Corona-Urlaub: Regierung warnt vor Reisen nach Nordspanien

Madrid.  Die Regierung warnt angesichts steigender Corona-Infektionszahlen vor Reisen in bestimmte Gebiete Spaniens. Das müssen Urlauber wissen.

Bundesregierung warnt wegen Corona vor Reisen nach Nordspanien

Das Auswärtige Amt hat eine offizielle Reisewarnung für die nordspanischen Regionen Katalonien, Aragón und Navarra herausgegeben: Vor nicht notwendigen touristischen Reisen werde derzeit aufgrund erneut hoher Infektionszahlen und örtlicher Absperrungen gewarnt.

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Der Spanien-Urlaub bleibt im Corona-Jahr 2020 eine komplizierte Angelegenheit. Nachdem die Corona-Fallzahlen in einigen Regionen des Landes wieder deutlich angestiegen sind, hat die Bundesregierung eine Reisewarnung für mehrere Gebiete Spaniens ausgesprochen.

Die nordspanischen Regionen Katalonien, Aragón und Navarra sollten aufgrund hoher Infektionszahlen und örtlicher Absperrungen gemieden werden, erklärte das Auswärtige Amt am Freitag. Zuvor hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) die drei Regionen als Risikogebiete eingestuft.

In den betroffenen Regionen liegen beliebte Touristenziele wie Barcelona, die Costa Brava und das spanische Pyrenäengebiet. Bereits am Dienstag hatte das Auswärtige Amt von Reisen in die Gebiete abgeraten.

Spanien: 2000 Corona-Neuinfektionen täglich im Schnitt

Nach offiziellen Angaben stecken sich in Spanien derzeit durchschnittlich 2000 Menschen täglich mit dem Erreger an. Allein die Region Katalonien verzeichnete in den vergangenen sieben Tagen mehr als 5000 neue Fälle. An zweiter Stelle liegt laut dem spanischem Gesundheitsministerium die Region Aragón mit knapp 3000 wöchentlichen Ansteckungen. Auch in der Hauptstadt Madrid stiegen die Ansteckungszahlen zuletzt wieder auf gut 2000 pro Woche.

Derzeit gilt in Spanien eine Maskenpflicht für alle öffentlich zugänglichen geschlossenen Räume. Im Freien muss eine Maske dann getragen werden, wenn die Abstandsregeln nicht gewährleistet werden können. „Das Virus kann zurückkommen“, warnte Spaniens Premier Pedro Sánchez. „Wir müssen auf der Hut sein.“ Lesen Sie auch: Urlaub in Corona-Zeiten: Das müssen Mallorca-Urlauber wissen

Wie schnell sich die Lage zum Schlechteren verändern kann, zeigte sich bereits vor einigen Tagen in Katalonien. Nach einem lokalen Ausbruch und steigender Infektionszahlen wurden neue Ausgangssperren für über vier Millionen Menschen und eine strengere Maskenpflicht in ganz Katalonien verordnet. Letztere gilt auch im Freien und unabhängig vom Mindestabstand. Lesen Sie hier: Corona-Zahlen in Spanien steigen – Sorge steigt

Barcelona wegen Corona fast ohne Touristen
Barcelona wegen Corona fast ohne Touristen

Mallorca: Feierwütige hören nicht auf, gegen die Regeln zu verstoßen

Auch auf den Balearen gilt seit 13. Juli eine strengere Maskenpflicht. Auf den Inseln muss die Maske nun im öffentlichen Raum getragen werden – sowohl drinnen als auch draußen. Ausnahmen gelten unter anderem für Strand-, Pool- oder Restaurantbesuche. Die Einführung der verschärften Regeln galt auch als Reaktion auf Zusammenkünfte, bei denen gegen die Corona-Regeln verstoßen wurde.

Mehrere deutsche und britische Urlauber schienen den Warnschuss aber nicht gehört zu haben und feierten auch danach weiter. Die Regierung der Balearen lies daraufhin Lokale am Ballermann und in Magaluf zwangsschließen.

Damit endeten die Corona-Verstöße der Feierwütigen aber immer noch nicht. Laut der Lokalpolizei wurden die Partys in Magaluf einfach an den Strand verlegt. Der sei danach zudem sehr vermüllt zurückgelassen worden.

Erstmals seit der Wiedereröffnung Mallorcas für den internationalen Tourismus ist am Freitag eine Person im Urlaub nach Behördenangaben positiv auf das Coronavirus getestet und in Quarantäne geschickt worden. Es handele sich um eine Person aus Spanien, die zusammen mit neun ebenfalls aus Spanien kommenden Begleitern in einem Hotel untergebracht worden sei, sagte eine Sprecherin der regionalen Gesundheitsbehörde am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Damit korrigierte sie frühere Angaben der Behörde, es gebe mehrere infizierte Urlauber.

Urlaub in Spanien: Flugpassagiere müssen elektronische Erklärung ausfüllen

Um die Sicherheit zu erhöhen, müssen alle Flugreisenden bei der Einreise nach Spanien einen QR-Gesundheitscode vorweisen. Besonders groß ist die Angst vor infizierten Touristen auf den Kanarischen Inseln. Dort drängen die Inselbehörden sogar darauf, dass alle aus dem Ausland ankommenden Urlauber, die aus „Risikogebieten“ stammen, einen negativen Corona-Test vorweisen müssen.

