Naturkatastrophe

Kanaren: Neuer Krater nach Vulkanausbruch - Vorschlag empört

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Dramatische Bilder: Lavastrom verschlingt Haus auf La Palma

Dramatische Bilder: Lavastrom verschlingt Haus auf La Palma

Die spanischen Behörden haben neue Bilder vom Vulkanausbruch auf der Lanareninsel La Palma veröffentlicht. Zu sehen ist wie ein Lavastrom ein Haus verschlingt.

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La Palma  Auf den Kanaren ist der Vulkan Cumbre Vieja ausgebrochen. Bereits in den vergangenen Tagen gab es Warnungen vor einer Katastrophe.

  • Auf La Palma auf den Kanaren ist der Vulkan Cumbre Vieja ausgebrochen
  • Bilder zeigen, wie Lava Hänge herunterrollt und Hunderte Häuser zerstört
  • Die Gefahr ist noch nicht gebannt, auch für Urlauber hat der Ausbruch Folgen

Um 15.12 Uhr (16.12 mitteleuropäischer Zeit) begannen die Krater am Sonntag auf der KanareninselLa Palma Feuer zu spucken. Zuerst hörten die Menschen im Südwesten der zu Spanien gehörenden Urlaubsinsel eine laute Explosion. An mehreren Stellen riss die Erde in der Gebirgskette Cumbre Vieja (Alter Gipfel) auf. Aus den Öffnungen flogen Gesteinsbrocken. Glühend-flüssiges Magma quillt seitdem aus mehreren Kratern und fließt den Berg hinunter Richtung Meer.

Vulkanausbruch auf La Palma: Lava tritt an neuer Stelle aus

Durch den Ausbruch des Vulkans Cumbre Vieja sind rund hundert Häuser zerstört worden. Die Zahl der Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, ist auf 6000 gestiegen. Wie die Behörden mitteilten, geht der Anstieg darauf zurück, dass am Montagabend nach dem Austreten von Lava an einer weiteren Stelle etwa 500 weitere Menschen in Sicherheit gebracht wurden.

Die neue Ausbruchsstelle befinde sich in der Gegend von Tacande in der Gemeinde El Paso, teilten die Rettungskräfte im Onlinedienst Twitter mit. Die Erde dort brach nach einem Erdbeben der Stärke 4,1 auf, wie das Vulkanologische Institut der Kanaren mitteilte. In der Folge bildeten sich in der Nacht Autoschlangen mit Menschen, die die Umgebung verließen. Unterdessen sorgte Spaniens Tourismusministerin Reyes Maroto mit dem Vorschlag für Empörung, das „wunderbare Naturspektakel“ könne zur „Touristenattraktion“ gemacht werden. Lesen Sie hier: Spektakuläre Bilder - Hier verschlingt die Lava auf La Palma ein ganzes Haus.

Vulkanausbruch auf La Palma: Tausende müssen ihre Häuser verlassen
Vulkanausbruch auf La Palma: Tausende müssen ihre Häuser verlassen

Die Eruption hatte sich durch tagelange kleine Erdbeben auf La Palma angekündigt. Insgesamt waren in der vergangenen Woche mehr als 25.000 Erdstöße festgestellt worden. Der heftigste ereignete sich am frühen Sonntagmorgen mit einer Stärke von 3,8 auf der Richterskala und war auf der gesamten Insel spürbar. Die Epizentren der Erdstöße lagen stets im Süden und Südwesten der Insel und hatten sich zuletzt immer mehr der Erdoberfläche genähert.

Tagelange Alarmbereitschaft auf La Palma

Die südliche Inselhälfte, in der die Orte Los Llanos de Aridane, El Paso, Mazo und Fuencaliente liegen, waren bereits vor Tagen in Alarmbereitschaft versetzt worden. Dort leben 35.000 Menschen. Insgesamt hat La Palma 84.000 Bewohner. Jedes Jahr wird die Vulkaninsel, die als Naturparadies gilt, von Hunderttausenden Urlaubern besucht. Auch jetzt im September halten sich viele Feriengäste auf der Insel auf, die besonders bei Wanderern beliebt ist. Die meisten Besucher sind Deutsche, welche traditionell die größte Urlaubergruppe auf La Palma darstellen.

Der Vulkanausbruch ereignete sich in einem weitgehend unbewohnten Gebiet des Cumbre Vieja, in einer bis zu etwa 1000 Meter hohen Gebirgszone namens Cabeza de Vaca (Kuhkopf). Die betroffene Region gehört zur Gemeinde El Paso, in der 8000 Menschen leben und in der auch zahlreiche Ferienhotels liegen. Im Laufe des Nachmittags öffneten sich immer mehr Vulkanlöcher. Bis zum Abend zählten die Behörden bereits sieben Krateröffnungen. Die Cumbre Vieja ist das aktivste Vulkangebirge der Kanarischen Inseln. Zuletzt war dort vor 50 Jahren ein Ausbruch registriert worden, der mehrere Wochen dauerte.

