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Hausarbeit gerecht aufteilen: Experten verraten das Rezept

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5 Zeichen für eine gute Mutter-Kind-Bindung

5 Zeichen für eine gute Mutter-Kind-Bindung

Eine gute und gesunde Mutter-Kind-Bindung ist wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Welche Zeichen darauf hindeuten, dass eure Bindung stabil ist, wollen wir erklären.

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Berlin.  Immer mehr Väter wollen sich im Familienalltag stärker einbringen. Experten erklären, wie Paare Lasten im Haushalt besser aufteilen.

Die meisten Mütter in Deutschland arbeiten in Teilzeit – und verwenden so oft automatisch mehr Zeit auf Haushalt und Kinder als die Väter mit Vollzeitjob. Und selbst wenn beide Elternteile gleich viel arbeiten, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Mutter putzt, kocht, wäscht, das Geschenk für den Kindergeburtstag organisiert, den nächsten Impftermin vereinbart und die Laterne für den Martinsumzug bastelt.

„Das belegen Studien“, erklärt Volker Baisch, zweifacher Vater und Gründer der Väter gGmbH, einer gemeinnützigen Unternehmensberatung, die darauf abzielt, dass Väter Kinder und Karriere intensiver miteinander vereinen. Der Grund dafür sei die immer noch unterschiedliche Sozialisation von Mädchen und Jungen.

Hausarbeit laut Studien oft immer noch ungleich verteilt

Diese ungleiche Verteilung der Arbeit zu Hause kann sehr belastend sein und bis zum Burn-out oder einer ernsten Familienkrise führen. Doch wie lässt sich der sogenannte Mental Load, also die mentale Belastung rund um Haushalt und Kinder, gerecht verteilen?

Während der Corona-Zeit mit Lockdowns und Homeoffice haben viele Väter den Alltag ihrer Kinder hautnah mitbekommen – oft zum ersten Mal. Denn laut Mikrozensus arbeiten 94 Prozent der Väter in Deutschland in Vollzeit, sodass in normalen Zeiten für den Kinderalltag wenig Zeit bleibt. Doch viele Väter möchten heute im Leben ihrer Kinder eine wichtige Rolle spielen und es anders machen als ihre eigenen Väter – besser. Wie kann das konkret funktionieren?

Zunächst müsse ein Vater den Wunsch verspüren, präsenter in seiner Familie zu sein, sagt Carsten Vonnoh, Berater für Väter, Familien und Organisationen und Autor des Buches „Up to Dad“. Im nächsten Schritt empfiehlt er das Konzept von Patricia Cammarata, das sie in ihrem Buch „Raus aus der Mental-Load-Falle“ beschreibt. Erst einmal eine Bestandsaufnahme machen: Wer macht was? Dann: Gemeinsam aufschreiben, was in der nächsten Woche anliegt und wer welche Aufgaben übernimmt. Nach zwei bis vier Wochen steht die Evaluierung an: Was hat gut geklappt, was nicht? Wie fühlen sich beide damit?

Aufgabenbereiche klar verteilen: Er Gesundheit, sie Kita

Auch Volker Baisch berichtet von seiner Väterarbeit, dass viele sehr positive Rückmeldungen zu diesem System geben. Besonders gut funktioniert es laut Baisch, wenn Aufgabenbereiche klar verteilt werden: „Beispielsweise kümmert sich der eine um die Gesundheit, die andere um die Kita et cetera. Und man muss dranbleiben, immer wieder schauen, was man verbessern kann.“ Baisch empfiehlt, das Konzept zwei bis drei Monate zu erproben. „Dann hat es eine große Chance, dass es auch weiterhin umgesetzt wird.“

Ein weiterer Tipp sei das Sprechen über die eigene Kindheit, so Baisch. Wenn ein Paar voneinander weiß, wie beide aufgewachsen sind, was vielleicht die Mutter dem Sohn früher abgenommen hat oder was der Vater verlangt hat, lassen sich heutige Verhaltensmuster besser einordnen und korrigieren. Außerdem sei es wichtig, Gefühle zu benennen und bei den Gesprächen klar zu sein.

Auch Männer schleppen unsichtbare Last mit sich herum

Wenn bei den Paargesprächen herauskommt, dass die Mutter gerne weniger Arbeitslast hätte, ist es wichtig, dass sie auch wirklich bereit ist, Aufgaben abzugeben – etwa die Organisation des Kindergeburtstags. Das ist laut Volker Baisch nicht so einfach, wie es klingt. Ist die Mutter in ihrem Innern eigentlich gar nicht bereit dazu, verschwindet auch der Mental Load nicht – sie denkt weiterhin an die Aufgabe, obwohl es nicht mehr ihre ist.

Bei einigen Aufgaben kann ein zeitweiser Rollentausch eine gute Methode sein, um die Belastung des anderen nachzuvollziehen.

Das geht natürlich nicht in allen Bereichen, zum Beispiel im Job. Doch gerade hier schleppten viele Männer eine unsichtbare Last mit sich herum, weiß Volker Baisch: den Financial Mental Load, also die Belastung, die Familie finanziell zu versorgen. In Deutschland haben laut Baisch 77 Prozent der Väter die Rolle des Familienernährers. Das erzeuge den Druck, auf der Arbeit zu funktionieren, um die Familie gut abzusichern. Väter tendierten daher dazu, Überstunden zu machen, obwohl sie lieber bei der Familie wären, sagt Vonnoh.

Väter-Berater: Unsichtbare Arbeit sichtbar machen

Und so wie die Väter nichts von der Belastung im Kopf der Mütter wüssten, wüssten die Mütter oft nicht, wie viele Gedanken sich die Väter über die finanzielle Absicherung machten. „Kommunikation ist das A und O, weil man nur so die unsichtbare Arbeit sichtbar machen und Wünsche äußern kann“, sagt Väterberater Carsten Vonnoh. Sonst staue sich Ärger an – und es komme zu Vorwürfen. Die Mütter müssen sich laut Volker Baisch selbst fragen und dann kommunizieren: Möchte ich vor allem Wertschätzung? Brauche ich eher Ruhe? Oder möchte ich lieber entscheiden, was ich mache, und nicht so getrieben sein?

Um die Arbeit rund um Haushalt und Kinder gerecht aufzuteilen, braucht es auch eine gesellschaftliche Veränderung. Volker Baisch ist Verfechter einer gleichmäßigeren Verteilung der Erwerbsarbeit – etwa statt Vater 100 Prozent und Mutter 60 Prozent lieber 80 Prozent kombiniert durch ein paritätisches Elternzeitmodell. „Damit fängt die gleichberechtigte Care-Arbeit an. Daher ist es umso wichtiger, dass Väter nicht nur die klassischen zwei Monate Elternzeit nehmen, sondern mehr.“ Langfristig helfe das Vätern, Unternehmen und Müttern gleichermaßen.

Dieser Artikel erschien zunächst auf morgenpost.de.