VfL Wolfsburg: Nach dem Anpfiff war dann einfach nur Fußball

Augsburg.  Wie 2018 gewinnt der VfL Wolfsburg durch ein Tor in der Nachspielzeit in Augsburg. Doch drumherum ist wegen der Corona-Pandemie vieles anders.

Kein gemeinsames Einlaufen, keine Zuschauer, keine Emotionen auf den Rängen: Doch auf dem Platz in Augsburg war's einfach Fußball - und wie 2018 siegte der VfL Wolfsburg in der Nachspielzeit.

Kein gemeinsames Einlaufen, keine Zuschauer, keine Emotionen auf den Rängen: Doch auf dem Platz in Augsburg war's einfach Fußball - und wie 2018 siegte der VfL Wolfsburg in der Nachspielzeit.

Foto: Hase / Getty Images

Wie sich voneinander unabhängige Ereignisse manchmal doch ähneln. Als Yannick Gerhardt in der Nachspielzeit den Siegtreffer des VfL Wolfsburg beim FC Augsburg erzielte, brachen im Gästebereich der WWK-Arena alle Dämme. Wer spät gewinnt, jubelt eben besonders intensiv. Das war im Dezember 2018 so, da gewann Bruno Labbadias Team dank des Gerhardt-Tors mit 3:2. Und das hätte im Mai 2020 auch so sein können, als Oliver Glasners Wolfsburger am Samstag mit 2:1 triumphierten.

Denn wieder gewann der VfL in Augsburg in der Nachspielzeit. Wieder war die Freude groß. Doch diesmal durfte sie nicht ekstatisch herausgelassen, sondern musste kontrolliert nüchtern, fast bürokratisch ausgeführt werden. Ein staatsmännischer Händedruck für den Siegtorschützen Daniel Ginczek wäre schon zu viel gewesen an diesem Samstagnachmittag, der so viel mit dem bis dahin letzten VfL-Auftritt in Augsburg gemein hatte – und zugleich so viel Ungewohntes zeigte.

Schon die letzten Minuten vor der Partie, in denen die Spannung für gewöhnlich minütlich steigt, waren besonders. Robin Knoche und Felix Klaus waren gut 70 Minuten vor Anpfiff die ersten VfL-Spieler auf dem Rasen, die mit Mund-Nase-Schutz den Blick über die gähnend leeren Plätze der WWK-Arena schweifen ließen. Sie, die Ersatzspieler, bekamen später auch ganz neue Plätze zugewiesen. Denn auf der Ersatzbank ist zu wenig Platz für alle, um die Abstandsregelungen einhalten zu können. Sie mussten auf die Tribüne. Die war ja ohnehin leer.

Weitere Besonderheiten noch vor dem Anpfiff: keine Durchsage der Aufstellungen, kein gemeinsames Einlaufen der Teams, kein Teamfoto, kein Abklatschen mit dem Schiedsrichter. Aber als Felix Brych dann anpfiff, war Fußball. Doch eben im Geisterspielmodus ohne Emotionen von den Tribünen. Ein Stück Vitalität fehlt, was dem gesamten Spektakel eine entscheidende Essenz nimmt. Leider. „Wir machen das Ganze für die Emotionen – und es immer schön, wenn man die mit jemandem teilen kann“, sagte Glasner, der aber natürlich die Notwendigkeit der Geisterspiele anerkennt.

Auf die Akteure auf dem Rasen allerdings schien das keine verändernde Wirkung zu haben. Die Profis betonen ohnehin stets, in einem Tunnel und daher von den Ereignissen außerhalb des Platzes unbeeinflussbar zu sein, was in vielen Fällen wahrscheinlich nicht stimmt. Aber letztlich wurde in Augsburg und an vielen anderen Bundesliga-Standort wieder Fußball gespielt. Nur Fußball. Die Größe der Plätze, die der Strafräume, der Tore blieb gleich, die Klubs schickten je elf Spieler auf den Rasen, es fielen auch nicht außergewöhnlich viele Tore – vieles war so wie vor der Zwangspause durch die Corona-Pandemie. Und doch so anders.

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