Die Reaktion des VfL Wolfsburg stimmt – zumindest offensiv

Wolfsburg.  Der künftige Trainer Tommy Stroot sieht beim 5:2 gegen Duisburg eine gute Offensive und eine unkonzentrierte Abwehr bei den Wolfsburgerinnen.

Svenja Huth jubelte nach ihrem Treffer zum 4:0, am Ende besiegte der VfL Duisburg nur mit 5:2.

Svenja Huth jubelte nach ihrem Treffer zum 4:0, am Ende besiegte der VfL Duisburg nur mit 5:2.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Es ist gar nicht so leicht, diesen Auftritt der Fußballerinnen des VfL richtig einzuordnen. Auf der einen Seite haben die Wolfsburgerinnen über weite Strecken eine starke Antwort auf die zahlreichen verletzungsbedingten Ausfälle in der Offensive sowie das gegeben. Doch auf der anderen Seite zeigte die Mannschaft von Trainer Stephan Lerch in der Defensive einige ungewohnte Unkonzentriertheiten, die ein Bundesliga-Kellerkind wie der MSV Duisburg doppelt bestrafen konnte. So stand am Ende ein 5:2 (4:0)-Erfolg mit variablem, teils spektakulärem Angriffsfußball und fünf verschiedenen Torschützinnen. Aber auch hanebüchenen Einladungen zum Toreschießen.

Von letzterem war in der Anfangsphase noch nichts zu sehen. „Duisburg ständig zu stressen, sie in die Defensive reinzudrücken, ist uns richtig gut gelungen“, sagte Lerch. Und das dürfte auch der Eindruck von (Twente Enschede) gewesen sein, der ab der Saison 2020/21 Lerchs Nachfolger wird und die Partie verfolgte, weil in den Niederlanden nicht gespielt wurde.

Saevik trifft erstmals für den VfL

Dank des Premierentors von Karina Saevik erwischte das Team einen Start nach Maß und ließ in der Folge Angriffswelle um Angriffswelle losrollen. Pia-Sophie Wolter (10.) oder Felicitas Rauch (11./Pfosten) hätten früh nachlegen können. Wolter schob in Minute 18 nach Saevik-Ablage klug zum 2:0 ein.

Zweimal hatte Duisburg Glück, dass es zu elft weitermachen durfte: Einmal als der Ball Keeperin Maike Kämper außerhalb des Strafraums an die Hand sprang (20.), ein zweites Mal, nachdem Claire O’Riordan Saevik überhart abräumte (25.). Schiedsrichterin Christine Weigelt, die zur Pause mit Knieproblemen zur Assistentin wurde, entschied aber anders.

Defensiv zeigen die Wolfsburgerinnen einige Fahrlässigkeiten

Nun deuteten sich erste Fahrlässigkeiten in der Abwehr ein, die schon hier zu Gegentreffern hätten führen können. Taylor Kornieks Schuss nach Fehler von Lena Goeßling lenkte Torfrau Katarzyna Kiedrzynek noch an die Latte (31.), Felicitas Rauchs sorglosen Pass in die Füße von Jorian Baucom konnte die MSV-Stürmerin nicht verwerten (37.). Jetzt machte der VfL wieder ernst, legte mit einem tollen Fernschuss von Ingrid Engen und durch Svenja Huth kurz vor der Pause zwei weitere Tore nach. Dieser Doppelschlag kaschierte ein wenig, dass die Wolfsburgerinnen wie zuletzt häufiger wieder Topchancen liegenließen. „Wir müssen früher nachlegen, was uns in dieser Saison auch begleitet“, meinte Wolter.

Und dennoch: „Im Endeffekt war das Spiel schon nach der ersten Halbzeit gegessen“, befand Goeßling, die Lerch nach Alexandra Popps Verletzung zur Kapitänin machte. Das schien sich etwas zu sehr in den Köpfen der VfLerinnen festgesetzt zu haben. Sie drückten zwar auf das fünfte Tor, waren in der Abwehr aber weiter unkonzentriert. Nur drückte der MSV ein wenig mehr und kam zu zwei nicht ganz unverdienten Ehrentreffern.

Lerch: „Haben es nicht komplett durchgezogen“

Die änderten nichts mehr am Erfolg der Wolfsburgerinnen, die zwischenzeitlich durch Zsanett Jakabfis Kopfball auf 5:1 gestellt hatten, sorgten aber für einen faden Beigeschmack. „Wir haben die Gegentore leichtfertig hergeschenkt“, mahnte Lerch an und fand: „Wir haben es nicht komplett durchgezogen.“ Goeßling pflichtete bei: „Wir haben oft nicht die richtige Entscheidung getroffen, zu kompliziert gespielt. Unser Anspruch ist, dass wir die zweite Halbzeit mehr dominieren.“

Daran gilt es nun in der Länderspiel-Unterbrechung mit – wie immer bei Nationalmannschaftsabstellungen – dezimiertem Kader zu arbeiten. Am 31. Oktober geht’s im DFB-Pokal zu Regionalligist VfL Bochum, danach warten in der Bundesliga auswärts mit Turbine Potsdam und Bayern München zwei Topgegner. Lerch betont: „Wir haben nicht viel Zeit, aber die wollen wir nutzen, bevor es in die richtig heiße Phase mit sehr wichtigen Spielen geht.“

Die Reaktion gegen Duisburg, sie stimmte – aber eben nur in Teilen.

Spiel kompakt:

VfL: Kiedrzynek – Hendrich, Goeßling, Janssen, Rauch – Engen (46. Blässe), Oberdorf (69. Dickenmann) – Wolter (61. Wedemeyer), Huth (86. Cordes, Jakabfi – Saevik (61. van de Sanden).

MSV: Kämper – Fürst, O’Riordan (57. Lange), Hilbrands, Yekka – Halverkamps (57. Maierhofer), Morina, Günster (90.+2 Angerer), Zielinski – Kornieck (90.+2 Harsanyova), Baucom (90.+2 Härling).

Tore: 1:0 Saevik (3.), 2:0 Wolter, 3:0 Engen (43.), 4:0 Huth (45.), 4:1 Baucom (60.), 5:1 Jakabfi (62.), 5:2 Zielinski (72.).

Gelbe Karten: - / O’Riordan, Baucom.

Schiedsrichterin: Christine Weigelt (Leipzig)/Katrin Rafalski (Besse/ab 46.).

Zuschauer: 615 im AOK-Stadion.

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