Software-Panne

Kartenzahlung wieder möglich? Discounter gibt Entwarnung

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Bezahlmöglichkeiten in Deutschland

Bezahlmöglichkeiten in Deutschland

In Deutschland ist das Bargeld noch sehr beliebt. In anderen Ländern wird schon überwiegend bargeldlos bezahlt. Diese verschiedenen Arten der Bezahlung gibt es.

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Berlin.  Durch eine Störung ist in vielen Geschäften keine Kartenzahlung möglich. Ein Discounter meldet nun: Das Problem ist gelöst – teilweise.

  • Seit Tagen gibt es in vielen Geschäften Probleme beim Bezahlen mit Kredit- oder Girokarten
  • Schuld daran ist offenbar ein Softwarefehler bei den Geräten für die Kartenzahlung
  • Ein erster Discounter meldet nun: Das Problem ist behoben – teilweise

Ob in der Apotheke, im Supermarkt oder an der Tankstelle: Seit dem 24. Mai gibt es bundesweit Probleme bei der Kartenzahlung – egal ob mit Kreditkarte oder Girocard, besser bekannt als EC-Karte. In vielen Geschäften kann der Einkauf derzeit nur mit Bargeld bezahlt werden. Die Störung hält noch immer an. Bis sie behoben werden kann, könnte noch etwas Zeit vergehen.

Zahlungsdienstleister meldeten für ganz Deutschland "erhebliche Einschränkungen" bei Transaktionen an einem bestimmten Terminal für Kartenzahlungen. Dem Anbieter Payone zufolge ist das weit verbreitete Gerät des Typs Verifone H5000 betroffen. Nach ersten Erkenntnissen gebe es eine Störung bei bestimmten Versionen der Gerätesoftware.

Der US-Hersteller Verifone bewirbt das Produkt als das "meistverkaufte deutsche Terminal". Das Gerät kommt somit bundesweit an vielen Kassen zum Einsatz. Verifone äußerte sich am Donnerstag, 26. Mai, erstmals zu den Problemen und kündigte eine Lösung an. "Wir werden in Kürze ein Software-Update für unsere Kunden bereitstellen, um das Problem zu beheben, und werden unsere Kunden informieren, sobald dieses verfügbar ist", teilte ein Sprecher von Verifone-Deutschland mit. Man bedauere die Unannehmlichkeiten und arbeite mit höchster Priorität an der Behebung des Problems.

Kartenzahlung wieder möglich: Netto gibt Entwarnung – teilweise

Auf das angekündigte Software-Update wollte die Discounter-Kette Netto offenbar nicht warten. Denn dort ist bereits seit Samstag wieder Kartenzahlung möglich, wie diese Redaktion von dem Unternehmen erfuhr. Dafür hat Netto die betroffenen Bezahl-Terminals nach eigenen Angaben auf ein elektronisches Lastschriftverfahren umgestellt. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Akzeptiert werden derzeit nur EC- beziehungsweise Girokarten. Außerdem muss die Kartenzahlung per Unterschrift bestätigt werden.

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Dem Beispiel von Netto könnten in nächster Zeit vielleicht noch mehr Einzelhändler folgen. Denn Verifone erwartet nicht, dass das angekündigte Software-Update schnell umgesetzt werden kann, da – bisherigen Informationen zufolge – ein manueller Eingriff an den Terminals nötig ist. "Dieser komplexe Vorgang kann daher nicht ad hoc in der Fläche ausgeführt werden, sondern wird geraume Zeit in Anspruch nehmen", hieß es. Man wolle die Kunden hierbei unterstützen.

Kartenzahlung gestört – Rewe nicht betroffen, Stillstand bei dm und Rossmann

Probleme mit der Kartenzahlung gab es unter anderem bei der Drogeriemarktkette dm. Wer hier seinen Einkauf erledigen wollte, musste sich vorab mit ausreichend Bargeld eindecken. Geldautomaten sind von der Störung den Angaben zufolge nicht betroffen. Viele Geschäfte wiesen ihre Kundschaft gleich am Eingang oder per Durchsage auf die Störung hin.

So auch in etlichen Edeka-Standorten: "Es handelt sich um ein branchenübergreifendes Problem, von dem aktuell mehrere Handelsunternehmen betroffen sind, auch ein Teil der Edeka-Märkte", sagte eine Sprecherin unserer Redaktion. Bei Rossmann sei keine Kartenzahlung möglich gewesen, hieß es vom Unternehmen.

Ähnlich äußerte sich Aldi Nord. Dort hat man inzwischen aber eine Lösung gefunden: Wie das Unternehmen unserer Redaktion mitteilte, sollen alle von dem Software-Fehler betroffenen Geräte für die Kartenzahlung ausgetauscht werden. Dieser Schritt sei für das laufende Jahr ohnehin geplant gewesen und werde nun vorgezogen. In einem Teil der Märkte von Aldi Nord sei die Umstellung bereits erfolgt.

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Zahlungssysteme in Deutschlands normalerweise stabil

Keine Probleme hatten dagegen die Kunden von anderen großen Handelsketten: Ein Sprecher der Rewe-Gruppe teilte mit, dass die Märkte von Rewe, Penny und Toom nicht von der Panne bei den Kartenterminals betroffen seien. Auch bei Lidl habe die Kundschaft wie gewohnt einkaufen können.

"Temporäre und systembedingte Ausfälle kommen inzwischen nur selten vor und betreffen meist nur wenige Systeme", erklärte der Handelsverband Deutschland (HDE). Der Branchenverband betonte, dass die Betriebe auf den reibungslosen Ablauf der Bezahlprozesse angewiesen seien. "Erfahrungsgemäß laufen die Zahlungssysteme in Deutschland stabil und zuverlässig", hieß es.

Ausfall von Kartenstörung: Keine Hinweise auf Cyberangriff

Wohl auch deshalb reagierten viele Kundinnen und Kunden enttäuscht, als sie trotz zahlreicher Hinweisschilder in den betroffenen Läden erst an der Kasse erfuhren, dass sie ihren Einkauf wegen des Systemausfalls stehen lassen mussten. Anhaltspunkte für einen Angriff auf die Finanzströme scheint es unterdessen nicht zu geben. "Es liegen derzeit keine Hinweise auf einen Cyberangriff vor", sagte ein Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unserer Redaktion.

Der Finanzdienstleister Concardis, der mit dem Terminal erfolgte Zahlungen für die Händler abwickelt, hat am Mittwoch von einem eigenmächtigen Neustart der Geräte gewarnt. Die Geräte sollten weiterhin an Strom und Netzwerk angeschlossen bleiben. Der Hersteller Verifone könne das Softwarepro­blem nur bei bestehender Verbindung lösen.

Das Problem schlug wohl auch deshalb so hohe Wellen, weil der Anteil an Kartenzahlungen in Deutschland rapide steigt. 2019, im Jahr vor der Pandemie, machten Barzahlungen noch 46,5 Prozent des Umsatzes im stationären Einzelhandel aus. Im vergangenen Jahr waren es nach Angaben des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI nur noch 38,5 Prozent.

Dagegen stieg der Umsatzanteil der Kartenzahlungen in den Läden von 50,5 auf 58,8 Prozent. Am beliebtesten ist dabei die Girocard, mit der 42 Prozent der Waren bezahlt wurden. Aber auch die Kreditkarte wird an der Kasse immer häufiger gezückt, ergab die Untersuchung der Handelsfachleute.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.