Josuha Guilavogui: "Das hat mir sehr wehgetan"

Wolfsburg.  Josuha Guilavogui ist Anführer des VfL Wolfsburg, derzeit aber sportlich nicht erste Wahl. Doch aufgeben ist keine Option für ihn.

Unglücklich mit seiner Rolle: Josuha Guilavogui war zuletzt nur Nebendarsteller beim VfL Wolfsburg. Bei RB Leipzig kehrt er aber voraussichtlich in die Startelf zurück.

Unglücklich mit seiner Rolle: Josuha Guilavogui war zuletzt nur Nebendarsteller beim VfL Wolfsburg. Bei RB Leipzig kehrt er aber voraussichtlich in die Startelf zurück.

Foto: Simka/regios24

Es muss schon eine sehr ernste Lage sein, damit Josuha Guilavogui das Lachen vergeht. Am Samstagnachmittag im Stadion An Der Alten Försterei aber war der Gesichtsausdruck des 30 Jahre alten Franzosen verbittert und trist. Vor Anpfiff der Partie seines VfL Wolfsburg bei Union Berlin stapfte er auf die Tribüne, statt seine Mannschaft als Kapitän aufs Feld zu führen. Schon im ersten Spiel des Jahres, beim 0:2 in Dortmund, saß Guilavogui auf der Bank – und während er in Berlin wenigstens noch eingewechselt wurde, hatte er die 90 Minuten im Ruhrgebiet komplett auf der Bank verbracht. „Das“, sagt er, „hat mir sehr wehgetan.“ Von einem Lachen keine Spur.

Chancen für Guilavogui in der Startelf stehen gut

Das kommt auch nicht sofort zurück, wenn er über die kommende Partie spricht. Dabei stehen die Chancen eigentlich gut, dass Guilavogui am Samstag gegen RB Leipzig (15.30 Uhr, VW-Arena) in der Startelf steht. Maximilian Arnold ist nach seiner roten Karte bei Union gesperrt und muss ersetzt werden. Der Kapitän ist eine der vielversprechendsten Lösungen. Die Erfahrungen der vergangenen Monate aber lösen bei dem Franzosen eher Zweifel aus. „Vielleicht sitze ich auch auf der Bank, mal sehen. Yannick hat es zuletzt top gemacht.“

Erfolg des Kollektivs über persönlichem Glück

Es spricht für die Grundeinstellung Guilavoguis, dass er seine Konkurrenten nicht verteufelt, sondern sie öffentlich lobt – der Erfolg des Kollektivs steht über seinem persönlichen Glück. Angesprochener Yannick Gerhardt gehörte sowohl in Dortmund als auch in Berlin zu den auffälligsten Wolfsburgern. Im 4-2-3-1-System spielte der 26-Jährige auf der Zehn, auf der Doppelsechs agierten Arnold und Xaver Schlager – für Guilavogui gab’s keinen Platz. Bei Union wurde er in der Pause für den schwächelnden Marin Pongracic in der Abwehr eingewechselt und machte seine Sache dann hervorragend. Allerdings gibt Guilavogui folgende Erkenntnis zu denken: „Ich bin im Mittelfeld an vierter Stelle und in der Abwehr an vierter Stelle.“

Der Kapitän ohne Schiff?

Ex-Trainer Bruno Labbadia hatte den Anführer noch von der Mannschaft wählen lassen. Seine Mitspieler statteten Guilavogui in großer Einigkeit mit der Kapitänsbinde aus. Labbadias Nachfolger Oliver Glasner bestimmte den Kapitän selbst, auch seine Wahl fiel auf Guilavogui. Es ist somit die dritte Saison als VfL-Anführer, und es ist zugleich seine schwerste. Einige kleinere und größere Verletzungen verhinderten im Vorjahr, dass der Mittelfeldspieler über einen längeren Zeitraum mitwirken konnte. Und jetzt haben sich Arnold und Schlager dort festgespielt, wo es Guilavogui am besten kann: im Herzstück des Teams.

Unbestrittene strategische Qualitäten

Seine strategischen Qualitäten sind unbestritten: Guilavogui hat eine herausragende Antizipation, die ihn schneller und direkter an Stellen lenkt, an denen es bald gefährlich wird. Seine Zweikampfstärke sowohl am Boden als auch in der Luft machen ihn zu einem starken Balldieb im oftmals entscheidenden Bereich des Platzes. Das schnelle Umschalten in die Offensive liegt aber vor allem Schlager besser – und der hat sich sehr positiv entwickelt. In München, Dortmund und Berlin, den Topspielen des VfL, saß Guilavogui nur auf der Bank – und deutet die Zeichen für sich. „Man muss zwischen den Linien lesen.“

"Natürlich bin ich nicht zufrieden mit meinem Platz auf der Bank"

Wie also geht Guilavogui mit dieser Phase um? „Natürlich bin ich nicht zufrieden mit meinem Platz auf der Bank“, sagt er. Das gelte für jeden Profi, nicht nur speziell für ihn. „Ich respektiere die Entscheidung des Trainers, will sie aber nicht akzeptieren, weil das bedeuten würde, dass ich mich damit zufrieden gebe. Ich muss einfach dranbleiben, fit und geduldig sein. Ich warte auf meine Chance.“ Womöglich kommt diese schon am Samstag gegen Leipzig. Steht er dort wieder in der Startelf, kehrt bestimmt auch sein Lachen ganz zurück.

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