Greenpeace-Studie

Wie durch Fleischverzicht die Klimaziele erreicht werden

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Scholz: Klimaschutz und Wohlstand nicht gegeneinander ausspielen

Scholz- Klimaschutz und Wohlstand nicht gegeneinander ausspielen

Laut Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kann Klimaschutz nur erfolgreich sein, wenn er von der Mehrheit der Gesellschaft getragen wird. Politik könne nicht verlangen, etwa weniger mobil zu sein, sagte Scholz beim Petersberger Klimadialog in Berlin.

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Berlin.  Greenpeace empfiehlt dringend, sich anders zu ernähren. Was man essen sollte und auch weglassen muss, um die Klimaziele zu erreichen.

Mehr Nüsse, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und Gemüse, dafür deutlich weniger Fleisch, Eier und Milchprodukte. Wenn die Menschen in Deutschland ihre Ernährung konsequent darauf umstellen würden, wie es für ihre Gesundheit und den Planeten gut wäre, könnten sie 75 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgase einsparen, die hierzulande in der Landwirtschaft entstehen.

Gleichzeitig würde die Landwirtschaft nur noch 56 Prozent der heute genutzten Ackerfläche und 45 Prozent der Grünlandflächen für die Ernährung der Bevölkerung brauchen. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer Untersuchung des Ökoinstitut Deutschland im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

„Mit einer Ernährungswende können wir nicht nur das Klima schützen, sondern auch Flächen sparen und ökologischer wirtschaften“, kommentierte Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace, die Ergebnisse. Die 77-seitige Studie geht der Frage nach, wie die gesteckten Klimaziele in der Landwirtschaft erreicht werden können. Dabei stellten die Experten fest, dass die heutige eher fleischlastige Ernährungsweise ein Kernproblem darstellt.

Ernährungswende: Weniger Fleisch entlastet das Klima

Die Landwirtschaft gilt als einer der Hauptverursacher klimaschädlicher Gase – und ist für 13 Prozent des bundesweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich, etwa 95 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Für die Lebensmittelerzeugung werden 81 Millionen Tonnen ausgestoßen. Allein 83 Prozent davon stammen aus der Tierhaltung, 9 Prozent entstehen bei der Produktion pflanzlicher Ernährung sowie weitere 8 Prozent bei der Erzeugung von Energiepflanzen, rechnet das Ökoinstitut vor.

Um die Ernährung grundlegend zu ändern, legt das Ökoinstitut seinen Berechnungen die Standards der sogenannten „Planetary Health Diet“ zugrunde. Dies ist ein Ernährungsplan für eine nachhaltige und gesunde Ernährung für eine wachsende Weltbevölkerung, wie sie von der internationalen EAT Lancet Kommission 2019 vorgelegt wurde.

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Gemessen an diesen Kriterien müssten die Deutschen 30-mal so viele Hülsenfrüchte und 84 Prozent mehr Gemüse anbauen. Im Gegenzug müsste 71 Prozent weniger Fleisch produziert und 72 Prozent weniger Milchprodukte hergestellt werden.

Ernährungswende: So könnten die Klimaziele erreicht werden

Eine solche Ernährungswende würde eine grundlegende Umgestaltung der Landwirtschaft erfordern. „Verlierer wäre die heutige Intensivtierhaltung“, sagt Hofstetter. Der Wandel müsste politisch flankiert werden, Landwirte bei alternativen Einkommensmöglichkeiten unterstützt werden.

Neben dem Klimaschutz würden durch eine solche radikale Ernährungswende auch Flächen frei werden, die neu genutzt werden können – für mehr Biodiversität oder die Wiedervernässung der Moore, um CO2 zu speichern. Oder um weitere 70 Millionen Menschen mit pflanzlichen Produkten zu versorgen, sagt Margarethe Scheffler vom Ökoinstitut.

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Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu sein. Die Gesellschaft müsse sich entscheiden, ob sie eine solche Ernährungswende mittragen wolle, um das Klimaziel zu erreichen, sagte Hofstetter. Entsprechend müsste auch die Politik ihre Ernährungsempfehlungen anpassen. Zudem könnte die Entwicklung über den Preis gefördert werden, indem die Steuern für gesunde und pflanzliche Lebensmittel gesenkt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.