Als Beispiel für ein „Risikogebiet“ hatte der Gesundheitsminister der Inselregierung, Blas Trujillo, Anfang Juli den deutschen Landkreis Gütersloh genannt, wo das Virus auf einem Schlachthof ausbrach und mehr als 1500 Mitarbeiter infizierte. Die spanische Staatsregierung in Madrid, die das letzte Wort hinsichtlich der Einreisebedingungen hat, lehnt jedoch serienmäßige Corona-Tests für Urlauber auf den Kanaren wie auch in anderen Ferienzielen ab. Hintergrund: Das sind die aktuellen Risikogebiete

Sie vertraut stattdessen auf Corona-Fieberkontrollen, die auf Flug- und Fährhäfen sowie Bahnhöfen, aber auch in Hotels, Sehenswürdigkeiten, Geschäften und öffentlichen Gebäuden stattfinden. Die thermographischen Kameras, die zum Beispiel in den Ankunftsterminals der Airports installiert sind, schlagen bei mehr als 37,5 Grad Körpertemperatur an.

Urlaub in Europa - Grenzen weitgehend wieder geöffnet
Urlaub in Europa - Grenzen weitgehend wieder geöffnet

Zudem müssen Flug- und Fährpassagiere eine elektronische Erklärung ausfüllen, in welcher der Gesundheitszustand, persönliche Daten, Handynummer und Ferienadresse abgefragt wird. Die Gesundheitserklärung kann online oder per App SpTH ausgefüllt werden. Die elektronische Erklärung generiert einen QR-Code, der bei der Einreise vorgelegt werden muss. Wer mit dem Auto oder Zug über die Landgrenzen einreist, muss bisher keine Erklärung abgeben.

Eine Corona-Warn-App, wie sie etwa von den deutschen Behörden angeboten wird, existiert in Spanien derzeit noch nicht. Ein App-Prototyp wird derzeit auf der Kanareninsel Gomera getestet. Spanien setzt zudem auf das Verantwortungsbewusstsein der Urlauber: „Die Touristen, die zu uns kommen, müssen sich schützen und mit Besonnenheit handeln“, sagt Francina Armengol, die regionale Ministerpräsidentin der Balearischen Inseln, zu denen Mallorca und Ibiza zählen. Lesen Sie auch: Portugal-Urlaub in Gefahr? Was der Corona-Lockdown bedeutet

Pilotprojekt auf Mallorca erfolgreich

Spanien gehörte im Frühjahr zu den von der Pandemie am schlimmsten betroffenen Ländern Europas. Inzwischen ist die Lage unter Kontrolle. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt mittlerweile auf ähnlichem Niveau wie zum Beispiel in Deutschland, Österreich oder Frankreich.

Bier-Roboter in der Kneipe
Bier-Roboter in der Kneipe

Auf Mallorca waren die spanischen Corona-Schutzmaßnahmen in der zweiten Juni-Hälfte mit mehreren tausend deutschen Urlauber getestet worden. Das Experiment verlief erfolgreich. Bisher wurde kein Krankheitsfall unter den Mallorca-Touristen bekannt.

Nach dem Urlaubstestlauf rollte auf der Insel wieder schrittweise der Massentourismus an: Immer mehr Hotels öffneten, viele Airlines fliegen wieder nach Palma. Nur der große Kreuzfahrthafen auf der Insel bleibt geschlossen. Auf Mallorca, wie auch in allen anderen spanischen Küstenstädten, dürfen internationale Kreuzfahrtschiffe wegen der weltweiten Corona-Pandemie vorerst nicht anlegen.

Nach den Skandalen um die Verstöße von Touristen gegen Corona-Regeln hat der Reiseveranstalter Tui für 2020 alle Partyreisen aus dem Angebot genommen.

Ein Corona-Rückfall auf Mallorca, Spaniens meistbesuchter Urlaubsinsel, hätte für den Reisesektor katastrophale Konsequenzen: „Bei einem großen Virenausbruch unter Touristen“, sagt die regionale Gesundheitsministerin Patricia Gómez, „könnte es sein, dass wir die Insel schließen müssen.“ Und das wäre, mitten im Sommer, ein Albtraum.

Katalonien: Streit um Ausgangssperren

In Katalonien hatten die spanischen Behörden neue Ausgangssperren verhängt. Die neuen lokalen Beschränkungen galten zunächst für die Gegend um die Stadt Lleida. Daran hatte sich ein Streit über die Maßnahmen entzündet: Zunächst hatte eine Richterin die Lockdown-Anordnung für die Großstadt und sieben umliegende Gemeinden gekippt.

Lesen Sie dazu: WHO warnt: Das sind die neuen Hotspots der Pandemie

Regionalpräsident Quim Torra erließ daraufhin ein Dekret zur Durchsetzung dieses ersten Ausgehverbots in Spanien seit dem Ende des landesweiten Notstands am 21. Juni. Mehrere von der Zeitung „El País“ befragte Juristen stimmten allerdings darin überein, dass ein Regionalpräsident nicht per Dekret Grundrechte wie die Bewegungsfreiheit einschränken könne – dazu sei nur das spanische Parlament befugt. Betroffen waren zuerst rund 160.000 Menschen.

Mittlerweile gelten die strengen Ausgangssperren aber auch für Barcelona und verschiedene Vororte. Jetzt sind mehr als vier Millionen Menschen davon betroffen. Zudem wurden Diskotheken, Clubs und Nachtlokale geschlossen.

Die erneute Ausbreitung des Virus hat den für das Land wichtigen Tourismussektor schwer geschädigt, weil europäische Länder wie etwa Deutschland wieder von Urlaubsreisen in bestimmte Gebiete abraten und Großbritannien sogar eine Zwangsquarantäne für alle Rückkehrer aus Spanien anordnete.

Muss man in Quarantäne, wenn man nach Mallorca reist?

Nein, das muss man bislang nicht, auch wenn es nach den Skandal-Bildern auch von deutschen Politikern vereinzelt gefordert wird.

(ze/dpa/mbr/raer/jas/bef)

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