Wirtschaftswachstum

Düstere Prognosen: Merz fordert neue Industriestrategie

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CDU-Parteitag: Merz nennt Ampel-Regierung "Narrenschiff"

CDU-Parteitag- Merz nennt Ampel-Regierung Narrenschiff

Mit scharfen Attacken auf die Ampel-Koalition hat der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz den Bundesparteitag der CDU in Hannover eröffnet. Er bezeichnet sie als "Narrenschiff" und wirft ihr Versagen im Umgang mit der Energie- und Wirtschaftskrise vor.

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Berlin.  Angesichts schlechter Wirtschaftsprognosen fordert Unionschef Merz eine neue Strategie von der Ampel. Auf welche Branchen er setzt.

Infolge der düsteren Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland hat Unionsfraktionschef Friedrich Merz die Ampel-Koalition dazu aufgerufen, eine neue Industriestrategie zu entwickeln. "Die Wirtschaftslage, die das Ifo-Institut für die nächsten Monate beschreibt, muss die Bundesregierung wach rütteln", sagte der CDU-Vorsitzende unserer Redaktion.

Das Münchener Ifo-Institut hatte am Montag seine Erwartungen zur Inflations- und Wirtschaftsentwicklung bekanntgegeben. Demnach könnte die Inflation im Frühjahr des kommenden Jahres auf rund elf Prozent stiegen. Auf Jahressicht rechnen die Münchener Ökonomen mit einer Inflationsrate von 9,3 Prozent – nach einer Teuerungsrate von 8,3 Prozent in diesem Jahr.

Zugleich wird in der Konjunkturprognose davon ausgegangen, dass die Wirtschaft nach einem Wachstum von 1,6 Prozent in diesem Jahr im kommenden Jahr mit 0,3 Prozent ins Minus rutschen dürfte.

Inflation und Rezession: Merz fordert Industriestrategie

"Krisenbewältigung ist wichtig. Aber ich vermisse eine Strategie für unser Land, wie wir den Wohlstand für die nächsten Jahrzehnte erhalten wollen", mahnte Friedrich Merz angesichts der Zahlen. "Dabei geht es darum, welche Wirtschaftszweige wir in Deutschland langfristig halten wollen und wo gezielt Industrien unterstützt werden."

Merz rief dazu auf, an den Erfolg bei der Erforschung von Impfstoffen anzuknüpfen und Biotechnologie als Chance zu sehen. "Künstliche Intelligenz, Umwelttechnologie, Robotik oder Medizintechnik können das werden, was die Autoindustrie heute ist", sagte der CDU-Vorsitzende. "Es fängt an Universitäten an, geht über Ausbildungsberufe bis hin zur Bereitstellung von Risikokapital."

Merz verwies darauf, dass mit Biontech und Curevac zwei deutsche Biotechnologieunternehmen lieber in den USA statt in Europa an die Börse gegangen seien. "Das alleine zeigt, wo wir aufholen müssen", sagte er.

Inflation: Letzte Industriestrategie sorgte für Ärger

Zuletzt hatte die Bundesregierung im Jahr 2019 unter dem damaligen CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine Industriestrategie vorgelegt. Damals allerdings hagelte es massive Kritik aus der Wirtschaft. Mittlerweile haben die Corona-Pandemie und nun die Energiekrise die Rahmenbedingungen verändert.

Zum Vergleich: 2019 lag das Wirtschaftswachstum zwar nur bei 0,6 Prozent, dafür betrug die Inflation aber auch lediglich 1,4 Prozent.

Inflation: Ifo-Institut erwartet erst 2024 eine Normalisierung

Mittlerweile ist die Inflation historisch hoch, während Deutschland geradewegs auf eine "Winter-Rezession" zusteuere, wie Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo-Konjunkturforschung sagte. "Erst 2024 erwarten wir eine Normalisierung mit 1,8 Prozent Wachstum und 2,5 Prozent Inflation", führte der Ökonom aus.

Der Kaufkraftverlust sei hoch wie noch nie zuvor seit dem Beginn der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen im Jahre 1970. Gemessen am Rückgang der realen Pro-Kopf-Löhne ergebe sich in diesem und im kommenden Jahr ein Minus von jeweils rund drei Prozent.

Ein Kostentreiber dabei: Die Energieversorger würden ihre Strom- und Gaspreise Anfang des kommenden Jahres an die hohen Beschaffungskosten anpassen. Auch die geplanten Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung könnten den Kaufkraftverlust bei Weitem nicht ausgleichen. Immerhin: Ab dem Frühjahr 2023 rechnet das Ifo-Institut wieder mit sinkenden Energiepreisen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.