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Türkei-Urlaub: Erdogan verscherbelt Strände an Investoren

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Der Golf von Fethiye: Schöne Buchten und dicke Yachten - alles in Privatbesitz.

Der Golf von Fethiye: Schöne Buchten und dicke Yachten - alles in Privatbesitz.

Foto: Feyza Dogan / Unsplash

Berlin  Die türkische Riviera ist ein beliebtes Urlaubsziel. Nun wurden einige Buchten und Stände privatisiert: Was das für Urlauber bedeutet.

  • Die Türkei ist für ihre spektakulären Strände bekannt: Vor allem an der türkischen Riviera gibt es viele beliebte Urlaubsorte
  • Nun greift der türkische Präsident Erdogan zu einer drastischen Maßnahme
  • Die ersten Strände an der türkischen Riviera sind bereits verkauft – ist der Urlaub in Gefahr?

Die türkische Riviera gilt bei vielen Menschen als Traumziel für den Urlaub am Mittelmeer. Weiße Sandstrände, steile Küsten und luxuriöse Resorts ziehen alljährlich Touristen an, die sich dort die Sonne auf die Haut scheinen lassen wollen. Die Gemeinden an der türkischen Riviera profitieren vom Tourismus – und achten auf den Umweltschutz an der Mittelmeerküste. Das könnte sich jetzt allerdings ändern.

Private Eigentümer sollen Küstenabschnitte am Golf von Fethiye verwalten, wenn es nach dem türkischen Ministerium für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel geht. Vier Buchten seien bereits verkauft worden, schreibt der "Spiegel" am Dienstag. 19 weitere sollen folgen. Die Verträge sollen dem Bericht zufolge auf zehn Jahre datiert sein.

Türkei-Urlaub: Ein Stück Riviera für rund 800.000 Euro

Grund für den Verkauf der bisher öffentlichen Buchten könnte die desolate Wirtschaftslage in der Türkei sein. Die Inflationsrate lag im März 2022 bei 61,14 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Gekauft wurden die Buchten im Golf von Fethiye für 12,5 Millionen Türkische Lira (etwa 800.000 Euro) von einem Bergbauunternehmer aus Ankara: Süleyman Bölünmez. Der Unternehmer kandidierte 2007 für die Regierungspartei AKP und soll dem türkischen Präsidenten Erdoğan nahestehen. Eine weiße Weste hat Bölünmez auch nicht: Laut "Spiegel" wurde er wegen Treibstoffschmuggels zu vier Jahren Haft verurteilt, außerdem wurde im Dezember 2020 ein von ihm illegal errichtetes Haus abgerissen.

Türkei: Ankerplätze für Yachten von Superreichen schon bereit

Der Unternehmer soll sich nun um die Küsten kümmern. Als erste Amtshandlung ließ Bölünmez schwere Betonplatten im Mittelmeer versenken, an denen die Yachten der Superreichen ankern können. Bisher konnten Seglerinnen und Segler kostenlos im Golf von Fethiye ankern. In Zukunft wird der Ankerplatz Geld kosten. Wie der "Spiegel" berichtet, könnten bis zu 150 Euro fällig werden. Der Journalist Fatih Portakal wirft der Regierung gar vor: "Ihr beendet das Amateursegeln in der Türkei". Denn segelnde Normalbürgerinnen und -bürger können sich das Ankern künftig wohl nicht mehr leisten.

Doch nicht nur von Seglerinnen und Seglern kommt Kritik. Auch die Gemeinden am Golf von Fethiye kritisieren die Vergabe ihrer Buchten. "In den Buchten gibt es viele archäologische Stätten. Es wurden keinerlei Studien durchgeführt. Die Buchten sind das Erbe, das wir zukünftigen Generationen hinterlassen werden. Aus diesem Grund können Buchten nicht mit einer Wegwerflogik verpachtet werden. Unsere Buchten sollen mit langfristigen, umweltschonenden, gemeinwohlorientierten Projekten evaluiert werden. Und dies ist nur unter Beteiligung von lokalen Regierungen, NGOs und Kammern möglich", erzählt Süleyman Girgin von der Lokalregierung in Mugla dem "Spiegel".

Türkei: Riviera-Kommunen wollten nachhaltigen Tourismus durchsetzen

In den letzten Jahren hätten sich die Kommunen am Golf dafür eingesetzt, dass der eigentlich so umweltschädliche Yacht-Tourismus einigermaßen nachhaltig abgewickelt wird. Mit den neuen Besitzern könnte sich das ändern. Die Präsidentin der Volkskammer von Göcek, Yegim Mukan, kritisiert die Vergabe der Buchten. Denn eigentlich bedürfe es dafür einer Machbarkeitsstudie. Diese Studie liege bislang nicht vor.

Auch der Präsident der Industrie- und Handelskammer der Golf-Gemeinde Fethiye, Osman Çıralı, fordert die Annullierung der Vergabe der Bucht: "Nicht Privatinvestoren sollten für die Buchten verantwortlich sein, sondern öffentliche Institutionen zusammen mit der örtlichen Wirtschaft".

Zieht die türkische Regierung ihren Verkaufsplan durch, könnte der Golf von Fethiye und weitere Landstriche an der türkischen Riviera bald nur noch den Superreichen vorbehalten sein: arabischen Scheichs, ausländischen Oligarchen und anderen Vermögenden. Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden am Golf und normalvermögende Touristinnen und Touristen könnten die Schönheit des Golfs von Fethiye dann nicht mehr uneingeschränkt erleben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de.