Dürre

Waldbrände: Experten schlagen Alarm – Feuerwehr oft machtlos

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Waldbrand in Brandenburg: 600 Betroffene verlassen ihre Häuser

Waldbrand in Brandenburg- 600 Betroffene verlassen ihre Häuser

Bundeswehr und Bundespolizei versuchen einen Waldbrand nahe der brandenburgischen Kleinstadt Treuenbrietzen unter Kontrolle zu bringen. Durch den Wind hatte sich der Brand trotz andauernder Löscheinsätze am Wochenende weiter ausgedehnt. Etwa 600 Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. des opérations de l'armée de l'air

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Berlin.  Weil immer mehr Waldbrände in Deutschland wüten, schlagen Experten Alarm: Feuerwehr ist schlecht vorbereitet auf große Flächenfeuer.

Schwarzgraue Rauchsäulen verdunkeln den Himmel, Flammen fressen sich durch die Vegetation und lassen verkohlte Baumstämme zurück. Seit Tagen brennt es in der Gohrischheide in Sachsen, mehr als 800 Hektar standen schon in Flammen. 160 Feuerwehrleute sind zeitweise angerückt, doch sie können wenig ausrichten.

Das munitionsverseuchte Naturschutzgebiet, ein verwilderter ehemaliger Truppenübungsplatz, ist für schwere Löschfahrzeuge unerreichbar. Um sich einen Überblick zu verschaffen, ließen die Einsatzkräfte eine Drohne aufsteigen. Ein Löschflugzeug hätten sie angesichts des sich rasant ausbreitenden Feuers besser gebrauchen können.

Das Problem ist, dass Deutschland die letzten Löschflieger vor acht Jahren abgeschafft hat. Sie sind den Bundesländern zu teuer.

Flächenbrände: Klimawandel lässt Wälder austrocknen

Und das, obwohl der Klimawandel die von Dürre und Hitze ausgezehrten Wälder in Pulverfässer verwandelt. Seit etwa vier Jahren wird Deutschland in den Sommermonaten von fatalen Großfeuern heimgesucht. 2018 verwüsteten Flammen 400 Hektar Land in Brandenburg, 2019 brannten in Mecklenburg-Vorpommern fast 500 Hektar.

Vor wenigen Wochen erst sorgten zwei Waldbrände südlich von Berlin für große Gefahr. Hunderte Feuerwehrleute waren im Einsatz, unterstützt von Soldaten der Bundeswehr. Ihr Kampf wirkte kläglich: Weil sie in dem unwegsamen Gelände nicht an die Glutnester herankamen, parkten sie ihre Löschfahrzeuge an der Landstraße und pumpten von dort verzweifelt Wasser in brennende Forste.

Kaum jemand kennt sich so gut mit Hitze aus wie Johann Goldammer. Der 72-Jährige ist als Leiter der Arbeitsgruppe Feuerökologie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie so etwas wie Deutschlands Löschpapst. Der Feuerforscher befürchtet, dass viele Verantwortliche den Ernst der Lage nicht erkannt haben.

Ja, ein paar Löschflugzeuge seien nützlich. Doch ihm geht es um mehr. „Die Diskussion wird hierzulande schnell technokratisch“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die technische Ausstattung ist gar nicht das allein Entscheidende.“

Waldbrände lassen sich eindämmen

Stattdessen müsse sich die Politik stärker um die Prävention kümmern. Feuer, glaubt Goldammer, werden sich nicht verhindern lassen. Brandenburg etwa zählt mit seinen sandigen Böden und ausgedehnten Wäldern laut EU-Kommission europaweit zu den Gebieten mit dem höchsten Waldbrandrisiko. Es sei aber möglich zu verhindern, dass sich Brände so stark ausbreiten wie in den letzten Jahren.

Bund, Länder und Kommunen müssten sich fragen: „Wie können wir unsere Landschaft so gestalten, dass Feuer gar nicht erst so viel Schaden anrichten?“

Goldammer plädiert für Mischwälder mit mehr dürreresistenten Baumarten und mehr Laubbäumen, um den Waldboden schattiger, feuchter und somit schwerer entflammbar zu machen. Auch das European Forest Institute in Bonn, eine internationale Forschungsorganisation, stellt klar, dass Mischwälder deutlich widerstandsfähiger gegenüber Waldbränden sind als beispielsweise Kiefern-Monokulturen. Das Holz dieser Bäume ist stark harzhaltig und damit leicht brennbar, ebenso wie die zu Boden rieselnden Nadeln.

Feuerwehr braucht bessere Ausstattung

Deutschlands Wälder umzubauen für den Klimawandel dauert allerdings Jahre. Die Zeit wird knapp. „Seit 2018 hat sich nichts getan“, klagt Goldammer. Prognosen zufolge werden die Sommer immer trockener. Für Deutschland, dessen Gesamtfläche zu fast einem Drittel aus Wald besteht, könnte das bedeuten, dass Feuerwalzen wie in Griechenland oder der Türkei drohen. „Risikountersuchungen sagen für die kommenden Jahrzehnte ein steigendes Waldbrandrisiko für Deutschland voraus“, mahnt das Umweltbundesamt.

Kurzfristig fordern Fachleute eine bessere Ausstattung der Löschmannschaften. Der Deutsche Feuerwehrverband moniert, es gebe zu wenige geländegängige Fahrzeuge und zu wenig Schutzausrüstung. Und ja, Flugzeuge könnten ebenfalls helfen. Johann Goldammer empfiehlt zudem den Aufbau einer Trainingsakademie. Denn gerade die freiwilligen Feuerwehren im ländlichen Raum seien für den Kampf gegen Waldbrände nicht gut genug ausgebildet.

In der Gohrischheide in Sachsen haben die Brandmeister das Feuer mittlerweile zwar unter Kontrolle. Doch noch immer brennt es. Die Feuerwehr hofft nun auf Regen. Er ist ihre einzige Chance.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.