Ukraine-Krieg

Ukraine-Krieg: Briten liefern Raketenwerfer – Putin droht

| Lesedauer: 3 Minuten
Selenskyj besucht ukrainische Stellungen im Donbass

Selenskyj besucht ukrainische Stellungen im Donbass

In einer entscheidenden Phase der Kämpfe im Donbass hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Region im Osten des Landes besucht. Er besichtigte Kommandoposten und Stellungen an der Front in der Stadt Lysytschansk und zeichnete Soldaten für ihren Einsatz aus.

Beschreibung anzeigen

Berlin/London.  Großbritannien verspricht der Ukraine schweres Gerät und die Ausbildung daran. Russland kündigt eine Reaktion auf neue Lieferungen an.

Der Westen will weitere schwere Waffen liefern, um die Ukraine bei der Verteidigung des Landes gegen die russische Invasion zu unterstützen. Am Montag kündigte Großbritannien weitere Waffenlieferungen an, auch aus den USA und Deutschland soll erneut schweres Gerät geliefert werden. Der russische Präsident Wladimir Putin reagiert mit Drohungen. Ein Kurzüberblick in Fragen und Antworten.

Was wird geliefert?

Großbritannien will der Ukraine im Kampf erstmals Mehrfachraketenwerfer mit hoher Reichweite liefern. Die britische Regierung gab an, mehrere Raketensysteme des Typs M270 mit bis zu 80 Kilometer Reichweite in das Land zu schicken, nach BBC-Informationen sollen es zunächst drei sein. „So wie Russlands Taktik sich verändert, so muss sich auch unsere Unterstützung verändern“, sagte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace am Montag.

Die hochpräzisen Waffen würden es der Ukraine ermöglichen, sich besser gegen die brutalen Angriffe Russlands zu wehren, die mit ihrer Langstreckenartillerie Städte dem Erdboden gleichmachten.

Ukraine-Krise – Die wichtigsten News zum Krieg

Was können die Mehrfachraketenwerfer?

Die M270-Mehrfachraketenwerfer können 12 Raketen innerhalb einer Minute abfeuern, mit einer Reichweite von rund 80 Kilometern. Derzeit ist in der Ukraine nur Artillerie mit deutlich geringeren Reichweiten im Einsatz.

Ähnliches Artillerie-Gerät wollen auch die USA liefern: US-Präsident Joe Biden hatte in der vergangenen Woche angekündigt, sogenannte Himars-Systeme in die Ukraine zu schicken, Mehrfachraketenwerfer des US-Herstellers Lockheed Martin, die mobiler sind als die M270. Auch diese haben eine Reichweite von rund 80 Kilometern – spezialisierte Raketen zur Verwendung in dem System können nach Herstellerangaben sogar bis zu 300 Kilometer weit fliegen.

Lesen Sie auch: Ukraine-Krieg – Diese Waffen könnten echte Game-Changer werden

Wie reagiert Putin?

Russlands Präsident Wladimir Putin warnte die westlichen Staaten am Wochenende davor, Langstreckenraketen an die Ukraine zu liefern. Sollten sie das trotzdem tun, „werden wir die entsprechenden Schlussfolgerungen ziehen und unsere Waffen einsetzen (...), um Objekte zu treffen, die wir bisher nicht getroffen haben“, sagte er am Sonntag nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Um welche potenziellen neuen Ziele es gehe, sagte er demnach nicht.

Mit seiner Drohung wolle Putin den Westen verunsichern und Hilfslieferungen an die Ukraine verhindern, so die Einschätzung der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). „Wir sollten uns davor hüten, dieses russische Narrativ zu bedienen“, sagte sie dieser Redaktion. Der russische Präsident werde nur ins Gespräch mit der Ukraine eintreten, wenn er militärische merke, auf Dauer nicht erfolgreich sein zu können.

Auch interessant: So bildet Deutschland ukrainische Artilleristen aus

Was heißt das für den Kriegsverlauf?

Großbritannien spricht von einem „deutlichen Schub für die Fähigkeiten der ukrainischen Armee“, die die Lieferungen bedeuten sollen. „Wenn die internationale Gemeinschaft weiter unterstützt, glaube ich daran, dass die Ukraine gewinnen kann“, sagte Verteidigungsminister Wallace.

Der frühere Nato-General Hans-Lothar Domröse erwartet durch die ausländischen Waffenlieferungen an die Ukraine im Spätsommer einen Wendepunkt im Krieg mit Russland. „Bisher ist Russland überlegen, aber über kurz oder lang kommen die in große materielle Not“, sagte Domröse dieser Redaktion. Im Spätsommer könne es durch die Unterstützung der Ukraine mit schweren Waffen zu einem Wendepunkt im Kräfteverhältnis kommen: „Dann sind die ukrainischen Soldaten gut ausgebildet an westlichen Systemen, während Russland die Sanktionen spürt und nicht mehr in dem bisherigen Maße Panzer und Munition bauen kann.“ (tma/jdö)

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.