Cyberkriminalität

So schützen Sie sich vor Betrügern auf Ebay-Kleinanzeigen

| Lesedauer: 6 Minuten
So kurios ist Ebay-Kleinanzeigen

So kurios ist Ebay-Kleinanzeigen

Bei Ebay-Kleinanzeigen gibt es alles – und ziemlich oft auch seltsame Menschen. Das führt zu Missverständnissen und ist meistens richtig komisch.

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Berlin.  Auf dem Online-Portal nehmen Kriminelle auch Verkäufer ins Visier. Ausgerechnet die Funktion „Sicher bezahlen“ dient der Betrugsmasche.

Bei Ebay Kleinanzeigen können private Verkäuferinnen und Verkäufer viele Interessenten erreichen – allerdings auch Kriminelle anlocken. Jetzt sind Betrüger ausgerechnet unter dem Deckmantel einer Bezahlvariante aktiv, die Sicherheit verspricht. Das Tückische an der neuen Masche: Im Visier der Täter sind nicht wie bisher arglose Käufer auf dem Portal, sondern Verkäufer.

Wie läuft die Masche ab?

Käuferinnen und Käufer mussten schon immer wachsam sein, weil die Gefahr besteht, Geld für inserierte Ware zu überweisen, ohne diese dann geschickt zu bekommen. Die kostenpflichtige „Sicher bezahlen“-Funktion bei Ebay Kleinanzeigen soll davor schützen: Der Käufer parkt dabei den Kaufpreis bei einem Zahlungsdienst als Treuhänder, der das Geld erst dann an den Verkäufer weiterleitet, wenn die Ware angekommen ist.

Laut Polizei schreiben aktuell vermeintliche Käufer Anzeigen-Inserenten mit dem Hinweis an, das Geschäft über „Sicher bezahlen“ abwickeln zu wollen. Es gebe aber Probleme. Dann senden sie einen Link per SMS oder Messenger wie Whatsapp an den Verkäufer und fragen nach den Daten seiner Kreditkarte – angeblich, um den Verkaufspreis auf das Kartenkonto einzahlen zu können. Doch dazu kommt es nicht: „Anstatt Geld zu überweisen, heben die Täter mit den erbeuteten Kreditkartendaten Geld ab. Dieser Vorgang erfolgt im Ausland“, erläutert die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart.

Die Polizei registriert derzeit eine wachsende Zahl dieser Fälle und warnt davor, Fremden die Daten der eigenen Kreditkarte oder andere Bezahldaten im Internet preiszugeben. „Wenn ,Sicher bezahlen‘ bei Ebay Kleinanzeigen ein leeres Versprechen bleibt, dann ist das fatal für ehrliche Käufer, Verkäufer und das Unternehmen selbst“, so die Polizeiliche Kriminalprävention.

Warum klappt der Trick?

Die Opfer der Masche lassen sich von gefälschten Nachrichten und Webseiten täuschen, die scheinbar vom Kleinanzeigenportal kommen. Das geht so: Zunächst behauptet der vermeintliche Käufer, es gebe ein Problem beim Bezahlvorgang. Dann schickt er eine Fake-Nachricht an den Verkäufer mit der Aufforderung, dem eingefügten Link zu folgen, der auf eine ebenfalls gefälschte Webseite führt. Durch Eingabe der Kreditkartendaten auf dieser Seite lasse sich das Bezahlpro­blem lösen. Auch die Kontrollziffer auf der Rückseite der Karte soll dort eingegeben werden.

„Begleitet wird dies sogar von einem Livechat“, erläutert das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen anhand eines Beispielfalls, den es mit Auszügen aus dem Schriftverkehr veröffentlicht hat: „Alles erweckt den Anschein, vom echten Kleinanzeigenportal und dem zugehörigen Bezahldienst zu stammen.“ Ihr Geld kriegen die Opfer vermutlich nicht zurück: Laut LKA haben die Täterinnen und Täter mit den Kreditkarten in Fremdwährungen eingekauft, etwa in Dollar oder weißrussischen Rubel.

