Nord-LB macht 69 Millionen Euro Verlust

Hannover.  Der Umbau der angeschlagenen Landesbank belastet das Ergebnis. Im Tagesgeschäft liegt sie jedoch im Plus. Wegen der Corona-Krise bildet die Bank noch keine Risikovorsorge.

Tiefliegende Nebelschwaden stehen am Gebäude der Nord-LB in Hannover.

Tiefliegende Nebelschwaden stehen am Gebäude der Nord-LB in Hannover.

Foto: Holger Hollemann / dpa

Es ist zwar immer noch ein Minus, das bei der Nord-LB am Ende des Geschäftsjahrs 2019 steht. Doch die krisengeschüttelte Bank ist einiges gewohnt, deswegen sind 69 Millionen Euro Verlust nach Steuern, 30 Millionen Euro vor Steuern, fast eine gute Nachricht. „Wir sind deutlich besser durch das Geschäftsjahr 2019 gekommen als erwartet. Wir haben zwar einen Verlust geschrieben, aber er ist überschaubar geblieben“, erklärte Vorstandsvorsitzender Thomas Bürkle am Dienstag in der Bilanzpressekonferenz, die wegen der Coronavirus-Pandemie telefonisch stattfand. Vor Steuern und Umbaukosten für die Restrukturierung der Bank blieb ein Plus von 429 Millionen Euro stehen.

Zur Erinnerung: 2018 lag die Nord-LB mit 2,1 Milliarden Euro im Minus. Notleidende Schiffskredite – also Darlehen, die nicht mehr zurückgezahlt werden – hatten die Bank so ins Schlingern gebracht, dass sie vor der Pleite gerettet werden musste. 2019 verabreichten ihr das Land Niedersachsen und die Sparkassen nach einigem Hin und Her eine Finanzspritze von 3,6 Milliarden Euro. Die EU erlaubte das Rettungspaket, doch gekoppelt ist es an klare Vorgaben: Die Norddeutsche Landesbank muss ihre Bilanzsumme deutlich herunterfahren und außerdem regionaler werden. Klumpenrisiken wie bei den großen Schiffsfinanzierungen sollen nicht mehr vorkommen.

„Wir sind heute schon eine risikoärmere und risikostabilere Bank als in der Vergangenheit“, sagte Bürkle. Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU), der auch Aufsichtsratschef der Nord-LB ist und der Krisenmanager der Rettung war, sieht das Jahresergebnisses mit Wohlgefallen: „Das Geschäftsergebnis bestätigt meine Einschätzung, dass die Nord-LB das Potenzial für eine rentable Bank besitzt.“ Trotz schwieriger Ausgangslage sei die Nord-LB 2019 in nahezu allen Geschäftsbereichen profitabel gewesen, hieß es in einer Mitteilung. Ein Großteil der Aufgaben stehe aber noch bevor. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden es in den nächsten Monaten nicht leichter machen“, sagte Hilbers.

Corona-Krise – „Überwachen Kreditportfolios permanent“

Wegen der Corona-Krise wollte der Bank-Vorstand keine Prognose für das laufende Geschäftsjahr abgeben, das sei nicht serös machbar. Eine Risikovorsorge wegen möglicherweise ausfallenden Krediten hat die Bank nach eigenen Angaben noch nicht gebildet, das sei für die Zukunft aber nicht ausgeschlossen. Kreditportfolios würden derzeit permanent überwacht. Die Nord-LB finanziert unter anderem Flugzeuge. Fluggesellschaften sind wegen des Einbruchs des weltweiten Tourismus in der Corona-Krise hart getroffen. Risikovorstand Christoph Dieng erklärte, dass das 4,5-Millionen schwere Flugzeugfinanzierungs-Portfolio durch Verbriefungen und Versicherungen gut abgeschirmt sei. „Wir rechnen außerdem damit, dass es zu einer staatlichen Untersützung bei Fluggesellschaften kommt“, sagte er.

In das Jahr 2020 ist die Landesbank nach eigenen Angaben ordentlich gestartet: Die Liquidität sei „auskömmlich“, das Neugeschäft entwickle sich positiv. 2020 setze die Bank ihren Transformationskurs fort, der Umbau werde weiter zu Belastungen führen. „Aber wir werden Kurs halten, das ist unserer Pflicht“, sagte Bürkle. In der Corona-Krise sehe er es außerdem als Pflicht einer Bank an, ihre Kunden nicht im Regen stehen zu lassen. Dass die Nord-LB gerade erst selbst vom Staat gerettet wurde, ist für den Banken-Manager in der aktuellen Krise offenbar auch noch einmal mehr Verpflichtung . „Wir haben Kapital durch die öffentliche Hand erhalten. Es ist in so einer Situation wie jetzt deshalb auch eine moralische Verpflichtung, etwas zurückzugeben und Verantwortung zu übernehmen – ohne jetzt moralin werden zu wollen“, sagte Bürkle.