Tausene fliehen vor Ascheregen und glühend heißen Lavaströme

Gefahr ging am Sonntagabend vor allem von mehreren Lavaströmen aus, die sich den Hang hinunter über Bergstraßen hinweg auf bewohntes Gebiet zubewegten und auch Teile des Ortes Los Llanos de Aridane erreichen könnten. Die glühendheiße, dickflüssige Masse, in der Temperaturen von bis zu 1000 Grad gemessen wurden, setzte auf ihrem Weg Richtung Meer Teile des umgebenden Kiefernwaldes in Brand. Über der Insel stand ein dichter Rauchpilz. Auch kilometerweit von den Vulkankratern entfernt regnete Asche auf den Boden nieder.

Die Lava hat nach Behördenangaben rund hundert Häuser auf der spanischen Kanareninsel zerstört. Allein im Dorf El Paso wurden mindestens 20 Häuser zerstört, wie der Bürgermeister am Montag sagte. Die Lavaströme wälzen sich nun von der Vulkankette in südwestlicher Richtung zum Meer.

„Im Augenblick haben wir 5000 Evakuierte und rund 100 zerstörte Häuser“, sagte die Kommunalpolitikerin Lorena Hernández, die im Stadtrat von Los Llanos de Aridane für öffentliche Sicherheit zuständig ist, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. „Die Lava hat alles auf ihrem Weg vernichtet“, sagte der Bürgermeister von El Paso, Sergio Rodríguez, im Sender TVE. Die Bewohner des Dorfes könnten wohl für längere Zeit nicht in ihre Häuser zurückkehren. Der Regionalregierungschef der Kanaren, Ángel Víctor Torres, betonte, die „beste Nachricht“ sei bislang, dass es keine Todesopfer gegeben habe. Es sei ein „Glück“, dass sich der Ausbruch des Vulkans in einem dünn besiedelten Gebiet ereignet habe.

Die Behörden riefen die Inselbewohner zu „äußerster Vorsicht“ auf, rund 5000 Menschen mussten ihre Häuser vorsorglich verlassen. Auch mehrere Straßen mussten gesperrt werden. Darunter befinden sich auch Urlauber, die ihre Unterkünfte verlassen mussten. Die Menschen wurden an der Küste, außerhalb der Gefahrenzone, in Notunterkünften und Sporthallen untergebracht. Die Menschen im Inselsüden waren bereits vor Tagen aufgerufen worden, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Am Sonntag, nach dem Ausbruch, wurde dann im südlichen Inselteil maximaler Alarm ausgelöst.

Urlauber sollen Ruhe bewahren

Die Behörden baten Urlauber und Bewohner auf der ganzen Insel Ruhe zu bewahren. Sie sollte die Nachrichtenlage aufmerksam verfolgen und sich nicht dem Vulkangebiet nähern. Trotzdem versuchten am Sonntagnachmittag Hunderte Schaulustige, mit dem Auto die Kraterzone zu erreichen. Dies war nicht nur gefährlich, sondern behinderte auch die Einsatzkräfte. Auf vielen Straßen in der Vulkanumgebung bildeten sich lange Staus. „Bitte kommen sie nicht zu den Kratern“, warnte Inselpräsident Mariano Zapata am Abend. Beim letzten Vulkanausbruch in der Cumbre Vieja im Jahr 1971 waren zwei Schaulustige durch eine Rauchvergiftung gestorben.

Die massive Eruption könnte die nächsten Tagen den Flugverkehr zur Ferieninsel, die vor der westafrikanischen Küste im Atlantik liegt, beeinträchtigen. Spaniens Flugbehörden empfahlen den Airlines, den Flugverkehr zum im Inselosten liegenden Airport in Santa Cruz de La Palma vorübergehend einzustellen. Vor allem wegen der Rauch- und Aschewolken, die sich über der Insel ausbreiten. Es wurde aber noch kein Flugverbot verhängt, sodass die Entscheidung über Absagen bei den Airlines liegt. Passagiere sollten sich deswegen vor Reiseantritt mit ihrer Fluggesellschaft in Verbindung setzen. Lesen Sie hier: Flugverkehr auf Kanaren nach Vulkanausbruch - Das müssen Urlauber wissen.

Der regionale Regierungschef aller Kanarischen Inseln, Ángel Víctor Torres, wollte am Sonntagabend noch keine Prognose wagen, wie sich der Vulkanausbruch entwickeln könnte. „Wir müssen abwarten“, sagte er. „Wir hoffen, dass sich die Schäden in Grenzen halten.

Für Empörung sorgte am Montag Spaniens Tourismusministerin Maroto, die vorschlug, den Vulkanausbruch zur Touristenattraktion zu machen. Von dem „wunderbaren Naturspektakel“, welches La Palma „beschert“ worden sei, könnten „zahlreiche Touristen profitieren“, sagte die sozialistische Politikerin im Radiosender Canal Sur. Insbesondere konservative Parteien kritisierten den Vorschlag scharf. Maroto sah sich gezwungen, ihre Äußerungen später abzuschwächen und erklärte: „Heute stehen wir an der Seite der Betroffenen, der Opfer“.

Viele Anwohner fürchten um ihr Hab und Gut. „Im Moment schauen wir Nachrichten und die Lava ist nur 700 Meter von unserem Haus entfernt“, sagte etwa Angie Chaux, die mit ihrem Mann und ihrem dreijährigen Sohn geflohen war. „Die Polizei gab uns drei Minuten, um unsere Sachen zu holen.“

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