VfL Wolfsburg: Zwei ganz linke Nummern

Wolfsburg.  Paulo Otavio und Jérôme Roussillon liefern sich den härtesten Zweikampf im Kader des VfL Wolfsburg. Inzwischen hat der Brasilianer die Nase.

Zeiten ändern sich: Jérôme Roussillon (links) ging auf der Linksverteidiger-Position als Platzhirsch in die Saison, doch inzwischen hat Paulo Otavio (rechts) beim VfL Wolfsburg die Nase vorn.

Zeiten ändern sich: Jérôme Roussillon (links) ging auf der Linksverteidiger-Position als Platzhirsch in die Saison, doch inzwischen hat Paulo Otavio (rechts) beim VfL Wolfsburg die Nase vorn.

Foto: Darius Simka / regios24

Sie sind Wolfsburgs linke Nummern: Jérôme Roussillon und Paulo Otavio. Als linke Verteidiger sind sie dafür zuständig, auf ihrer Seite nach hinten dicht zu machen sowie nach vorn für Impulse und gefährliche Flanken zu sorgen. Nicht erst der 2:1-Sieg zum Bundesliga-Neustart am Samstag in Augsburg hat gezeigt: Mit ihnen verfügt der VfL Wolfsburg über ein starkes Duo, das jedem Gegner einheizen kann – und das sich den härtesten Konkurrenzkampf im Kader liefert. Denn spielen kann immer nur einer: Otavio oder Roussillon.

Vor der Saison waren die Rollen klar verteilt. Hier Roussillon, der Platzhirsch, der in der Vorsaison zu den besten Linksverteidigern der Liga zählte. Drei Tore und sechs Vorlagen in 28 Einsätzen ließen aufhorchen und weckten Begehrlichkeiten. Auf der anderen Seite Otavio, der Herausforderer, den VfL-Trainer Oliver Glasner zwar aus seiner Zeit beim Linzer ASK kannte, der zuvor aber für den FC Ingolstadt in der 2. Liga nur auf zwei Assists in 27 Spielen gekommen war. Auch wenn die Verantwortlichen das nie so deutlich kommunizieren würden, aber: Der Brasilianer kam als Backup-Lösung, als klare Nummer 2 hinter Roussillon, der sich sogar ins Blickfeld der französischen Nationalmannschaft gespielt hatte.

Doch auch das ist eben Fußball: Nichts ist in Stein gemeißelt. Zehn Monate später hat sich das Verhältnis fürs erste umgekehrt. In Augsburg spielte Otavio, obwohl der einstige Platzhirsch fit war – und der 25-Jährige machte seine Sache sehr gut. Glasner lobt seine Dynamik, sein Tempo, seine Art, wie er die freien Räume attackiert. „Wir haben ihn ja nicht geholt, nur weil wir lustig sind. Sondern weil wir von seinen Qualitäten überzeugt sind“, so der VfL-Coach. Am Ende ist ein Transfer wie der von Otavio aus der 2. Liga auch das Ergebnis guter Scouting-Arbeit.

Dass der Brasilianer Zeit brauchen würde, um sich an das höhere Niveau einzugewöhnen, war sicherlich eingeplant. Die Eingewöhnung wäre wohl schneller gegangen, wenn ihn nicht zu Saisonbeginn Probleme in der Hüfte gebremst hätten. Roussillon hingegen überzeugte zeitgleich nicht, kam mit der von Glasner eingeführten Dreierkette in der Abwehr und zwei Flügelflitzern davor nicht gut zurecht. Doch der Trainer hatte keine echte Alternative zum grundsympathischen 27-Jährigen, dem man die Selbstzweifel ansehen konnte. Otavio holte derweil Stück für Stück den Rückstand auf. „Er hat sich zurück gebissen und ist jetzt topfit. Das ist einfach eine tolle Entwicklung“, sagt Glasner über den Linksfuß, der erst am 21. Dezember beim 0:2 in München sein Bundesliga-Debüt für den VfL gab.

Seine Chance nutzte Otavio, als Roussillon wegen Oberschenkelproblemen Ende Februar ausfiel. Aktuell hat er die Nase vorn, durfte in Augsburg beginnen. Zusammen mit Kevin Mbabu auf der anderen Seite bereitete Otavio den Gastgebern immer wieder Probleme, besonders dann wenn die Spieler auf den Halbpositionen davor, in diesem Fall Josip Brekalo und Renato Steffen, einrückten und so Platz auf den Außen schufen. Genau das war der Plan Glasners. „Das war ein Schwerpunkt im Kleingruppen-Training“, gibt der Coach zu, der dafür die Statistik der bisherigen Saison zurate zog.

Die besagte: Der VfL kam zwar oft zum Flanken, doch es sprang zu wenig heraus, weil der gefährliche Raum vor dem Tor nicht besetzt war oder die Hereingaben zu ungenau waren. Der Lerneffekt ist augenscheinlich da: Das 2:1-Siegtor durch Daniel Ginczek in der Nachspielzeit fiel, weil sich Mbabu auf der rechten Seite durchsetzte und den Ball passgenau nach Innen brachte. Zuvor hatte Steffen das 1:0 erzielt – nach Flanke von Otavio, der erst in der 87. Minute gegen Roussillon getauscht wurde. Beide VfL-Treffer wurden von den Außen vorbereitet. Glasner happy: „Das haben sie sehr gut gemacht.“

Mit Otavio und Roussillon hat der VfL-Trainer jetzt zwei linke Nummern, auf die er sich verlassen kann. „Bei einem Wechsel auf der Position“, sagt er, „habe ich gar keine Bedenken.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder