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Affenpocken bei Haustieren: Wie groß die Gefahr wirklich ist

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Affenpocken: Das sind die Folgen für Haustiere

Affenpocken: Das sind die Folgen für Haustiere

Um die Ausbreitung der Affenpocken gering zu halten, hat das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) drastische Maßnahmen vorgeschlagen: Die Einschläferung von Haustieren bei fehlender Isolation.

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Berlin.  Affenpocken breiten sich europa- und bundesweit immer weiter aus. Welche Gefahr besteht für Haustiere? Experten schätzen die Lage ein.

  • Affenpocken breiten sich nicht nur europaweit, sondern auch bundesweit immer mehr aus
  • Doch nicht nur Menschen, auch Tiere können sich mit dem Virus infizieren
  • Experten ordnen die Lage ein

Immer mehr Fälle der Affenpocken werden in Deutschland und vielen weiteren Ländern bekannt. Zwar ist die sich verbreitende Krankheit nicht so gefährlich wie andere Erreger, aber dennoch sind die Gesundheitsbehörden besorgt.

Um den bestmöglichen Schutz vor der Krankheit zu garantieren, plädiert der Vorsitzende des Weltärztebundes Montgomery für eine Pockenimpfung für jüngere Menschen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kündigte kürzlich eine Isolations- und Quarantänepflicht an.

Doch was die Übertragung auf Tiere, insbesondere Haustiere betrifft, sind sich Experten zum aktuellen Zeitpunkt uneinig. Während das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) Alarm schlägt, schätzt das für Tiergesundheit zuständige Bundesforschungsinstitut, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), die Lage aktuell als weniger dramatisch ein.

Affenpocken bei Haustieren: Wie groß ist die Gefahr?

In einer am 23. Mai veröffentlichten Anweisung für Infizierte und deren Angehörige mahnt das ECDC, sich im Fall einer Ansteckung mit Affenpocken schleunigst von seinen Haustieren zu isolieren. Es bestehe die Gefahr, dass die Krankheit auf die Tiere überspringe und so langfristig in Europa heimisch werde.

Insbesondere Nagetiere könnten zur Gefahr für Menschen, aber auch andere Tiere werden, warnt das ECDC. Die Warnung umfasst vor allem:

  • Hamster
  • (Renn-)Mäuse
  • Meerschweinchen

Denn diese Tierarten seien besonders anfällig für die Infektion mit Affenpocken. "Nagetiere sollten idealerweise in überwachten Einrichtungen isoliert werden", schreibt das ECDC. Ist eine genaue Überwachung der Tiere nicht möglich, gäbe es noch eine weitere Möglichkeit. Denn im schlimmsten Fall müssten die Haustiere eingeschläfert werden. Laut ECDC sei das allerdings der "letzte Ausweg".

Andere Haustiere, etwa Hunde oder Katzen, sollten ebenfalls isoliert werden. Hier reiche allerdings eine Isolation im Haus des oder der Infizierten, da die Gefahr, dass sich die Vierbeiner mit Affenpocken anstecken, geringer sei als bei Nagetieren.

Affenpocken bei Hunden und Katzen: Bundesforschungsinstitut ordnet Lage ein

Ein dauerhaftes Vorkommen von Affenpocken bei Tieren schätzt das FLI in Europa allerdings als sehr unwahrscheinlich an. So schreibt das Bundesforschungsinstitut: "Es ist fraglich, ob es in Europa überhaupt Tierspezies gibt, die als geeignete Reservoirwirte infrage kommen."

Nach einer erfolgreichen Erstinfektion müsste das Virus schließlich innerhalb der Population weitergegeben werden, um sich auszubreiten. "Es kann zwar sein, dass ein einzelnes Haustier wie eine Katze durch direkten Kontakt zu einem betroffenen Menschen infiziert wird, aber ob dann tatsächlich eine Infektkette in Gang kommt, scheint derzeit eher unwahrscheinlich."

Dem FLI zufolge habe es bisher weder Studien noch gemeldete Fälle gegeben, bei denen sich Haustiere wie Katze, Hund oder Hamster infiziert hätten. "Lediglich für Kaninchen konnte experimentell gezeigt werden, dass sie an Affenpocken erkranken." Es sei aber nicht auszuschließen, dass auch andere Haustierarten empfänglich sind, schreibt das FLI. "Soweit möglich sollten Haustiere aus der direkten Umgebung von erkrankten Personen ausgeschlossen werden."

Affenpocken: Rückübertragung von Menschen auf Nagetiere?

Was das Risiko einer Rückübertragung des Affenpocken-Virus vom Menschen auf Nagetiere in Europa betrifft, schätzt das FLI die Möglichkeit "als sehr gering ein, insbesondere aufgrund des notwendigen sehr engen Kontaktes, um eine effiziente Übertragung überhaupt zu ermöglichen", so eine Sprecherin auf dpa-Anfrage.

Dass das Virus über Abwasser vom Menschen wieder zu Nagetieren übertragen werde, sei "als sehr unwahrscheinlich anzusehen, da die Virusausscheidung hauptsächlich direkt über Pockenläsionen stattfindet".

Auch der britische Virologe David Robertson schätzt die Gefahr, dass das Virus vom Menschen auf Haustiere und von dort auf Wildtiere überspringt, im Interview mit dem "Telegraph" noch als "gering" ein. Trotzdem sei diese Verbreitung der Infektion eine "berechtigte Sorge".

Dieser Artikel ist zuerst auf morgenpost.de erschienen.