VfL Wolfsburg: Camacho „zwei Schritte“ zurückgeworfen

Schladming.  Trainer Glasner sagt über den erneut angeschlagenen Spanier: „Wir haben die Grenze offenbar zu früh überschritten.“

Schuftet abseits der Mannschaft mit Reha-Coach Michele Putaro: Ignacio Camacho (rechts) hat erneut einen Rückschlag erlitten.

Schuftet abseits der Mannschaft mit Reha-Coach Michele Putaro: Ignacio Camacho (rechts) hat erneut einen Rückschlag erlitten.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Wer Ignacio Camacho im Trainingslager des VfL Wolfsburg in Österreich sehen will, der findet ihn meist nur fernab seiner Mannschaftskollegen. Während die gesunden Spieler mit Trainer Oliver Glasner auf dem A-Platz des FC Schladming an den Abläufen und Besonderheiten des neuen Systems feilen, schuftet der 29 Jahre alte Spanier hinter der Tribüne mit Reha-Coach Michele Putaro. Nachdem Camacho zu Vorbereitungsbeginn im Test gegen Rostock (2:1) noch sein Comeback nach neun Monaten Verletzungspause gefeiert hatte, gab es danach offenbar einen riesigen Rückschlag. Glasner erklärt: „Es hatte so ausgesehen, als würde es mit ihm aufwärts gehen. Dann mussten wir die Grenzen ausloten. Aber im Nachhinein muss man sagen, dass wir alle zusammen diese Grenze offenbar ein wenig zu früh überschritten haben. Es tut mir extrem leid für ihn.“

Camachos Sprunggelenk, das in seiner Karriere schon mehrfach operiert worden war, reagierte deutlich schlimmer als gedacht. „Jetzt müssen wir“, sagt Glasner, „zwei Schritte zurückgehen, um ihn langsam wieder aufzubauen.“ Der Spanier macht Koordinationsübungen und versucht, sein malades Gelenk so zu belasten, dass es nicht schmerzt. Eine Prognose, wann er womöglich wieder auf Camacho bauen kann, hält Glasner für „unseriös“. Dafür ist die Verletzung zu komplex und Camachos Krankenakte zu dick. Wird der 29-Jährige vielleicht sogar seine Karriere vorzeitig beenden müssen? „Das sehe ich jetzt nicht“, sagt Glasner. „Und ich hoffe es natürlich auch unter keinen Umständen.“ Im Sommer 2017 war der Mittelfeldstratege für eine Ablöse von rund 15 Millionen Euro vom FC Malaga zum VfL gekommen, seither hat er aufgrund seiner vielen Verletzungen nur 21 Pflichtspiele bestritten. Ob noch weitere dazukommen?

Deutlich besser sieht es bei Josuha Guilavogui aus. Der VfL-Kapitän musste zwar in der Vorbereitung schon die eine oder andere Einheit wegen muskulärer Probleme in der Leiste sausen lassen, „aber das haben wir soweit im Griff“, sagt Glasner. „Das beunruhigt mich nur sehr wenig.“ Allerdings ist Vorsicht geboten, denn ein weiterer langfristiger Ausfall eines zentralen Defensivspielers wäre nur schwer zu verkraften. Und Guilavogui spielt als Mittelpunkt in Glasners Dreierreihe eine entscheidende Rolle. „Man hat in den Testspielen gegen Eindhoven und Fenerbahce gesehen, wie wertvoll er einerseits für unsere defensive Stabilität, aber andererseits auch für unseren Spielaufbau ist. Er ist ein guter Stratege“, sagt der Trainer.

Ein anderes Sorgenkind des Trainingslagers ist ab heute keines mehr: Renato Steffen. Der 27 Jahre alte Schweizer hatte sich in der ersten Einheit in Schladming leicht in der Oberschenkelmuskulatur verletzt. Bisher hat er daher noch nicht wieder mit dem Team trainiert, aber von Donnerstag an mischt er wieder voll mit. „Er wird am Samstag gegen Union Berlin spielen, wenn nichts anderes dazwischenkommt“, sagt Glasner. Steffen hätte schon am Montag im Test gegen Fenerbahce spielen können, aber der Trainer legte ein Veto ein. „Manchmal muss man einen Spieler auch vor sich selbst schützen“, sagt der 44 Jahre alte Österreicher.

Der Trainer ist froh, dass er nun wieder auf den vielseitigen Offensivmann setzen kann: „Es ist super, einen so variablen Spieler wie ihn zu haben.“ Wo plant er Steffen ein? „Ich versuche, jeden auf der Position einzusetzen, auf der er seine größten Stärken hat. Und Renato hat diese mit seiner Dynamik, Agilität und Abschlussstärke sicherlich im Angriff.“ Dennoch weiß Glasner, dass er mit Steffen einen flexiblen Flitzer im Kader hat, der jetzt wieder voll belastbar ist.

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