Atomuhr-Messung

Wissenschaft: Warum ein Tag nicht immer 24 Stunden hat

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Aktuellen Atomuhr-Messungen zufolge hat ein Tag nicht wie vermutet immer 24 Stunden. Die Hintergründe.

Aktuellen Atomuhr-Messungen zufolge hat ein Tag nicht wie vermutet immer 24 Stunden. Die Hintergründe.

Foto: Nasa/Goddard Space Flight Center/dpa

Berlin  Neue Forschungsergebnisse zeigen: Atomuhr-Messungen zufolge hat ein Tag nicht immer 24 Stunden. Lesen Sie hier, was dies bedeutet.

Ein Tag hat bekanntlich 24 Stunden: Laut Wissenschaft braucht die Erde so lange, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen – allerdings maximal. Messungen zufolge bewegt sich unser Planet an vereinzelten Tagen schneller.

Seit 1960 messen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mithilfe von Atomuhren die Geschwindigkeit der Erdumdrehung. Einem Bericht der Webseite "Time and Date" zufolge wurde am 29. Juni 2022 ein Rekord aufgezeichnet: Die Erde drehte sich um 1,59 Millisekunden schneller als üblich – eine Millisekunde entspricht 0,001 Sekunden. Demzufolge hatte der Tag keine vollen 24 Stunden, beziehungsweise 86.400 Sekunden.

Atomuhr: Die kürzesten Tage seit Messbeginn

Der Webseite zufolge war es nicht das einzige Mal, dass die Erde für eine Umdrehung weniger als 24 Stunden gebraucht hat. Nur einen Monat später, am 26. Juli, drehte sich der Planet um 1,50 Millisekunden schneller.

2020 wurden gleich mehrere Rekordgeschwindigkeiten der Erde gemessen. Damals ereigneten sich die bisher 28 kürzesten Tage seit Beginn der Messungen. Am 19. Juli 2020 drehte sich die Erde sogar um 1,47 Millisekunden schneller.

Rekordgeschwindigkeit der Erde: Die Hintergründe

Noch ist nicht eindeutig geklärt, worauf die Verkürzung der Tage zurückzuführen ist. Wissenschaftlern zufolge könnte es sowohl mit den Gezeiten, dem Klima, den Ozeanen als auch Prozessen in den inneren oder äußeren Schichten der Erde zusammenhängen.

Laut Forschern könnte auch das "Chandler-Wackeln" eine Rolle spielen. Unter "Chandler Wobble" versteht man kleine Abweichungen der Erdrotationsachse.

"Die normale Amplitude des Chandler-Wackelns beträgt etwa drei bis vier Meter an der Erdoberfläche, aber von 2017 bis 2020 verschwand es", sagte Dr. Leonid Zotov gegenüber "Time and Date".

Beschleunigte Erdrotation: Mögliche Konsequenzen für die Menschheit

Sollte sich die Erdrotation auch weiterhin derartig beschleunigen, müsste in Zukunft eine erste negative Schaltsekunde eingeführt werden. Auf diese Weise würden alle Uhren, die auf den Atomuhren basieren, eine Sekunde überspringen.

Das könnte allerdings zu Problemen in der IT führen: Smartphones, Computer und GPS-Systeme sind auf äußerst genaue Zeitsysteme angewiesen. Probleme gab es bereits in der Vergangenheit, als positive Schaltsekunden eingeführt wurden.

Seit 1972 wurde 27 Mal eine Schaltsekunde eingeführt, um sicherzugehen, dass unsere Uhren richtig ticken. Die letzte Schaltsekunde am 31.12.2016 führte allerdings dazu, dass Internetserver nicht mehr zu erreichen waren und Dienste und Webseiten ausfielen. Die vorherigen Schaltsekunden hatten ähnliche Konsequenzen.

Zotov zufolge müsse man sich wegen der fehlenden Millisekunde aber zunächst keine Sorgen machen. Der Wissenschaftler vermutet, dass wir bereits bei der kürzesten Tageslänge angekommen seien. "Ich denke, es besteht eine 70-prozentige Chance, dass wir am Minimum sind und wir keine negative Schaltsekunde brauchen werden."

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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