Klimawandel

Wälder sterben massiv: So leiden die Bäume unterm Klimwandel

| Lesedauer: 4 Minuten
Der deutsche Wald ist "krank" - Politik in Sorge

Der deutsche Wald ist krank - Politik in Sorge

"Unsere Wälder sind krank", sorgt sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2020. Die aktuellen Zahlen gehören "zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebung im Jahr 1984", erläutert sie.

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Berlin.  Stürme, Dürre, Schädlinge – Tausende Hektar Wald sterben in Deutschland. Die Wissenschaft prüft Folgen von Mono- und Mischkulturen.

  • Die Folgen des Klimawandels werden auch in Deutschland immer deutlicher
  • Das Waldsterben schreitet massiv voran, Experten warnen
  • 2020 starben so viele Bäume wie noch nie zuvor

Die Lage ist ernst. „Unsere Wälder sind krank“, so die Bilanz von Bundesagrarministerin Julia Klöckner. Der Waldzustandsbericht 2020 zeigt die verheerende Situation schwarz auf weiß: Lange ging es den Wäldern in Deutschland nicht so schlecht wie heute. Allein im vergangenen Jahr starben so viele Bäume wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. 138.000 Hektar Wald gingen demnach verloren.

Auch 2019 war die Sterberate der Bäume im Vergleich zu den Vorjahren bereits gestiegen. Insgesamt müssen laut Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) aktuell 285.000 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden.

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Das Waldsterben hat viele Gründe:

  • nährstoffarme Böden,
  • Stürme und Dürre,
  • insbesondere aber auch Schädlinge – allen voran der Borkenkäfer.

Wegen der anhaltenden Trockenheit sind die Bäume geschwächt, das Insekt hat dadurch leichtes Spiel. Denn gesunde Bäume halten die Eindringlinge mit Harz fern, gestresste Bäume aber sind fast wehrlos.

Waldsterben: Experten setzten auf Mischwälder statt Monokulturen

Die vielen nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Monokulturen verschärfen laut Experten die Situation zusätzlich. Marx plädiert daher für ein Umdenken in der Forstwirtschaft. Es sei lange bekannt, dass ein Wald, der mit fünf oder sechs Baumarten aufgezogen wird, einfach besser zurechtkomme als eine Monokultur.

Ob und wie Mischwälder konkret den Borkenkäferbefall beeinflussen, wird derzeit an der Universität Freiburg untersucht. Ein Team um die Wissenschaftlerin Sylvie Berthelot geht der Frage nach, ob die Zusammensetzung der Baumarten eines Waldes das Fressverhalten der Borkenkäfer beeinflusst.

Bisher nahmen die Forscherinnen und Forscher an, dass Baumdiversität den Befall von Schädlingen reduziert. Doch die jungsten Ergebnisse, die im „Journal of Ecology“ veröffentlicht wurden, zeigen: So einfach ist es nicht.

Borkenkäfer bleiben auch in Mischwäldern ein Problem

Eine zunehmende Baumvielfalt könne das Risiko eines Borkenkäferbefalls für anfällige Gattungen wie Lärche und Fichte zwar verringern, erklärt Berthelot. Dafür könne das Risiko für weniger bevorzugte Gattungen wie die Kiefer oder exotische Bäume mit der Baumvielfalt zunehmen.

Der Grund: Einmal angelockte Käfer befallen auch diese Bäume. Zwar gebe die Studie Hinweise darauf, dass nicht-heimische Baumarten im Vergleich wenig befallen werden, da die Käfer diese Gattungen nicht kennen.

Brände, Stürme, Überschwemmungen: Klimaextreme im Jahr 2020
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„Dieser Effekt kann sich mit den Jahren allerdings abschwächen“, sagt Berthelot. In Mischwäldern werde das Risiko eines Befalls laut der Expertin also eher auf die Baumarten umverteilt als für alle reduziert.

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Riesiges Wald-Versuchsfeld angelegt

Für ihre Untersuchungen haben die Forscherinnen und Forscher in Freiburg einen 1,1 Hektar großen Versuchsaufbau angelegt. Dort sind jeweils sechs einheimische Laub- und Nadelbaumarten aus Europa und sechs Laub- und Nadelbaumarten aus Nordamerika in verschiedenen Mono- und Misch-Parzellen angepflanzt.

Nach der starken Trockenheit im Sommer 2018 befiel der Kupferstecher aus der Familie der Borkenkäfer vor allem die einheimischen Arten: die Gemeine Fichte und die Europäische Lärche. „Wir waren überrascht, dass die Käfer an den exotischen Nadelbaumarten, wie beispielsweise der amerikanischen Fichte, nur leichtes Interesse hatten“, sagt Berthelot.

Gleichzeitig stellte das Team eben jedoch auch fest, dass sich je mehr Baumarten es gibt, die Wahrscheinlichkeit veränderte, welche Bäume die Käfer befallen. Zudem zeigten die Untersuchungen, dass auch die Position innerhalb der Versuchsfläche für den Befall entscheidend ist.

Die Bäume am Rand wurden am stärksten angegriffen. Daher vermutet Berthelot, dass der Borkenkäfer von außerhalb ins Versuchsfeld kam. „Darüber hinaus schwächen Umwelteinflüsse die ungeschützten äußeren Bäume stärker, sodass sie anfälliger sind“, erklärt die Wissenschaftlerin. (mit dpa)

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