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Entlastungspaket: Höhere "Verdienstgrenzen" für Midi-Jobs

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Neuer Mindestlohn: Änderungen für Mini- und Midijob

Neuer Mindestlohn: Änderungen für Mini- und Midijob

Ab Oktober wird der Mindestlohn auf 12 Euro die Stunde angehoben. Was das für Mini- und Midijobber bedeutet.

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Berlin.  Mit dem Entlastungspaket schafft die Ampel-Koalition – nebenbei – höhere Anreize für Midi-Jobs: Verdienstgrenze steigt auf 2000 Euro.

Zum "Entlastungspaket" der Bundesregierung gehören nicht zuletzt Verbesserungen für so genannte Midi-Jobber. Es bedeutet für sie: Mehr Netto vom Brutto. Und für die Sozialkassen: 1,3 Milliarden Euro weniger an Beiträgen.

Der Midi-Job beginnt, wo der Mini-Job aufhört; und er endet, wo reguläre Beschäftigungsverhältnisse anfangen. Es ist ein Übergangsbereich, eine Gleitzone.

Midi-Jobs sind steuer- und sozialversicherungspflichtig. Anders als bei Mini-Jobs kann man sich nicht vom Rentenbeitrag befreien lassen. Der Vorteil von Midi-Jobs ist, dass die Betroffenen vergleichsweise weniger Sozialbeiträge zahlen, ohne dass ihre Rentensprüche gesenkt werden. .

Entlastungspaket: Midi-Jobs zwischen 520 und 2000 Euro

Bisher fallen unter "Midi-Jobs" Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die monatlich zwischen 450 Euro und 1300 Euro verdienen. Zum 1. Oktober wird diese Grenze ohnehin auf 520 bis 1600 Euro steigen – und nach dem Koalitionsbeschluss zum 1. Januar 2023 auf 2000 Euro.

Zur Erinnerung: Zum 1. Oktober 2022 steigen der Mindestlohn und zugleich die Verdienstgrenze für die 6,3 Millionen Mini-Jobber von 450 auf 520 Euro. In der Folge verschieben sich die Verdienstgrenzen für Midi-Jobber.

Entlastungspaket: Falscher Anreiz für mehr Teilzeit?

Seit der Reform der Midi-Jobs 2019 hat sich in Deutschland die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich mehr als verdoppelt: auf über drei Millionen. Zwar will die Regierung diese Menschen in Zeiten hoher Inflation entlasten, aber es ist gut möglich, dass ihre Zahl nun erneut steigen wird. Ein falscher Anreiz?

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Günstigere Bedingungen für Midi-Jobs können in zwei Richtungen wirken: Von unten gibt es stärkere Anreize, die Beschäftigungszeit aus Mini-Jobs heraus zu steigern, mehr und länger zu arbeiten; und von oben wird es attraktiver, reguläre Beschäftigungsverhältnisse durch Midi-Jobs zu ersetzen.

Je lohnenswerter Midi-Jobs werden, desto attraktiver ist Teilzeitarbeit. Experten warnen von einer Teilzeitfalle. Drei Viertel der Midi-Jobber sind Frauen. Die meisten Mini- und Midi-Job-Beschäftigten arbeiten im Handel, im Gesundheitswesen, im Sicherheitsgewerbe, in Hotels und Gastronomie.

Entlastungspaket: Wird die Rentenkasse "geplündert"

Midi-Jobber müssen Steuern zahlen. Der wesentliche Vorteil ist, dass geringere Sozialbeiträge fällig werden, die Betroffenen gleichwohl vergleichsweise höhere Ansprüche für die Renten erwerben.

Der Koalitionsbeschluss geht auf Kosten der Rentenversicherung. Sie muss bereits mit weniger Einnahmen und höheren Ausgaben auskommen, weil Mindestlohn und Mini-Jobs lukrativer werden und die "Hinzuverdienstgrenze" für Frührentner ausgesetzt werden soll. In der Summe führen die Maßnahmen dazu, dass die Rentenkasse weniger einnimmt oder mehr auszahlen muss. Weder Sozialminister Hubertus Heil (SPD) noch Finanzminister Christian Lindner (FDP) hätten erklärt, ob und wie die absehbaren Löcher in der Finanzierung stopfen würden.

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Der Artikel "Entlastungspaket: Höhere "Verdienstgrenzen" für Midi-Jobs" erschien zuerst auf morgenpost.de.