Juli, August, September – the Days to remember

Osterode am Harz  Der Rückblick 2020: Die drei Sommermonate verliefen aus sportlicher Sicht beinah normal.

Unter besonderen Auflagen fand im Jahnstadion Osterode das Leichtathletik-Meeting "Help at Corona" statt.

Unter besonderen Auflagen fand im Jahnstadion Osterode das Leichtathletik-Meeting "Help at Corona" statt.

Foto: Arne Hoffschlaeger / HK-Archiv

Blickt man auf das Corona-Jahr 2020 zurück, dann waren die Sommermonate Juli, August und September die wohl normalsten – auch wenn im Sportbetrieb weiterhin kaum etwas im normalen Rahmen ablief. Dennoch stellte sich mit steigenden Temperaturen zumindest ein wenig das Gefühl von halbwegs geordneten Abläufen und einem sportlichen Alltag ein. Der Ball rollte, auf die Sportplätze kehrte Leben zurück und selbst größere Veranstaltungen waren unter strengen Auflagen möglich.

Leichtathletik-Meeting in anderer Form

Das bewiesen Mitte Juli die Leichtathleten beim Meeting „Help at Corona“, das von Rainer Behrens und seinen Mitstreitern der LG Osterode in Windeseile im Jahnstadion organisiert wurde. Praktisch als Ersatz für das ausgefallene Sparkassen-Meeting waren viele Topsportler an den Harzrand gekommen, um endlich wieder Wettkampfluft zu schnuppern. Angeführt von Doppel-Weltmeister David Storl boten die Akteure eine tolle Show, nur auf die Unterstützung von Zuschauern musste weiterhin verzichtet werden. Mit sechs neuen Stadionrekorden, einigen DLV-Jahresbestleistungen und persönlichen Bestleistungen, die bei hervorragenden Bedingungen von den 104 startenden Teilnehmer aufgestellt wurden, konnte von der ausrichtenden LGO bilanziert werden: Alles richtig gemacht! Die Athleten sowie die Bundestrainer zollten zudem viel Lob für eine nahezu perfekte Organisation.

Etliche Sportler nutzten den Schwung aus Osterode, um anschließend in der Saison weitere Ausrufezeichen zu setzen. Hochspringerin Christina Honsel (TV Wattenscheid) gewann wenig später die Deutsche Meisterschaft, Weitspringerin Merle Homeier von der LG Göttingen landete bei den nationalen Titelkämpfen ebenso auf dem Podest wie etliche andere Sportler, die im Jahnstadion dabei waren. Auch von den Para-Athleten, die in Osterode dabei waren, machte im weiteren Saisonverlauf einer von sich reden: Weitsprung-Weltmeister Leon Schäfer (Bayer Leverkusen) verbesserte nicht zuletzt dank der Wettkampfpraxis, die er im Jahnstadion gesammelt hatte, rund einen Monat später den Weltrekord.

Geschichte geschrieben

Geschichte schrieb am 17. Juli der SV Lerbach. Die Fußballer aus der 1. Kreisklasse trugen, nachdem die Verordnungen entsprechend gelockert wurden, das erste Testspiel im Altkreis nach der Corona-Pause aus. Die Truppe von Coach Jacek Ciesla besiegte den FC Zellerfeld mit 11:5 (4:2), das Ergebnis war aber fast schon zweitrangig. „Die Jungs waren schon etwas aufgeregt. Die erste Mannschaft zu sein, die wieder spielt, ist eine schöne Geschichte“, berichtete SVL-Trainer anschließend. Nach und nach stiegen in den folgenden Wochen auch die weiteren Mannschaften des Altkreises in den Testspielbetrieb ein, wobei es klare Regeln bei der Zuschauerzahl und den Hygienemaßnahmen zu befolgen galt.

