Corona

Biontech: Moderna klagt gegen Impfstoff-Konkurrenten

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Corona: Forscher arbeiten an Nasenspray-Impfstoff

Corona: Forscher arbeiten an Nasenspray-Impfstoff

Eine Impfung ohne Pieks, sondern mit Nasenspray: Daran forschen derzeit mehrere Wissenschaftler. Ein Projekt wird jetzt finanziell vom Bund unterstützt.

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Berlin.  Mit einem neuartigen Impfstoff gegen Corona rollte Biontech den Markt auf und strich Milliarden ein. War die Pionierleistung geklaut?

Nach dem Tübinger Unternehmen Curevac klagt auch die US-Firma Moderna gegen Biontech und dessen Partner Pfizer. Juristisch geht es um mutmaßliche Patentrechtsverletzungen durch milliardenfach verkaufte Corona-Impfstoffe; und wissenschaftlich wie ethisch um die Frage, ob eine pharmazeutische Pionierleistung fair zustande kam.

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Der Verkauf des Vakzins mit dem Namen Comirnaty ist nicht gefährdet; damit auch nicht die nächste Impfkampagne im Herbst mit einem speziell auf Omikron eingestellten Impfstoff.

Im Kern geht es um Geld, um eine "faire Vergütung" (Curevac). Kurzum: Um einen Anteil am Kuchen, den bisher das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Riese Pfizer unter sich verteilen.

Corona: Klagen gegen den Impfstoff-Hersteller Biontech

Wie Moderna am Freitag mitteilte, reicht es Klagen bei Gerichten in den USA und in Deutschland ein. Auch Curevac und Biontech streiten sowohl daheim vor dem Düsseldorfer Landgericht als auch in Amerika.

Biontech reichte dort gegen Curevac eine Gegenklage ein und könnte so auch im weiteren Streit mit Moderna vorgehen. Zuerst hatte das US-Pharmaunternehmen Alnylam, welches mRNA-Technologie zur Heilung von Krankheiten nutzt, sowohl Biontech als auch Moderna auf Schadenersatz verklagt.

Wie Curevac macht Moderna keine Angaben zur Höhe einer Entschädigung. An der finanziellen Flughöhe sollte es allerdings keine Zweifel geben: Moderna gibt an, in die mRNA-Impfstoffe bereits vor Ausbruch der Pandemie „Milliarden von Dollar“ investiert zu haben. Ähnlich ergeht es Curevac. Mitbegründer Ingmar Hörr hat die ersten Patente zur mRNA-Technologie immerhin bereits1999 angemeldet.

Biontech war der erster Hersteller mir einer Corona-Impfung auf dem Markt, eine Pionierleistung. Im High-Tech-Bereich ist Biontech das deutsche Apple – und für den Standort Mainz dank Gewerbesteuer eine goldene Kuh. Schon die Firmenadresse ist verheißungsvoll und hält, was sie verspricht: An der Goldgrube 12. Seit dem Impferfolg erzielt die rheinland-pfälzische Hauptstadt gewaltige Haushaltsüberschüsse. Allein in diesem Jahr erwartet Biontech, mit seinen Impfstoffen mindestens 13 Milliarden Euro zu erlösen.

Moderna machte im jüngsten Quartal bei einem Umsatz von 4,7 Milliarden Dollar einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden Dollar. Das Unternehmen rechnet für das laufende Geschäftsjahr 2022 mit Impfstofferlösen von rund 21 Milliarden Dollar.

Impfstoff: Wo endet ein Patent und beginnt das nächste?

Bei der Klage geht es um Schlüsselkomponenten des Corona-Impfstoffs, um die chemischen mRNA-Modifikationen, die eine unerwünschte Immunantwort des menschlichen Körpers gegen die fremde mRNA verhindern, und um den Ansatz für die Codierung des Spike-Proteins im Virus.

Die Unternehmen sind nicht unbedingt streitlustiger geworden. Aber es geht zum einen um viel Geld. Zum anderen sind die Verfahren derart komplex, dass es selbst für Experten oft schwer zu beurteilen ist, wo ein Patent endet und das nächste beginnt. Der Rechtsstreit könnte sich Jahre hinziehen – oder vorzeitig mit einem Vergleich enden?

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.