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Apple, Samsung und Co.: EU beschließt einheitliche Ladekabel

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Ist das das iPhone 14? // IMTEST

Ist das das iPhone 14? // IMTEST

Schon jetzt ranken sich alle Gerüchte um das nächste iPhone 14 von Apple. IMTEST hat alle Infos.

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Brüssel/Berlin.  Das Einheitskabel für viele elektronische Geräte wird in der EU Pflicht für die Hersteller. Doch ein Hersteller hat nun ein Problem.

Endlich Schluss mit dem Chaos bei Ladekabeln für Handys, Tablets oder Kameras: In Deutschland und der gesamten Europäischen Union dürfen die Hersteller solche elektronischen Geräte nur noch mit einem Einheits-Ladekabel verkaufen – so benötigen die Nutzer nur noch ein einziges Kabel, der Stecker passt immer ins Smartphone, den Kopfhörer oder die Spielkonsole. Das legt ein neues EU-Gesetz fest, das in Brüssel final vereinbart wurde: Unterhändler des EU-Parlaments und der Mitgliedstaaten einigten sich auf die letzten Details der Regelung.

Das ist der neue Kabel-Standard für das Handy:

Der neue Standard wird ab Mitte 2024 der USB-C-Anschluss. Er wird vorgeschrieben für Mobiltelefone, Digitalkameras, Kopfhörer, Tabletcomputer, Videospielekonsolen, Keyboards, Laptops, E-Reader, Navigationsgeräte, Headsets und tragbare Lautsprecher, sofern sie mit einem Kabel aufgeladen werden. Geräte, die vor Mitte 2024 auf den Markt kommen, fallen aber nicht unter die Regelung.

Den USB-C-Anschluss verwenden viele Hersteller bereits, etwa Samsung und Motorola. 2018 hatten nach Kommissionsangaben rund 80 Prozent der Mobiltelefone einen USB-Anschluss.

Durch eine freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller war die Zahl der verschiedenen Ladeanschlüsse in den vergangenen Jahren schon von über 30 auf 3 reduziert worden: Verwendet werden heute nur noch USB-C , der ältere Micro-B-USB-Anschluss und das Lightning-Kabel von Apple.

Darum hat Apple ein Problem mit dem neuen Kabel-Standard:

Ein Problem hat allerdings Apple, denn der Konzern muss jetzt aufs neue Kabel umsteigen. Apple versorgt seine iPhones und einige Tablet-Modelle bisher über das sogenannte Lightning-Kabel mit Strom. Der Konzern hatte alle bisherigen Versuche einer verbindlichen Standardisierung der Buchsen abgewehrt. Dabei kämpft die EU-Kommission schon seit Jahren ums einheitliche Handykabel, der erste Versuch wurde vor zwölf Jahren unternommen.

Apple wehrt sich gegen die weitere Harmonisierung und klagt, seine Innovationsmöglichkeiten würden dadurch beschränkt. Der US-Konzern warnt, es werde nur werde nur mehr Elektromüll erzeugen, wenn Nutzer gezwungen wären, auf neue Ladegeräte umzusteigen. Vorgesehen ist aber eine Übergangszeit von zwei Jahren.

Einheitskabel für das Handy: So wird die Umwelt geschont

Das neue Gesetz beruht im wesentlichen auf einem Entwurf der EU-Kommission. Deren Vizepräsidentin Margrethe Vestager sagt: „Die europäischen Verbraucher haben sich lange genug über nicht passende Ladekabel geärgert.“ Der Industrie sei Zeit genug gelassen worden, eine Lösung zu finden, aber jetzt sei es an der Zeit, gesetzlich zu handeln. Die Kommission will mit dem Plan auch die Umwelt schonen. Nach ihren Berechnungen würden durch das Einheitskabel jährlich 980 Tonnen Elektroschrott weniger anfallen.

Das Mobiltelefon muss auch ohne Kabel verkauft werden

Die europäischen Verbraucher sollen durch die Vereinfachung zugleich etwa 250 Millionen Euro im Jahr sparen. Denn künftig soll vorgeschrieben sein, dass die Hersteller Mobiltelefone und andere Geräte auch ohne obligatorisches Ladekabel verkaufen müssen – weil die Kunden die Kabel ja schon zu Hause haben könnten.

Ein Verbot des gekoppelten Verkaufs von neuen Elektrogeräten mit einem Ladekabel ist aber anders teilweise gefordert nicht vorgesehen. Allerdings soll nach vier Jahren geprüft werden, um es nicht doch zu eine Trennungspflicht kommt. Streit gab es zuletzt um den genauen Geltungsbereich des neuen Gesetzes: Das Parlament wollte erreichen, dass weitere elektronische Kleingeräte wie Zahnbürsten oder Smartwatches einbezogen werden, was aber nicht gelang.

Die Liste der Geräte, für die das Einheitskabel vorgeschrieben ist, soll aber alle drei Jahre überprüft werden. Durchsetzen konnte sich das Parlament aber mit der Festlegung, dass die EU-Kommission einen einheitlichen Standard auch für das kabellose Laden vorbereiten soll.

Das Gesetz muss in den nächsten Wochen noch vom EU-Parlament und dem Rat der Mitgliedstaaten bestätigt werden, dies gilt aber nach der Einigung nur als Formsache. Dann gilt die EU-Regelung ab Mitte 2024, für Laptops erst Ende 2025. Die Grünen-Verbraucherschutz-Expertin Anna Cavazzini bedauerte das späte Inkrafttreten, lobte die Einigung aber insgesamt: „Das einheitliche Ladekabel spart Ressourcen, schont das Klima und die Nerven der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.