Bis zu den ersten Pflichtspielen sollte es allerdings noch dauern, erst im September wurde auf Kreisebene wieder um Punkte gekämpft. Im Bezirk fand zunächst sogar eine Pokalrunde statt, ehe es erst im Oktober losgehen sollte. Die Ligen wurden dabei auf allen Ebenen verkleinert und um zusätzliche Staffeln erweitert, um im späteren Saisonverlauf mehr Luft bei möglichen Spielverlegungen zu haben. Eine Entscheidung, die sich inzwischen als durchaus weitsichtig herausgestellt hat.

Kuriose Schiedsrichterentscheidungen im Fokus

In der Kreisliga treten alle Altkreis-Teams in der Staffel B an, eine glückliche Fügung, denn eingeteilt wurde nach dem Reißverschlussverfahren anhand der Platzierungen der abgebrochenen Vorsaison. Den besten Start erwischte die Petershütter Reserve, die im September sieben Punkte aus drei Partien holte. Auch in der 1. Kreisklasse sind sämtliche Altkreis-Teams in einer Staffel versammelt, hier aber aufgrund einer regionalen Einteilung. Den besten Start erwischte der 1. FC Freiheit, im Fokus standen jedoch vor allem zwei kuriose Schiedsrichter-Entscheidungen. Mehmet Celik vom SV Rot-Weiß Hörden kassierte im Derby gegen den FC Merkur Hattorf die Ampelkarte, nachdem er sich bei einem Freistoß in Strafraumnähe hinter die Mauer legte, um einen Flachschuss zu verhindern. „Im Fernsehen hab ich das schon ein paar Mal gesehen. Die Hattorfer haben ein paar clevere Spieler dabei, denen so ein Schuss unter der Mauer durchaus zuzutrauen ist, also hab ich mich hingelegt“, so der gelb-vorbelastete Hördener. Bevor der Freistoß allerdings ausgeführt wurde, schritt der Schiri zur Tat und zeigte wegen einer vermeintlichen Unsportlichkeit Gelb – und damit Gelb-Rot. „Ich hab gedacht, ich bin im falschen Film“, schilderte der Rot-Weiß-Kapitän seine ersten Gedanken. Immerhin, die Sperre gegen ihn wurde vom Kreissportgericht in einem Schnellverfahren aufgehoben, die 0:1-Niederlage hatte aber Bestand.

In Bad Grund sorgte am zweiten Spieltag eine Entscheidung des Unparteiischen für Stirnrunzeln. In der ersten Hälfte der Partie gegen den 1. FC Freiheit hatte Bad Grund beim Stand von 0:0 einen Elfmeter erhalten. Der erste Schütze verschoss, der Schiri ließ den Strafstoß aber wiederholen. Ein anderer Viktoria-Spieler verwandelte daraufhin den Elfmeter, der Unparteiische verwehrte dem Treffer jedoch die Anerkennung und zeigte dem Spieler stattdessen die gelbe Karte, seiner Ansicht nach hätte der Schütze nicht gewechselt werden dürfen. Das aber ist eindeutig erlaubt. In der Folge verloren die Bergstädter die Partie mit 1:7 und legten gegen die Wertung Protest ein. Dem wurde später vom Kreissportgericht stattgegeben, das Bezirkssportgericht annullierte den Richterspruch aber wieder – der Auswärtssieg der Freiheiter bleibt bestehen.

Etwas Normalität kehrt ein

Auch in anderen Sportarten kehrte, nachdem die Verordnungen mehr und mehr gelockert wurden, wieder Normalität ein. Anfang September begann die Tischtennis-Saison, wenngleich auch ohne Doppel gespielt wurde. Genauso starteten die Volleyballer in ihre Spielzeit, die Verbandsliga-Herren des 1. VC Pöhlde kamen mit einem Auswärtssieg beim ASC Göttingen II ebenso gut aus den Startlöchern wie die Verbandsliga-Frauen des VT Südharz. Die VTS-Damen holten aus ihren ersten beiden Auswärtsspielen vier Punkte. Es sollte letztlich aber nur ein kurzer Abstecher in den gewohnten Alltag bleiben, schon im Oktober änderte sich die Lage erneut drastisch...

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