Forschung zur Primatenkognition wird weiter gefördert

Göttingen.  Im Rahmen des Leibniz-Wissenschafts-Campus Primatenkognition werden unter anderem soziale Beziehungen bei Affen und Menschen erforscht.

Die neue Experimentalplattform erlaubt es, soziale Interaktionen zwischen zwei Personen zu testen, die durch einen transparenten Bildschirm getrennt sind. Touchscreens registrieren jede Bildschirmberührung, während Sensoren die Blickrichtung, Mimik, Gestik, Herzschlag und Äußerungen der Probanden aufzeichnen.

Die neue Experimentalplattform erlaubt es, soziale Interaktionen zwischen zwei Personen zu testen, die durch einen transparenten Bildschirm getrennt sind. Touchscreens registrieren jede Bildschirmberührung, während Sensoren die Blickrichtung, Mimik, Gestik, Herzschlag und Äußerungen der Probanden aufzeichnen.

Foto: Deutsches Primatenzentrum

Das erzwungene „Social Distancing“ zu Corona-Zeiten ruft in Erinnerung, welche Rolle das Sozialleben für die Menschen spielt. Gleiches gilt auch für die nächsten Verwandten, die nicht-menschlichen Primaten. Aber wie steuern Primaten ihre sozialen Beziehungen? Worauf achten sie, welche Bedeutung haben Emotionen, welche Gehirnprozesse lenken Interaktionen, und wie werden soziale Entscheidungen getroffen? Seit 2015 widmet sich der Leibniz-Wissenschafts-Campus Primatenkognition diesen und anderen Fragen zum Sozialleben von Menschen und Affen. Darüber haben die Verantwortlichen nun in einer Mitteilung informiert.

„Die Idee der Wissenschafts-Campi ist es, die lokale Zusammenarbeit zwischen Leibniz-Instituten und Universitäten zu stärken“, sagt Julia Fischer. Als Professorin der Universität Göttingen und Abteilungsleiterin am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung leitet sie den Wissenschafts-Campus. „Uns ist diese Integration von Beginn an sehr gut gelungen, heute beteiligen sich Feldforscher, Neurowissenschaftler, Psychologen, Mediziner und Sprachwissenschaftler.“

Interdisziplinäre Projekte seien sehr anspruchsvoll und hätten es oft schwer, ins Laufen zu kommen. „Wir haben deshalb versucht, eine Lücke zu schließen und ein eigenes Förderprogramm entwickelt. Unsere Mitglieder können sich im Team um Anschubfinanzierungen bewerben, die vielversprechendsten Projekte unterstützen wir“, erklärt Hannes Rakoczy, Entwicklungspsychologe an der Universität und gemeinsam mit Julia Fischer im Direktorium des Wissenschafts-Campus. „Das Konzept trägt Früchte: Die Gutachter waren beeindruckt, welchen kooperativen und interdisziplinären Geist wir in Göttingen etablieren konnten, durch unser Förderprogramm wurde eine Vielzahl neuer Kooperationen angestoßen.“

Ausbau der gemeinsam genutzten Infrastruktur

Wichtig für die Göttinger Wissenschaftler sei zudem der Ausbau der gemeinsam genutzten Infrastruktur. So investierte der Wissenschafts-Campus in die Neuentwicklung modernster Experimentalplattformen. „Unsere Plattformen machen es möglich, soziale Interaktionen von Affen und Menschen in bislang unerreichter Genauigkeit und Datenvielfalt experimentell zu untersuchen“, berichtet Stefan Treue.

Als Direktor des Deutschen Primatenzentrums und Mitglied des Wissenschafts-Campus begleitet er diese Entwicklung von Beginn an. „Die Gutachter bestätigen uns, dass wir ein exzellentes wissenschaftliches Umfeld geschaffen haben, die Forschungsprogrammatik und die vorhandene Infrastruktur wurden als einmalig bewertet.“

Im Wettstreit von 21 Standorten konnten sich neun Einrichtungen durchsetzen, darunter der Göttinger. Den erneuten Erfolg in einem hochkarätigen Wettbewerb sieht Fischer als Anerkennung und Ansporn. „Wir können auf unseren vielfältigen Vorarbeiten aufbauen. In den nächsten vier Jahren wollen wir die Integration der Datenwissenschaften vorantreiben, nur die Betrachtung unserer Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln erlaubt es uns, ein umfassendes Verständnis von Sozialverhalten und Intelligenz von Primaten zu erzielen.“

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