VfL-Anruf zog Abt aus einem Loch

Wolfsburg.  Wolfsburgs neue Nummer 2 bei den Fußballerinnen kann damit leben, dass sich der Klub nach dem Ausfall von Almuth Schult wieder umschauen will.

Friederike Abt ist die neue Nummer 2 beim VfL.

Friederike Abt ist die neue Nummer 2 beim VfL.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Wie sich Friederike Abt in ihren ersten Tagen beim VfL Wolfsburg fühlt, kann man nur erahnen: Eigentlich ist die 25-jährige Torfrau als Nummer 2 hinter Almuth Schult zu den VfL-Fußballerinnen gekommen. Und jetzt, da die deutsche Nationalkeeperin für längere Zeit ausfallen wird, kann sich der Neuzugang der TSG Hoffenheim trotzdem nicht sicher sein, dass er Schult vertreten darf. Denn die Wolfsburger Verantwortlichen fahnden wegen Schults OP nach einer Übergangs-Nummer-1, die nicht Abt sein soll.

Gleich am ersten Trainingstag gesagt zu bekommen, dass sich der Klub nach dem Schult-Ausfall auf dem Transfermarkt umsehen will, ist erstmal kein großer Vertrauensbeweis. Andererseits ändert sich dadurch gar nichts für Abt, die ohnehin nicht davon ausgegangen war, regelmäßig spielen zu dürfen. Und es kann die 25-Jährige, die sich hinter Nationalkeeperin Schult noch weiterentwickeln soll, vor Fehlern in ihrer Anfangszeit schützen.

Denn trotz starker Leistungen in den zwei Partien mit Hoffenheim gegen den VfL in der vergangenen Saison ist die Rolle in Wolfsburg eine andere. In den meisten Spielen gibt es für die Torhüterinnen nur wenige Bälle auf den Kasten. „Man bekommt auch mal 88 Minuten nichts zu tun und muss dann aber den einen Ball halten“, weiß Abt.

Coach Stephan Lerch sagte nach den ersten Einheiten der neuen Keeperin: „Sie geht mit großem Respekt an die Sache heran. Ich glaube aber, dass sie die Sicherheit findet und schnell reinfinden wird.“ Insgesamt lobt Lerch: „Sie hat gute Reflexe, ist stark auf der Linie.“ Auf längere Sicht soll Abt, die aus Bielefeld stammt und in Wolfsburg einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, eine solide Vertreterin werden, kurzfristig will man sie noch nicht ins kalte Wasser schmeißen. Die 25-Jährige lässt die gesamte Situation nicht an sich heran. „Dass Almuth länger ausfällt, tut mir leid. Ich werde mich durch die Situation nicht verrückt machen.“

Abt, die 2011 mit den deutschen U19-Juniorinnen Europameisterin geworden ist, ist durchaus erfahren. 60 Bundesliga-Spiele hat sie für Herford und Hoffenheim bestritten, kam in den Nachwuchsteams des DFB zu insgesamt neun Einsätzen. Und sie ist krisenerprobt: Kurz nach dem EM-Gewinn riss sie sich das Kreuzband, benötigte zweieinhalb Jahre, um wieder richtig fit zu werden. Es war mit die schwierigste Zeit in ihrer Karriere. Einen weiteren Tiefpunkt gab es zu Jahresbeginn, als sie einen Bandscheibenvorfall erlitt – und in dieser Zeit auch die Nachricht, dass sie die TSG nach vier Jahren verlassen muss. „Der Anruf vom VfL hat mich dann aus diesem Loch wieder herausgezogen. Schon das Interesse war eine unheimlich große Ehre“, sagt sie.

Viel Bedenkzeit benötigte sie dann nicht. „Wenn Wolfsburg anruft, überlegt man nicht zweimal. Der VfL ist eine Topadresse im Frauenfußball.“ Schon bei der ersten Kontaktaufnahme wurde ganz offen über die ihr zugedachte Rolle als Nummer 2 gesprochen. „Allein das hohe Niveau im Training war für mich ein Anreiz“, ist die Torhüterin von den Vorzügen überzeugt.

Für die Karriere nach dem Fußball sorgt sie vor. Während ihrer Zeit bei Hoffenheim studierte sie in Karlsruhe Biologie, hat ihren Bachelor fertig und auch schon zwei Master-Semester absolviert. Für Wolfsburg hat sie das Studium „auf Eis gelegt“, der Aufwand beim VfL ist höher als bei der TSG, die Präsenzzeiten im Labor nicht zu leisten.

Ob Abt sich in Schults Abwesenheit beweisen darf oder noch eine weitere Torfrau kommt, ist noch offen. Denn es gibt bei diesen Gedankenspielen gleich mehrere Probleme: Es gibt einfach nicht viele Spielerinnen, die so gut sind, dass sie Schult eins zu eins ersetzen können. Dann ist da der späte Zeitpunkt in der Vorbereitung, um eine Toptorhüterin zu verpflichten. Und es stellt sich die Frage, was mit diesem Ersatz passiert, wenn Schult im Laufe der Hinrunde wieder fit werden sollte.

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