Pandemie

Corona-Impfung für Kleinkinder: Alle Fragen und Antworten

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Corona: Wer heute noch an dem Virus stirbt

Corona: Wer heute noch an dem Virus stirbt

Kaum noch Maßnahmen und ein ausgelassener Sommer. Corona ist kein Aufreger-Thema mehr und die Sorglosigkeit siegt. Aber auf den Intensivstationen sterben immer noch Menschen an dem Virus.

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Berlin.  Kleinkinder konnten in Deutschland bislang nicht gegen Corona geimpft werden. Nun hat die Stiko eine neue Empfehlung veröffentlicht.

Keine allgemeine Corona -Impfempfehlung für Kinder im Alter von sechs Monaten bis vier Jahren: Das ist Ergebnis der Beratung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Das Gremium hat die Entscheidung am Donnerstag veröffentlicht. Grund für die Zurückhaltung seien Lücken in der Datenlage. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Corona-Impfstoffe für Kleinkinder sind zugelassen?

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat vor etwa einem Monat zwei Impfstoffe für sehr kleine Kinder zur Zulassung empfohlen. Die EU-Kommission ist dieser Empfehlung gefolgt. Das betrifft Vakzine der Hersteller Biontech/Pfizer (Comirnaty) und Moderna (Spikevax). Laut Stiko ist in Deutschland derzeit nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kleinkinder verfügbar. Lesen Sie auch: Stiko empfiehlt Corona-Impfung für Kinder ab fünf Jahren

Corona-Impfung für Kinder: Was genau empfiehlt die Stiko?

Eine allgemeine Empfehlung für die etwa vier Millionen Kinder zwischen sechs Monaten und vier Jahren gibt es nicht. Aber: Empfohlen wird die Impfung für Kleinkinder mit einem Risiko für schwere Erkrankungen. Damit sind diese Jungen und Mädchen mit:

  • starkem Übergewicht
  • Herzfehlern oder Herzschwäche
  • chronischen Lungen- und Nierenerkrankungen
  • neurologischen und Tumorerkrankungen
  • einem beeinträchtigen Immunsystem
  • mit Trisomien

"Darüber hinaus zeigen Studien weltweit, dass Frühgeborene in den ersten beiden Lebensjahren bei schweren Covid-Verläufen überrepräsentiert sind. Deshalb gilt unsere Empfehlung auch für sie", erklärt Stiko-Mitglied und Kinderarzt Martin Terhardt.

Keine explizite Empfehlung gibt es für den Drittschutz, also für Kleinkinder, die Kontakt zu besonders gefährdeten Erwachsenen haben. Der Schutz vor Ansteckung und Übertragung des Coronavirus durch eine Impfung sei wenig ausgeprägt und damit nicht verlässlich. Hier solle im Einzelfall entschieden werden, so Terhardt.

Keine Corona-Impfempfehlung: Was sind die Beweggründe für diese Entscheidung?

"Wir haben Vertrauen in die Impfstoffe", aber die Datenlage zu Wirksamkeit und Risiken der Corona-Impfungen in dieser Altersgruppe sei sehr begrenzt, sagte Terhardt. Selbst aus den USA, wo bereits etwas mehr als eine Million Kleinkinder geimpft worden seien, gebe es kaum Daten aus der laufenden Beobachtung.

Die belastbarsten Erkenntnisse stammten aus den Zulassungsstudien der Hersteller, diese aber seien sehr klein. Nach Abwägung von Nutzen und Risiken habe sich die Stiko gegen eine allgemeine Empfehlung entschieden. Und dabei auch berücksichtigt, "dass wir hier die Bevölkerungsgruppe betrachten, deren Immunsystem zum Teil anders ausgeprägt ist als bei Erwachsenen", so der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens.

Corona: Wie ist das Krankheitsrisiko für Kleinkinder?

Das Risiko für einen schweren Covid-Verlauf ist bei Kindern zwischen sechs Monaten und vier Jahren "sehr gering", wie Mertens sagt. Etwa zwei Dutzend Kleinkinder seien in Deutschland seit Beginn der Pandemie an den Folgen einer Infektion verstorben, die überwiegende Mehrheit davon sei vorerkrankt gewesen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie wurden seit Januar 2020 etwa 4500 Kinder von 0 bis 4 Jahren in Deutschland und Österreich mit Corona ins Krankenhaus eingeliefert, rund die Hälfte davon war ein Jahr oder jünger.

Über Infektions- und Langzeitfolgen gibt es für diese Altersgruppe den Angaben zufolge bisher wenige kontrollierte Studien. "Es ist nicht so, dass es bei Kleinkindern keine Langzeitfolgen einer Infektion gibt. Es besteht ein gewisses Risiko, das ist aber nicht so ausgeprägt wie bei Erwachsenen", sagt Clara Lehmann, Leiterin des Infektionsschutzzentrums der Uniklinik Köln.

Wie ist das empfohlene Corona-Impfschema?

Comirnaty von Pfizer/Biontech kann ohne Einschränkung als Erstimpfung verabreicht werden, die aus drei Dosen zu je drei Mikrogramm besteht. Die ersten beiden Dosen sollten im Abstand von drei Wochen verabreicht werden, gefolgt von einer dritten Dosis mindestens acht Wochen nach der zweiten. Bei Spikevax von Moderna besteht die Erstimpfung aus zwei Dosen zu je 25 Mikrogramm im Abstand von vier Wochen.

Darf ich mein Kind auch ohne Empfehlung gegen Corona impfen lassen?

Ja, das ist in Absprache mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin möglich. "Hier gibt es keine juristischen Hürden", sagt Martin Terhardt. Die Corona-Impfung wird zudem von der Krankenkasse bezahlt. Allerdings impfen nicht alle Praxen Kleinkinder ohne Vorerkrankung. Interessierte Eltern müssen womöglich mehrere Mediziner kontaktieren.

Corona bei Kindern: Gibt es Impfnebenwirkungen?

Über mögliche seltene Nebenwirkungen einer Impfung in der Altersklasse gibt es bisher kaum Erkenntnisse. Die Stiko rechnet anders als bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen nicht mit einem erhöhten Risiko für eine Herzmuskelentzündung. "Gewissheit können wir hier aber nicht haben, was auch hier an der Datenlage liegt", so Terhardt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.