Behörde: Keine Hinweise auf neue Motor-Manipulationen bei VW

Berlin.  Der SWR erhebt im Abgasskandal neue Vorwürfe gegen Volkswagen. Auch Euro-6-Motoren sollen manipuliert sein. Der Konzern dementiert.

Der SWR erhebt im Abgasskandal neue Vorwürfe gegen Volkswagen.

Der SWR erhebt im Abgasskandal neue Vorwürfe gegen Volkswagen.

Foto: Jan Woitas / dpa

Volkswagen weist neue Diesel-Manipulationsvorwürfe zurück. Die Wolfsburger dementierten einen Bericht des SWR, nach dem auch bei neuere Motoren mit Euro-6-Abgasnorm Software enthalten sollen, die die Abgaswerte manipuliert. VW bestritt das: Der Konzern hat nach eigener Darstellung in neueren Diesel-Autos keine unzulässigen Abschaltvorrichtungen zur Manipulation der Abgaswerte eingebaut. Nach aktuellem Stand sei „nichts Illegales passiert“, sagte ein VW-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Der SWR hatte berichtet, dass auch Diesel-Motoren mit der Abgasnorm Euro 6 eine Software verwenden würden, die erkennt, ob sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befindet, eine so genannte „Zykluserkennung“. Konkret geht es in dem Bericht um den Nachfolger des Skandalmotors EA189, EA288. Der SWR beruft sich auf vertrauliche VW-Dokumente, die dem Sender vorlägen. VW dementiert, dass in diesen Motoren eine solche Vorrichtung eingebaut ist.

Kraftfahrt-Bundesamt bewertet Vorwürfe zu VW-Dieselmotor EA 288 als „nicht neu“

Das zuständige Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat keine eigenen Hinweise auf weitere mögliche Manipulationen bei Dieselmotoren von Volkswagen. Wie unsere Redaktion erfuhr, bewertet das KBA aktuell die Vorwürfe zu den VW-Modellen mit dem Motor EA 288 als „nicht neu“. Dies teilte das KBA dem Bundesverkehrsministerium mit.

Das Kraftfahrt-Bundesamt habe „zu diesen Modellen bereits in 2016 eigene Messungen, Untersuchungen und Analysen durchgeführt. Unzulässige Abschalteinrichtungen konnten dabei nicht festgestellt werden und zwar auch nicht in Gestalt einer unzulässigen Zykluserkennung“.

VW: Manipulations-Software auch in neuen Modellen?

Ein VW-Sprecher hatte zuvor erklärt, es sei nicht verboten, so genannte „Fahrkurven“ festzulegen. Dabei werden bestimmte Eigenschaften eines Autos so eingestellt, dass prinzipiell auch erkannt werden kann, ob es sich gerade in einem Prüfstandstest befindet.

Diese Einstellungen dürften von Entwicklern aber nicht dazu genutzt werden, etwa die Abgassteuerung zu beeinflussen. Hinweise darauf, dass so etwas geschehen sein könnte, habe man nicht.

Volkswagen dementiert SWR-Bericht mit neuen Vorwürfen

Der Motor, um den es im Bericht geht, wurde laut SWR seit 2012 in hunderttausenden Diesel-Fahrzeugen des Konzerns eingebaut, etwa im Golf, Tiguan und Passat, dazu bei verschiedenen Modellen von Audi, Skoda und Seat.

Der Sender beruft sich auf interne VW-Unterlagen von Ende 2015. Die habe der VW-Konzern nicht direkt kommentieren wollen, heißt es in dem Bericht, ein VW-Sprecher habe angeführt, dass es sich eben um vertrauliche Dokumente handle. Der Sprecher habe aber dementiert, dass bei diesen Motoren eine illegale Abschalteinrichtung eingebaut sei.

Auto-Experte Dudenhöffer: „Glaubwürdigkeit wäre dahin“

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer mahnt, „vorsichtig zu sein“ mit Beschuldigungen, wenn die Details nicht klar seien. „Aber wenn es wirklich so wäre, dann wäre es ein Riesenskandal“, sagte Dudenhöffer unserer Redaktion. „Die Glaubwürdigkeit, die sich VW wieder aufgebaut hat, wäre dahin und damit auch die Aussagen rund um die Elektromobilität, wie sie VW jüngst auf der IAA getroffen hat.“

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wurde wegen des Dieselskandals wegen Betrugs angeklagt. Die damals verwendete Schummelsoftware wurde vom BGH als Sachmangel anerkannt. Anfang des Jahres hatte VW eine Wechselprämie für alte Dieselautos ausgelobt. Auch andere Firmen kämpfen mit Abgaswerten. Porsche hatte Selbstanzeige erstattet. (jos/dpa/moi)

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