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Prinzessin Anne: Das ist die Schwester von Charles III.

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Das ist die neue Reihenfolge der britischen Royals

Das ist die neue Reihenfolge der britischen Royals

Nach dem Tod von Queen Elizabeth II. hat sich die Reihenfolge der Anwärter auf den britischen Thron geändert.

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London.  Prinzessin Anne gilt als Allround-Waffe des britischen Königshauses. Was Sie über die Tochter von Queen Elizabeth II. wissen sollten.

Sie absolviert seit Jahrzehnten im Schnitt mehr als 500 offizielle Termine im Jahr, mehr als jeder andere britische Royal: Prinzessin Anne, 72, Allround-Waffe des Königshauses, die einzige Schwester des neuen Königs Charles III., 73 – und fraglos die graue Eminenz im Hause Windsor, die immer zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein scheint. So war es auch Anne, die während der letzten 24 Stunden im Leben von Queen Elizabeth II. ohne Unterbrechung an der Seite ihrer Mutter war, bevor die Königin friedlich verstarb.

Trotz ihrer prall gefüllten Terminkalender finden die meisten Engagements von Prinzessin Anne so gut wie nie internationale Beachtung, meist landen sie nur in regionalen Medien. Wäre Anne eine Politikerin, entspräche ihre Rolle der einer royalen Heimatministerin, einer Bezirksvorsitzenden, die jahrzehntelang zuverlässig alle sicheren Wahlkreise – für die SPD wäre das im Ruhrgebiet, für die CSU in Niederbayern – mit rekordverdächtigen Ergebnissen gewinnt. Die Frau an der Basis, die Frau für die Basis. Und das, obwohl sie selbst mittlerweile nur noch auf Platz 16 der Thronfolge steht. Lesen Sie auch: Termin für Krönung von Charles III. steht nun fest

Prinzessin Anne gilt als unerschrocken

Die Rolle von Anne – die den Zusatz-Titel „The Princess Royal“ (die königliche Prinzessin) trägt – ist unverzichtbar, vor allem dort, wo Großbritannien immer noch wie in den frühen Folgen der TV-Serie „Inspektor Barnaby“ wirkt. Dort sitzt die Basis, die wichtig ist, für das Königshaus. Menschen, die Traditionen pflegen, sich im Millionenheer der Freiwilligen in Charity-Organisationen engagieren, den Union Jack nicht als Accessoire für Heimdekoration verstehen, sondern als Ausdruck ihres Nationalstolzes – und den Rückhalt für eine britische Monarchie bilden. Ein Teil der Bevölkerung, der an sich pflegeleicht ist, den zu vergraulen allerdings ein royaler Suizid wäre.

Schon früh hat Prinzessin Anne gezeigt, dass sie für ihre Ziele erfolgreich kämpfen kann – etwa im Jahr 1971, als sie als 21-Jährige den Europameister-Titel im Vielseitigkeits-Reiten gewann (es folgten weitere Medaillen und eine Olympia-Teilnahme). Das Können und Engagement im Sattel haben ihr schon frühzeitig Respekt und Sympathien dort gebracht, wo sie heute die Königstreuen bei Laune hält. Auch interessant: Charles III.: Das sind seine merkwürdigsten Marotten

Courage zeigte Anne im Jahr 1974, als ein Einzeltäter versuchte, sie zu entführen und auf der Londoner Prachtstraße „The Mall“ aus ihrem Auto, einem Austin A135, zu zerren versuchte. Obwohl der Täter um sich schoss, Sicherheitskräfte und Passanten dabei verletzte, weigerte sich Anne, ihm zu folgen, flüchtete durch die Türe auf der anderen Wagenseite. Der Täter wurde noch vor Ort verhaftet. Wem außer allenfalls ihrem Vater Prinz Philip (1921-2021) hätte man damals eine solche Unerschrockenheit zugetraut?

Darum braucht König Charles III. Prinzessin Anne

Selbst die gescheiterte Ehe mit Reiter-Kollege Mark Phillips, 74, die von 1973 bis 1992 hielt, schadete dem Image von Anne nicht. Schon frühzeitig beschloss sie, dass ihre Kinder Peter, 44, und Zara, 41, weder Titel noch royale Versorgungsjobs erhalten sollten – und das ohne vorherige Diskussionen an der Öffentlichkeit. Sie selbst zog 1977 nach Gatcombe Park, einem Landsitz in den Cotswolds, südwestlich von London – selbst erworben und kein alter royaler Immobilienbesitz.

Ohne als übermäßig leutselig zu gelten, nimmt Anne am üblichen Leben der – zugegeben eher wohlhabend-konservativen – Nachbarschaft teil. Das erfuhr etwa der Besitzer eines neu eröffneten Restaurants, der in einer Gratiszeitung mit Fünf-Pfund-Rabatt-Gutscheinen um Gäste warb. Wenig später erschienen Anne und drei weitere Personen – jeder zog einen der Gutscheine aus der Tasche. Dazu passt auch, dass Fotos belegen, wie die „Princess Royal“ teilweise 40 Jahre alte Kleidungsstücke immer noch und immer wieder auch bei offiziellen Terminen trägt – und das lange, bevor der Begriff Nachhaltigkeit überhaupt existierte.

Anne, die Bodenständige. Anne, die Fleißige. Anne, die Zuverlässige. Sie ist genau die Frau, die Charles braucht. Der neue König, der mit Denkschriften und Initiativen in manchen Fragen von Umwelt- und Gesellschaftspolitik zwar Anhänger, aber auch Gegner und Kritiker fand, braucht Anne, die ungekrönte Königin an der Basis. Und so unauffällig sie auf den ersten Blick agiert, ist auch eines klar: Ihr Einfluss bei wichtigen Entscheidungen im Hause Windsor ist groß, und nach dem Tod der Queen wohl noch größer geworden. Dessen ist sich Anne selbst bewusst – auch wenn sie es wieder auf bewährt unauffällige Art erledigen wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.