Geschichte trifft Gegenwart

Braunschweig.  Ein geradliniger Neubau vergrößert eine Schule in Braunschweig.

Der Neubau (vorne) fügt sich optisch ein und verbindet gleichzeitig Alt und Neu.   

Der Neubau (vorne) fügt sich optisch ein und verbindet gleichzeitig Alt und Neu.   

Foto: Andreas Bormann

Mit einem Ergänzungsneubau haben die Braunschweiger Architekten Welp von Klitzing auf dem Campus der Technikakademie und der Berufsbildenden Schule (BBS) V an der Kastanienallee 70/71 eine nachhaltige Schularchitektur geschaffen. Das im Juni eröffnete Gebäude mit dem einfachen, längs gerichteten Baukörper und den ruhigen zusammenhängenden Klinkerflächen fügt sich fließend in den städtebaulichen Kontext des Quartiers zwischen Bolchentwete und Helmstedter Straße ein.

Nur wenigen ist noch bekannt, dass an diesem Ort einst internationale Braunschweiger Industrie- und Technikgeschichte geschrieben wurde. Auf dem heutigen Schulgelände fertigten bis Ende der 1960er Jahre weit über 1000 Beschäftigte in der Brunsviga Maschinenwerke Grimme, Natalis & Co. AG Rechenmaschinen für den weltweiten Markt. 1970 wurde die Techniker-Schule in die aus den 1920 Jahren stammenden Industriegebäude verlegt, zehn Jahre später die BBS V.

Es ist eine markante, sachliche Industriearchitektur, die mit ihrem roten Backstein und den großen Fensteröffnungen den Straßenzug innerhalb des Ringes raumgreifend prägt.

Die Architekten setzen bei ihrem Schulneubau auf einen ruhigen Dialog zwischen den Bestandsbauten und der neuen Schularchitektur. „Es ist wie eine symbiotische Verbindung“, beschreibt Hendrik Welp die Verbindung zwischen Neu und Alt. „Beide Gebäude teilen sich einen Eingang, die alte Treppe und einen neuen Fahrstuhl.“ Die Architekten haben sich für eine rote Klinkerfassade entschieden. „Neben der gestalterischen Qualität waren Aspekte der Langlebigkeit und der Alterungsfähigkeit für die Materialwahl maßgeblich“, sagt Welp.

Das fein nuancierte Farbspiel, das durch den natürlichen Wechsel von Absorption und Reflexion des Lichts auf der Klinkeroberfläche entsteht, bildet dabei einen spannungsvollen Kontrast zu dem großflächig verglasten Eingangsfoyer und den fein rhythmisierten Fenstereinschnitten der Fassade. Das Foyer des barrierefrei erschlossenen Gebäudes ist nicht nur Eingangs-, Warte- und Aufenthaltsbereich, es ist auch gleichzeitig Durchgang zur städtischen Kita Prinzenpark und zum südlich gelegenen Hof.

Das transparente Erscheinungsbild der Berufsschule zeigt Offenheit und Transparenz nach außen und schafft Nähe. Das gleiche gilt für das Innere des Gebäudes, denn in dem zweigeschossigen Neubau befinden sich nicht nur sieben Klassenräume und zwei Musikzimmer, sondern auch ein für 300 Zuschauer komplett eingerichteter Saal mit Bühne, der sich unabhängig vom Schulbetrieb nutzen lässt.

Dieser Raum hat es in sich, nicht zuletzt durch minimalistische, aber edle Ausstattung und Bestuhlung, Farbigkeit und Lichtatmosphäre, dazu die in horizontale Bänder gegliederten Sichtbetonoberflächen der Decke. Alles ist immer konzentriert auf das Wesentliche.

„Wir wollten einen Saal machen, dessen Akustik perfekt ist“, berichtet Architekt Welp. „Mit der fachlichen Beratung von Diplomingenieur Peter Karsten erhielten wir eine präzise Berechnung der Akustik und einen Klang, der sich transparent und packend entfaltet.“

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Die Autorin ist Mitarbeiterin der Architektenkammer Niedersachsen

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