Pandemie

2G Plus für Veranstaltungen: Was Spahn und RKI jetzt fordern

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Eine medizinische Mitarbeitein hält einen Abstrich für einen Corona-Test.

Eine medizinische Mitarbeitein hält einen Abstrich für einen Corona-Test.

Foto: dpa

Berlin  Das RKI zieht die Notbremse: Großveranstaltungen sollten gemieden werden. Auch Jens Spahn spricht sich für schärfere Maßnahmen aus.

  • Die Corona-Lage in Deutschland spitzt sich zu, die Zahlen steigen dramatisch
  • Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler fordern stellen Forderungen zur Eindämmung des Virus
  • Derweilen wollen bereits erste Politiker einen neuen Lockdown nicht ausschließen

Es wird ernst. Angesichts der Wucht der vierten Corona-Welle fordert das Robert-Koch-Institut (RKI) die Rückkehr zu massiven Einschränkungen in Deutschland. Man rate "dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren", heißt es im neuen Wochenbericht der Behörde.

In der gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag haben RKI-Chef Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erneut auf die äußerst angespannte Lage hingewiesen: "Die Situation ist ernst und ich empfehle uns allen, sie auch ernst zu nehmen", mahnte Spahn - und bediente sich damit einer ähnlichen Wortwahl wie die Bundeskanzlerin bei ihrem eindringlichen Corona-Appell im März 2020. Auch Wieler mahnte eindringlich: "Reduzieren Sie Ihre Kontakte".

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Der Gesundheitsminister betonte, dass 3G allein nicht mehr reichen würde - weil zu wenige Kontrollen stattfänden. Er sprach sich dafür aus, den Zugang zu Veranstaltungen nur noch nach der 2G-Plus-Regel zu ermöglichen, also für Geimpfte und Genesene, die zusätzlich getestet werden. Spahn stellte in Aussicht, noch am Freitag eine Verordnung für die Wiedereinführung kostenloser Bürgertests zu unterzeichnen. Er gehe davon aus, dass dann ab Montag diese Tests wieder angeboten werden könnten.

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RKI fordert einschneidende Verhaltensänderungen

Das RKI fordert im Lagebericht einschneidende Verhaltensänderungen von den Bürgern. Falls Kontakte nicht vermieden werden können, sollte man in jedem Fall vorher einen Test machen, auch wenn man geimpft oder genesen sei, raten die Experten. Auch Geimpfte und Genesene sollten Masken tragen und Abstand halten. Das RKI schätzt die Gefährdung der nicht oder nicht vollständig Geimpften in Deutschland weiterhin als sehr hoch ein. Für vollständig Geimpfte sei sie moderat, aber ansteigend.

Nächster Rekordwert: Sieben-Tage-Inzidenz klettert auf 263,7

Das Coronavirus breitet sich weiter rasant aus. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erreichte auch am Freitag und damit den fünften Tag in Folge einen Höchstwert. Das RKI gab die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 263,7 an. Zudem wurden 48.640 Corona-Neuinfektionen registriert. Dies ist der zweithöchste seit Beginn der Pandemie erreichte Wert. Einen Rekordwert hatte die Zahl der Neuinfektionen am Vortag mit 50.196 erreicht.

Seit Wochen steigen die Inzidenzen in allen Altersgruppen an. Den höchsten Wert gibt es dem RKI-Wochenbericht zufolge unter den 10- bis 14-Jährigen - mit 411 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Kindern in einer Woche, den 5- bis 9-Jährigen mit 345 und den 15- bis 19-Jährigen mit 302. In Schulen wird besonders häufig getestet.

Köln eröffnet Karneval - Zutritt nur mit 2G

In Köln hatten am Donnerstag Tausende Jecken die Karnevalszeit in Köln eröffnet. Beim offiziellen Sessionsauftakt auf dem Heumarkt sowie in Kneipen, der Gastronomie und Teilen der Innenstadt galt eine 2G-Regelung – nur Geimpfte und Genesene hatten Zutritt. Auch in Düsseldorf und Mainz wurde mit coronabedingten Einschränkungen die fünfte Jahreszeit eröffnet.

In vielen Städten und Gemeinden werden bereits Hütten und Stände für Weihnachtsmärkte ausgebaut. Die Kommunen verlangen eine einheitliche Strategie. Am nächsten Donnerstag wollen die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten über den weiteren Kurs beraten.

Kliniken warnen: Intensivstationen am Limit

Es sei "eine verbindliche Vereinbarung zwischen Bund und Ländern notwendig, wie wir mit der aktuellen Corona-Lage durch den Winter kommen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Dazu gehöre eine Strategie für die erforderlichen Booster-Impfungen. "Nach Möglichkeit sollten bis Weihnachten 20 Millionen Menschen diese Impfung erhalten haben."

Immer mehr Kliniken melden, dass nicht zwingend nötige Behandlungen verschoben werden und Intensivstationen am Limit sind. "Wenn sich diese Dynamik fortsetzt, können wir sehr bald nur noch Notfall- und Covid-Patienten behandeln", sagte Gernot Marx, Präsident der Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer: Neuer Lockdown möglich

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) schließt inzwischen auch einen neuerlichen Lockdown nicht mehr aus. Sein Bundesland hat bundesweit die höchsten Zahlen, die Wocheninzidenz hat laut RKI mittlerweile die Marke von 500 überschritten.

Die 2G-Regel werde im Kampf gegen die aktuelle Corona-Welle nicht reichen, sagte Kretschmer am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". "Wir müssen weitere Instrumente dazusetzen." Andernfalls könne die jetzige Situation in einer "humanitären Katastrophe" enden.

Scharfe Kritik an Corona-Plänen der Ampel-Parteien

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff übte scharfe Kritik an den Corona-Plänen der Ampel-Parteien im Bund. "Ich halte die Entscheidung, die pandemische Notlage von nationaler Tragweite zu beenden, für einen gravierenden politischen Fehler", sagte der CDU-Politiker. "Das ist auch in der Sache eine Fehlentscheidung." Die pandemische Lage nationaler Tragweite müsse verlängert werden.

Die potenziellen Regierungspartner SPD, Grüne und FDP wollen den Sonderstatus am 25. November auslaufen lassen. Die bisherige Rechtsbasis für Corona-Beschränkungen soll durch ein neues Infektionsschutzgesetz ersetzt werden, das einen kleineren Katalog möglicher Corona-Maßnahmen rechtlich absichern soll.

(mit fmg)

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