Die Bilanzsumme der Bank schrumpfte 2019 um 14,4 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr auf 139,6 Milliarden Euro. Avisiertes Ziel für 2024 ist eine Bilanzsumme von 95 Milliarden Euro. Die harte Kernkapitalquote – sie ist wichtig für die Bewertung durch Ratingagenturen – lag bei 14,5 Prozent und damit über den regulatorischen Anforderungen. Zu verdanken ist das vor allem der 3,6-Milliarden-Euro-Finanzspritze.

Massiver Stellenabbau läuft weiter

Ende 2019 hatte die Landesbank noch 5300 Mitarbeiter, 2024 sollen es nur noch 2800 Vollzeitstellen sein. 2017 hatte die Nord-LB noch 6500 Mitarbeiter. Der massive Personalabbau soll möglichst sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen, betonte Bürkle am Dienstag erneut. Der Verwaltungsaufwand ging damit im Vergleich zum Vorjahr um
29 Millionen Euro zurück, seit 2017 um 200 Millionen Euro. Zugleich stiegen die Kosten für den Umbau der Bank. 2019 gab die Landesbank dafür 459 Millionen Euro aus, das Geld floss größtenteils in den Aufbau von effizienteren Strukturen sowie in IT-Systeme und soll die Landesbank für die Zukunft stärken.

Der Zinsüberschuss sank im Vergleich zum Vorjahr um rund
205 Millionen Euro auf 1,02 Milliarden Euro. Das lag zum einen daran, dass die Bank ihre Bilanzsumme abschmilzt und deswegen der Kredit- und Wertpapierbestand abnimmt, zum anderen an dem am Boden liegenden Zinsniveau. Der Provisionsüberschuss legte um 19 Millionen Euro auf 71 Millionen Euro zu. Hier kam aber vor allem ein einmaliger Effekt zum Tragen: Der Verkauf eines größeren Schiffsportfolios im ersten Quartal 2019.

Bank schraubt Schiffsfinanzierungen weiter zurück

Die problematischen Schiffsfinanzierungen sind weiter rückläufig, das Portfolio der Bank umfasste Ende 2019 noch Finanzierungen in Höhe von 4,6 Milliarden Euro beziehungsweise 535 Schiffe. 2018 waren es noch mehr als 1000 Schiffe und 10,3 Milliarden Euro. Als ausfallgefährdet gelten aktuell Darlehen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. Über alle Geschäftsbereiche hinweg liegt die sogenannte NPL-Quote, also die Quote der notleidenden Kredite, bei 2,0 Prozent, ohne Schiffe bei 0,6 Prozent. Ziel der Bank ist es, die Schiffsfinanzierung bis Ende 2021 komplett auf Null zu fahren. „Das tun wir sicher auch aus der Historie heraus, außerdem vereinfacht es das Geschäftsmodell der Nord-LB“, sagte Bürkle. Er verweist außerdem auf die guten Ergebnisse, die die Bank bei Projektfinanzierungen einfahre oder bei Immobilien und Erneuerbaren Energien.

Die Landesbank will sich künftig auf die fünf folgenden Geschäftsfelder konzentrieren: Privat- und Geschäftskunden sowie Verbundkunden (Sparkassen), Spezialfinanzierungen (Erneuerbare Energien, Flugzeuge, Infrastrukturprojekte), Immobilien, Markets (Kapitalmarktgeschäft für institutionelle und öffentliche Kunden sowie Sparkassen) sowie Firmenkunden.
70 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens liegt im Heimatmarkt Deutschland, womit die Nord-LB ihrem Auftrag, regionaler zu werden, nachkommen will. Verstärkt will die Bank in Zukunft als Mittler zwischen institutionellen Investoren und Kreditnehmern auftreten. „Auf diesem Weg können neue Produktlösungen für die Kunden und zusätzliche Provisionserträge für die Bank generiert werden“, heißt es.

Herauslösung der BLSK? „Würden damit umgehen“

Zu einer Herauslösung der Braunschweigischen Landessparkasse (BLSK), die eine Tochter der Nord-LB ist, sagte Bürkle, dass das absolut eine Entscheidung der Träger sei, nicht eine des Vorstands. Im EU-Plan sei die BLSK als Teil der Bank vorgesehen. „Wenn die Träger das ändern wollen, werden wir damit umgehen“, sagte er. Trotz Corona-Krise ist die Landessparkasse aber offenbar für die Nord-LB verzichtbar. „Die Nord-LB ist liquiditätsmäßig gut aufgestellt“, sagte Bürkle. Die Kommunen und die Wirtschaft in unserer Region fürchten, dass die BLSK in einen Abwärtsstrudel der Nord-LB mitgerissen werden könnte. Bürkle sagte: „Dieses Argument sehe ich nicht.“ Die Nord-LB sei stabil aufgestellt.

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