Eintracht Braunschweig: Bringt der 1. Sieg das Selbstverständnis?

Braunschweig.  Eintracht Braunschweig hat mit dem 2:1 gegen den VfL Bochum die richtige Antwort auf die Derby-Niederlage gegen Hannover 96 gegeben.

Co-Trainer Thomas Stickroth (rechts) fällt dem erleichterten Eintracht-Chefcoach Daniel Meyer um den Hals.

Co-Trainer Thomas Stickroth (rechts) fällt dem erleichterten Eintracht-Chefcoach Daniel Meyer um den Hals.

Foto: Sebastian Priebe / regios24

Eine zentnerschwere Last schien nach dem 2:1 (1:1) gegen den VfL Bochum von Daniel Meyer abzufallen. Der Trainer von Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig sackte nach schier endlosen sechs Minuten Nachspielzeit, dem Schlusspfiff und dem ersten Saisonsieg zusammen, fiel auf die Knie und war einfach nur erleichtert.

Noch lange nach dem Ende der Partie schien der Spielverlauf dem 41-Jährigen in den Kleidern zu hängen. Trotz aller Freude über den ersten Dreier der Saison fehlte der sonst so häufig aufblitzende Meyer-Humor, als er in der Pressekonferenz die vergangenen 90 Minuten analysierte.

Eintracht Braunschweig: Kaufmann und Proschwitz treffen endlich

Die waren vollgepackt mit Dramatik und Kuriositäten. Fabio Kaufmann (23.) und Nick Proschwitz drehten mit ihren Toren die Partie zugunsten kämpferisch starker Löwen, nachdem Simon Zoller (5.) den VfL mit der ersten Bochumer Aktion aus dem Nichts heraus in Führung gebracht hatte.

Doch noch mehr als die drei Treffer hielt der Platzverweis von Eintracht-Torwart Felix Dornebusch die 3815 Fans in Atem (59.). Der 26-Jährige sah glatt Rot, als er den Ball nach einem Rückpass von Nico Klaß außerhalb des Strafraums mit der Hand spielte. Bochums Stürmer Sylvere Ganvoula war druckvoll auf den 1,93-Meter-Mann zugelaufen, obwohl Eintrachts Spieler sich nach einer Verletzungsunterbrechung und dem dazugehörigen Fair-Play-Pass in Sicherheit wähnten.

Dass Braunschweig in Unterzahl gewann und direkt nach der Herausstellung Dornebuschs in Führung ging, entschärfte die schwierige Situation. Mehr als 30 Minuten lang wehrten sich zehn Löwen gegen elf individuell bessere, aber lethargische Bochumer. „Die meisten Meter hat heute die Mannschaft gemacht. In Unterzahl sind wir zwei Kilometer mehr gelaufen als der Gegner“, lobte Meyer, der insbesondere in den Schlussminuten rastlos wie ein Zirkustiger in seiner Coaching-Zone auf und ab stapfte. „Hinten raus zittert man bei jeder Situation mit“, erklärte der Trainer. Zum wiederholten Male in dieser Spielzeit stand der „aggressiv Leader“ des Teams, das weiter nach anhaltender Stabilität sucht, an der Seitenlinie und nicht auf dem Feld.

Braunschweig-Coach Daniel Meyer fehlt Entschlossenheit bei einigen Eintracht-Spielern

Schon in der ersten Hälfte habe er gespürt, dass etwas möglich sei, gegen zuvor ungeschlagene Bochumer. „Aber ich habe nicht bei allen meinen Spieler die Entschlossenheit gespürt, auch nachzupressen und mit letzter Konsequenz die Dinge zu Ende zu bringen und deshalb versucht, von draußen meinen Teil beizutragen.“ Das gelang offensichtlich. Vor allem Akteure, die einen schwierigen Start in die Saison hatten, überzeugten.

Nico Klaß ersetzte Niko Kijewski auf der linken Seite souverän bei seinem Startelf-Debüt. Danilo Wiebe zeigte auf rechts Mut und Leidenschaft und leitete den Ausgleich mit ein. Robin Ziegele ließ abgesehen von minimalen Stellungsfehlern reihenweise Gegenspieler an sich abprallen, als seien sie lästige Fliegen. Oldie Proschwitz, von vielen abgeschrieben, belohnte sich mit seinem Tor endlich für seinen Einsatz. „Ich freue mich für die Spieler, dass sie auf dem Niveau mithalten können, dass sie Akzente setzen konnten“, sagte Meyer.

Denn nach der Derby-Niederlage in Hannover (1:4) waren die Rufe nach Verstärkung laut geworden. „Wir haben uns dazu entschieden, erstmal zu schauen, wie die Jungs, die da sind, das hinbekommen“, erklärte der Trainer. Der Teilerfolg gibt ihm momentan recht. Doch auch langfristig muss es klappen mit dieser Mannschaft, die über wenig Zweitliga-Erfahrung verfügt.

„Erfolgserlebnisse helfen dabei ungemein, weil am Ende wird immer noch vieles im Kopf entschieden“, sagte Meyer, dessen Spieler aus dem Fehlstart dank des Sieges einen akzeptablen Start für einen Aufsteiger machten.

Zutrauen und Mut müssen bei Eintracht Braunschweig größer werden

Als nach drei Spielen ohne Erfolgserlebnis erstmals in seiner Zeit an der Hamburger Straße der Druck auf den Fußball-Lehrer zunahm, behielt er seinen Weg bei – in Braunschweig, wo viele Pfade von einem gewissen Torsten Lieberknecht ausgetrampelt sind und das Publikum schnell nervös wird, ist das keine Selbstverständlichkeit. „Wir werden den Weg konsequent weitergehen“, versprach der Eintracht-Coach, der den Hut zog vor seinem Team, was Mentalität und nervliche Stabilität anging. Auch wenn er wusste, „dass das Zutrauen noch nicht so da war und die Entschlossenheit fehlte, Dinge mutig vorwärts zu lösen“.

Meyers Hoffnung, dass die Brust bei seinen Spielern nun breiter wird, ist vor den kniffligen Aufgaben in Regensburg, gegen Nürnberg und in Sandhausen größer geworden. Im heißen Herbst braucht Eintracht diese Überzeugung in die eigene Stärke – auch die Nerven des Trainers würde das schonen.

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