialien gebaut, die in der Herstellung CO2-intensiv sind. Dabei hakt es besonders bei einem Problem.

Fast jede sechste Tonne CO2, die in Deutschland in die Luft ausgestoßen wird, stammt aus dem Gebäudesektor. Größtenteils geht das vor allem auf das Heizen zurück. Aber auch beim Bau von Gebäuden fallen enorme Mengen Treibhausgasemissionen an. Allein die Zementindustrie ist hierzulande für die Entstehung von rund 20 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich. Bis 2050 will die Industrie klimaneutral werden. Doch so viel Zeit hat man in der Bau- und Wohnungswirtschaft nicht mehr.

Bis 2030 sollen Gebäude in Deutschland nur noch 67 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Derzeit sind es noch 115 Millionen. Die Bundesregierung, aber auch die Europäische Union, setzen daher auf eine Sanierungswelle. Aber auch beim Neubau werden die Zügel angezogen. So sehen bisherige Pläne zur Neubauförderung von Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) vor, dass schon ab dem kommenden Jahr nur noch der Effizienzhausstandard 40 gefördert werden soll.

Bauen: In den großen Städten mangelt es seit Jahren an Wohnraum

Der Häusermarkt in Deutschland ist allerdings sehr heterogen. In den Metropolen mangelt es seit Jahren an Wohnraum, weshalb es sich die Ampel-Koalition zum Ziel gesetzt hat, 400.000 neue Wohnungen pro Jahr zu bauen. In vielen ländlichen Regionen gerade in Ostdeutschland ist zunehmender Leerstand dagegen ein Problem.

"In vielen Orten in Deutschland ist ein Rückbau notwendig", sagt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB). Theoretisch könnte das Material, das sich aus diesen Häusern gewinnen ließe, genutzt werden, um an anderer Stelle neuzubauen. Praktisch ist eine Kreislaufwirtschaft auf dem Bau noch längst nicht angekommen.

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"Bei den konventionellen Bauweisen werden viele Bauteile miteinander fest verbunden", sagt Amandus Samsøe Sattler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Das führt dazu, dass Bau- und Abbruchabfälle mit 229,3 Millionen Tonnen zuletzt mehr als jede zweite Tonne des hierzulande anfallenden Abfalls ausmachen, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Verklebte Bauteile lassen sich nicht mehr gut voneinander trennen, bei anderen will man es auch gar nicht erst versuchen.

"Wenn ich heute zum Beispiel ein Kunststofffenster verbaue, ist es nicht recyclebar, weil es chemische Stoffe enthält, die man nicht in einem Rezyklat wiederfinden möchte", sagt Sattler. Hunderttausende chemische Substanzen würden für das Bauen hergestellt werden – sie seien ein Grund, warum Gebäude nach ihrer Fertigstellung erstmal auslüften müssten. "Aber wenn wir das Fenster aufmachen, dann gehen die Schadstoffe doch einfach in die Umwelt", klagt Samsøe Sattler.

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Recycling: Wiederaufgearbeitete Baustoffe haben einen schlechten Ruf

Bauindustrie-Vertreter Müller sieht die Hauptprobleme derzeit bei den bestehenden Gesetzen – und bei der Akzeptanz in der Bevölkerung. "Die derzeitige Regulatorik ist auf die einmalige Verwendung ausgerichtet", sagt der HDB-Hauptgeschäftsführer. "Hinzu kommt, dass Recycling gerade beim Wohnungsbau immer noch bei vielen einen schlechten Ruf hat. Denn Recycling-Produkte gelten als Abfall und niemand will in Abfall wohnen." Recycelte Baumaterialien seien nicht gleichwertig zu neuen Materialien zu gelassen. Gerade öffentliche Auftraggeber würden sich vor ihrer Nutzung scheuen, sagt Müller.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem, das vor allem den Tiefbau, also beispielsweise den Straßenbau, betrifft. Aufbruch darf nicht vor Ort klassifiziert werden, er muss erst zur nächsten Verwertungsanlage gefahren werden. Dort kann er geprüft werden – und anschließend wieder zurück zur Baustelle gebracht werden, wo er verwendet werden könnte. "Viele verzichten lieber darauf und entsorgen es gleich", stellt Müller fest. Zumal auch beim Transport CO2 verschleudert werde.

Das Problem der vielen Einzelteile im Hochbau, also etwa im Häuserbau, sieht auch Müller. Er fordert daher einen digitalen Gebäudepass: Hersteller sollten angeben, was sich in ihren Baustoffen befindet. Am Ende könnten in einem solchen Gebäudepass also nachvollzogen werden, welche Baustoffe verbaut sind und welche davon möglicherweise erneut genutzt werden könnten.

Bundesregierung: Auf diese Materialien setzt die Ampel bei neuen Häusern

Aber auch nachhaltige Baustoffe selbst gewinnen durch die Klimaziele an Bedeutung. Jedes fünfte im Vorjahr genehmigte neue Haus, wird überwiegend aus Holz gebaut. Auch die Bundesregierung setzt auf Holz: SPD, Grüne und FDP haben im Koalitionsvertrag eine Holzbauinitiative verankert.

Doch auch andere nachwachsende Rohstoffe könnten dabei helfen, Deutschlands Gebäude klimafreundlicher zu machen. So könnten nach Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen allein 350.000 Einfamilienhäuser mit den Abfällen einer Strohernte gedämmt werden. Auch Hanf, Tang oder Schafwolle sind natürliche Materialien, die beim Hausbau zum Einsatz kommen können. Derzeit wird sogar daran geforscht, Pilze als Verbundwerkstoffe nutzbar zu machen.

Beenden werden diese Baustoffe die Ära von Beton und dessen Vorprodukt Zement so schnell aber nicht. "Das konstruktive Skelett, Stützen und Träger mit Beton zu bauen, ist weiterhin sinnvoll", sagt DGNB-Präsident Samsøe Sattler. Neue Verfahren stehen in den Startlöchern – oder werden bereits angewandt.

Eine Tochterfirma des Dax-Konzerns HeidelbergMaterials, vormals HeidelbergCement, setzte bereits im vergangenen Jahr im englischen Ribblesdale ein klimaneutrales Brennstoffgemisch in ihrer Zementanlage ein. Wasserstoff, Biomasse und Glyzerin sollen dort dafür sorgen, dass auch Zement in Zukunft grün wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.