Sarah Scheurich: Strukturen befördern sexualisierte Gewalt

Will sich für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio qualifizieren: Sarah Scheurich.

Will sich für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio qualifizieren: Sarah Scheurich.

Foto: dpa

Stuttgart. Nach Meinung von Sarah Scheurich, Boxerin der deutschen Nationalmannschaft, begünstigen die Strukturen in ihrer Sportart sexualisierte Gewalt.

"Ich weiß aus persönlichen Gesprächen, dass es natürlich auch in anderen Sportarten derartige Probleme gibt. Allerdings begünstigen die Strukturen im stark männerdominierten Boxen sexualisierte Gewalt ganz offensichtlich", sagte die Athletin vom BC Traktor Schwerin einem Interview der "Stuttgarter Zeitung" und der "Stuttgarter Nachrichten".

Die jüngsten Vorwürfe sexueller Übergriffe durch Boxtrainer in Baden-Württemberg haben auch Sarah Scheurich betroffen gemacht. "Es spielt sich viel in alten Denkmustern ab, im Boxen sind Frauen immer noch das schwache Geschlecht, deshalb würde ich schon sagen, dass Chauvinismus und Sexismus im Boxen weiter verbreitet sind als im Rest der Gesellschaft", betonte die 27-Jährige. "In vielen Trainingshallen ist es unmöglich, sich als emanzipierte Frau wohlzufühlen."

Scheurich, die sich für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio qualifizieren möchte, forderte von den Boxverbänden: "Wir brauchen klare Regeln, die dafür sorgen, dass Täter auch mit ernsthaften Konsequenzen zu rechnen haben. Die Strafen müssen abschreckend sein." Die EM-Zweite von 2014 war vor zwei Jahren eine der Initiatorinnen der Kampagne "Coach don’t touch me!" ("Fass mich nicht an, Trainer!"), die sich gegen sexualisierte Gewalt im Boxen richtete.

© dpa-infocom, dpa:201118-99-381771/2

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