US-Notenbank warnt: Das Virus bestimmt über die Wirtschaft

Washington  Die Corona-Pandemie hat die USA weiter fest im Griff. Die Notenbank Fed will die größte Volkswirtschaft der Welt mit Notprogrammen stützen. Doch gegen das Virus kann sie nichts ausrichten. Auch vom Gesetzgeber brauche es noch mehr Konjunkturhilfen, fordert die Fed.

Der Hauptsitz der US-Notenbank Federal Reserve in Washington.

Der Hauptsitz der US-Notenbank Federal Reserve in Washington.

Foto: dpa

Die Notprogramme der US-Notenbank sollen die amerikanische Wirtschaft stabilisieren, aber entscheidend wird letztlich die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie sein.

Das war die klare Warnung der Notenbank Federal Reserve (Fed) mit Blick auf den weiteren Ausblick für die größte Volkswirtschaft der Welt. Die Fed sei weiter entschlossen, ihre "volle Bandbreite an Werkzeugen" einzusetzen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufedern, teilte die Zentralbank mit.

Wachstum und Beschäftigung hätten seit dem Höhepunkt der Pandemie in den USA wieder etwas zugelegt, seien aber immer noch deutlich unter dem Niveau vom Jahresbeginn, betonte die Fed. "Der Verlauf der Wirtschaft wird in sehr großem Ausmaß vom Verlauf des Virus abhängen", sagte Notenbankchef Jerome Powell. Die Pandemie werde weiterhin "schwer auf der Wirtschaft lasten", warnte die Zentralbank. Der Leitzins verbleibe wegen der Krise bis auf Weiteres in der Spanne von 0 bis 0,25 Prozent, hieß es.

Powell warnte, ohne eine Eindämmung des Virus sei eine vollständige wirtschaftliche Erholung "unwahrscheinlich". Die gegenwärtige Wirtschaftskrise sei die schwerste seit Jahrzehnten, sagte er. Die Fed werde ihre Notprogramme daher für die Dauer der Krise weiterführen, um sicherzustellen, dass sich die Wirtschaft "so bald wie möglich" wieder erholen werde, sagte Powell. Es brauche womöglich auch weitere fiskalische Unterstützung, sagte Powell - ganz offenbar in Anspielung auf die laufenden Verhandlungen im US-Kongress für ein weiteres Konjunkturpaket.

Mit Blick auf das zum Monatsende auslaufende erhöhte Arbeitslosengeld sagte Powell, viele Menschen im Land bräuchten weiter Unterstützung. Die Höhe sei Sache des Kongresses, es sei aber klar, dass angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosenquote viele Leute Hilfe bräuchten, um ihre Miete und sonstige Rechnungen bezahlen zu können. Die Republikaner von US-Präsident Donald Trumps und die Demokraten verhandeln derzeit über eine Verlängerung des erhöhten Arbeitslosengeldes und ein weiteres Konjunkturpaket. Powell betonte mit Blick auf die Pandemie, der wirtschaftliche Ausblick sei weiter "außergewöhnlich unsicher".

Die Fed hat wegen der Corona-Krise seit Ende Februar bereits Notprogramme zum massiven Ankauf von Anleihen und zur Kreditvergabe aufgelegt, um die Finanzmärkte und die Realwirtschaft zu stabilisieren. Die Fed hatte erst am Dienstag mitgeteilt, dass mehrere der Kreditprogramme angesichts der anhaltenden Pandemie bis zum Jahresende verlängert würden. Am Mittwoch hieß es zudem, dass auch die milliardenschweren Dollar-Kreditlinien für ausländische Zentralbanken bis Ende März nächsten Jahres verlängert würden. Experten zufolge sind die Krisenmaßnahmen der Fed bereits umfassender als jene nach der globalen Finanzkrise 2008/2009.

Die Zuspitzung der Pandemie im März und April hatte die USA in eine schwere Wirtschaftskrise mit Rekordarbeitslosigkeit gestürzt. Im Mai und im Juni gab es in der größten Volkswirtschaft der Welt bereits wieder Zeichen einer Erholung. Seit Ende Juni hat die Zahl der Neuinfektionen allerdings wieder dramatisch zugenommen, was zu erneuten Einschränkungen des Wirtschaftslebens geführt hat. Betroffen sind vor allem Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes, in denen aber rund ein Drittel der US-Bevölkerung lebt.

Derzeit werden in den USA täglich rund 60.000 Neuinfektionen gemeldet. Insgesamt gibt es Daten der Universität Johns Hopkins zufolge inzwischen knapp 4,4 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 und fast 150.000 damit verbundene Todesfälle.

Die Arbeitslosenquote in den USA lag im Juni bei 11,1 Prozent. Vor der Pandemie hatte sie noch bei niedrigen 3,5 Prozent gelegen. Im ersten Quartal schrumpfte die US-Wirtschaft bereits leicht, aktuelle Daten zum zweiten Quartal werden an diesem Donnerstag erwartet. Analysten erwarten auf das Jahr hochgerechnet einen Einbruch von etwa 30 bis 40 Prozent. Nach der in Europa gebräuchlichen Berichtsweise im Quartalsvergleich entspräche das etwa einem Minus zwischen 9 und 12 Prozent. Powell warnte, die Daten zur Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal könnten einen historischen Negativrekord darstellen.

Parlament und Regierung haben seit Beginn der Krise bereits Konjunkturpakete in Höhe von fast drei Billionen US-Dollar beschlossen, was mehr als zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht.

© dpa-infocom, dpa:200729-99-960852/6

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