Landesforsten erwarten erneut starken Borkenkäfer-Befall

Braunschweig.  Präsident Klaus Merker warnt: Für Entspannung gibt es nach zwei Dürrejahren keinen Anlass. Die Corona-Krise beeinträchtige zudem den Holz-Export.

Ein Forstwirt der Niedersächsischen Landesforsten pflanzt im Forstamt Fuhrberg bei Hannover eine junge Buche. 

Ein Forstwirt der Niedersächsischen Landesforsten pflanzt im Forstamt Fuhrberg bei Hannover eine junge Buche. 

Foto: Landesforsten

Die Forstwirtschaft befindet sich bereits seit zwei Jahren im Krisenmodus. Dafür sorgten außergewöhnlich heiße und trockene Sommer sowie der Borkenkäfer. Obwohl der Februar viel Niederschlag brachte, könne von Entspannung keine Rede sein, betont Klaus Merker, Präsident der in Braunschweig beheimateten Niedersächsischen Landesforsten, im Interview mit unserer Zeitung. Auch in diesem Jahr werde mit einem hohen Borkenkäferbefall gerechnet.

Herr Dr. Merker, inwieweit beeinflusst die Corona-Krise die Arbeit der Landesforsten?

Niemand ist von der Krise unbeeinflusst. Wir gehen aber davon aus, dass wir unsere jetzt wichtige Arbeit im Kampf gegen den Borkenkäfer, aber auch in der beginnenden Waldbrandüberwachung fortsetzen können. Da der heimische Nadelholzmarkt wegen des Überangebots an Schadholz überfüllt ist, entlastet der Export des Nadelholzes die Situation. Da das Holz in Überseecontainern exportiert wird und diese aufgrund der Corona-Krise nur verzögert und in deutlich geringerem Umfang verschifft werden, ist der Holzexport massiv beeinträchtigt.

Die Wälder haben in den beiden vergangenen Jahren stark unter der Dürre und dem Borkenkäfer gelitten. Erwarten Sie in diesem Jahr eine Erholung des Waldbestands?

Das lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht zuverlässig einschätzen. Bis einschließlich Januar war der Winter erneut zu trocken. Allerdings haben die ausgiebigen Niederschläge im Februar, die der dreifachen Menge der durchschnittlichen Niederschläge entsprachen, die Situation etwas entspannt. Die Wasserspeicher in den Oberböden sind wieder gut gefüllt.

Die Dürre der vergangenen Jahre hatte aber die Wasservorräte in den Unterböden ab 1,8 Meter Tiefe aufgezehrt. Gibt es auch für diese Unterböden Entwarnung?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. In einigen Regionen, insbesondere in den östlichen Landesteilen Niedersachsens, sind die Unterböden nach wie vor zu trocken. Dort, wo die Niederschläge aber die Unterböden erreicht haben, bekommen die Wurzeln wieder Anschluss an die Wasservorräte. Durch die Trockenheit 2018 und 2019 waren die Feinwurzeln vieler Bäume abgestorben. Sie haben nun die Chance, sich zu regenerieren.

Ihre Aussage klingt nach einem Aber?

Ja, weil das Wetter mitspielen muss, damit sich die Baumbestände tatsächlich wieder erholen. Bekommen wir erneut einen trockenen Sommer, dann ist die leichte Erholung, die wir aktuell feststellen, schnell wieder hinfällig.

Die Trockenheit war in den beiden zurückliegenden Jahren das eine Problem, der Borkenkäfer das andere. Inwieweit wird Sie der Borkenkäfer in diesem Jahr beschäftigen?

Wir blicken sorgenvoll auf das Frühjahr und den Sommer, weil wir mit einer hohen Ausgangspopulation des Borkenkäfers rechnen. Viele Käfer haben im Boden oder in den Bäumen überlebt. Die alte Annahme, dass ein milder Winter der Population schadet, weil sie durch die Feuchtigkeit verpilzt, hat sich nicht bewahrheitet. Zwar stellen wir durchaus eine Verpilzung beim Borkenkäfer fest, aber nicht in dem Ausmaß, dass die Population groß geschwächt wird.

Wann erwarten Sie den ersten Käferflug?

Sobald die Temperaturen über mehrer Tage auf 18 bis 20 Grad steigen. Das ist dann meist Mitte/Ende April. Damit es nicht zu den verheerenden Auswirkungen für den Wald kommt wie in den beiden zurückliegenden Jahren, sind wir darauf angewiesen, dass das Wetter mitspielt. Es darf nicht wieder so trocken und warm werden. Und wir müssen zur Stelle sein und die befallenen Bäume fällen, um sie aus dem Wald zu transportieren, noch bevor die sich darin vermehrenden Käfer ausfliegen.

Der Februar brachte drei Stürme: Sabine, Victoria und Yulia. Welchen Schäden haben Sie angerichtet?

Landesweit haben sie für 350.000 bis 400.000 Kubikmeter Sturmholz gesorgt, vor allem im Harz und im Solling. Wir müssen nun viel dafür tun, dieses Holz rasch aus den Wäldern zu bekommen. Die frisch geworfenen Bäume wirken wie Zündschnüre, die die Borkenkäfer anziehen und ihre Population vermehren.

Gibt es etwas, das Sie zuversichtlich stimmt?

Die Witterung hat uns über den Winter geholfen. Obwohl wir alle Hände voll zu tun haben, die Käfer- und Dürreschäden der Vorjahre aufzuarbeiten, ist es uns über den Winter gelungen, 4,5 Millionen Jungbäume zu pflanzen. Diese Zahl war nicht unbedingt zu erwarten.

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