Wie kann ich mich schützen?

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz beobachtet seit Langem die Machenschaften von Cyberkriminellen auf Portalen wie Ebay Kleinanzeigen. „Die ,Sicher bezahlen‘-Option kann tatsächlich Sicherheit bieten, aber die Verkäufer und Käufer müssen sich an die Regeln halten“, sagt Rechtsexpertin Jennifer Kaiser. Sie rät Kaufinteressenten, sich der Gefahr einer Täuschung gar nicht erst auszusetzen. „Der Fehler liegt darin, überhaupt auf eine SMS oder eine Whatsapp zu reagieren. Kommt eine solche Nachricht im Rahmen eines Bezahlvorgangs, sollten sofort die Alarmglocken läuten“, warnt Kaiser. Ihre Empfehlung lautet: „Käufer und Verkäufer sollten nie auf einem Parallelkanal kommunizieren, der am Portal vorbeigeht.“ Auch PINs und TANs sollten nicht an Fremde übermittelt werden.

Die Kriminalprävention rät ebenfalls, ausschließlich die Nachrichtenfunktion bei Ebay Kleinanzeigen zu nutzen. Außerdem sollte niemand Zahlungsaufforderungen folgen, die nicht unmittelbar auf der Portal-Webseite – ohne Verlinkung – angezeigt werden.

Und wenn es schon zu spät ist?

Verbraucherinnen und Verbraucher, die auf die Masche bereits hereingefallen sind, sollten die Kreditkarte sofort bei der Bank sperren lassen und außerdem Anzeige bei der Polizei erstatten, empfiehlt die Polizeiliche Kriminalprävention. Opfer, die möglicherweise auch ihre Log-in-Daten für das Portalkonto preisgegeben haben, sollten diese sofort ändern.

Was sagt Ebay Kleinanzeigen?

Dem Anbieter ist die neue Betrugsmasche bekannt, wie ein Sprecher des Portals auf Anfrage mitteilt. Leider tauchten „immer wieder“ solche Maschen auf, von denen Käufer und Verkäufer gleichermaßen betroffen sein könnten.

„Verkäufer und Käufer sollten nicht auf SMS oder Messenger-Nachrichten reagieren. Wir verschicken im Zusammenhang mit ,Sicher bezahlen‘ keine SMS. Wir verschicken zudem generell keine Nachrichten per Whatsapp oder über andere Messengerdienste“, betont der Sprecher. Er rät Nutzern, keinesfalls auf Links zu klicken, die sie auf diese Weise erhalten. Skeptisch sollte zudem werden, wer In­struktionen per Bild geschickt bekommt.

Ebay Kleinanzeigen arbeitet eigenen Angaben zufolge eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen. „Wir unterstützen ihre Ermittlungen, indem wir beispielsweise Anzeigeninhalte sowie andere vorhandene Daten des mutmaßlichen Betrügers bereitstellen“, so der Sprecher.

Der Trick mit dem Kurierfahrer

Die Polizei warnt noch vor einer weiteren neuen Masche von Betrügern. Dabei behauptet der vermeintliche Käufer, einen Kurierdienst wie Fedex oder UPS mit Geld zum Verkäufer geschickt zu haben, der die inserierte Ware bezahlen und abholen soll. Laut LKA Niedersachsen meldet sich der Kriminelle dann per gefälschter Mail als angeblicher Kurierdienst beim Verkäufer und gibt an, vorab eine Gebühr – etwa in Form von Codes einer Guthabenkarte zum Beispiel von Amazon oder Google – kassieren zu müssen.

Wie der Trick klappt: Die Betrüger behaupten in der Mail, dass der Verkäufer die Codes ohne finanziellen Verlust dem Kurier mitteilen könne. Der Käufer habe den entsprechenden Wert auf den Kaufpreis aufgeschlagen und dem Kurier zur Ablieferung an den Verkäufer mitgegeben. Aber: „Es wird keine Geldlieferung geben. Die Täter haben es auf die Übermittlung des Codes abgesehen“, so das LKA.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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