Urzeit-Tier

Forscher wollen Mammut und Elefant kreuzen - für Klimaschutz

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UNO: Umweltschutz wichtig für Menschenrechte

UNO: Umweltschutz wichtig für Menschenrechte

Die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet hält den Schutz der Umwelt für "die größte Herausforderung unserer Zeit für die Menschenrechte". Umwelt- und Naturkatastrophen und der Verlust der Artenvielfalt "verstärken Konflikte, Spannungen und strukturelle Ungleichheiten", sagte Bachelet vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf.

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Boston  US-Forscher wollen einen Mammut-Elefanten-Hybriden züchten - zu einem ganz bestimmten Zweck. Bald soll es die ersten Kälber geben.

  • Mit einem ambitionierten Projekt wollen US-Forscher die arktische Steppe umgestalten
  • Die Forscher wollen Elefanten und Mammute kreuzen und die Hybriden auswildern
  • Am Projekt gibt es viel Kritik

Vor Tausenden von Jahren starben die letzten Mammute aus. Während der letzten Kaltzeit bis vor ungefähr 11.000 Jahren lebten die Vorfahren der Elefanten in den großen Steppen der nördlichen Halbkugel. Ihr Lebensraum erstreckte sich von Alaska über die sogenannte Mammutsteppe in Eurasien bis nach Sibirien. Nun wollen US-amerikanische Forscher die Riesensäuger in einem ambitionierten Projekt wieder in der arktischen Tundra heimisch machen.

Die Idee, Mammute wieder zum Leben zu erwecken und auszuwildern, existiert schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Seit Montag scheint sie nochmal realistischer geworden zu sein - denn das Unternehmen Colossal will 15 Millionen US-Dollar (ungefähr 12,6 Millionen Euro) investieren, um das Mammut wieder zum Leben zu erwecken.

Forscher wollen Mammut-Elefanten-Hybrid züchten

Doch die aus dem Projekt entstandenen Mammute würden sich drastisch von den "Originalen" unterscheiden. Denn Colossal will Hybride züchten - eine Mischform aus Asiatischem Elefant und Wollmammut. In einem ersten Schritt sollen dazu Embryonen gezüchtet werden, die von einer Elefanten-Leihmutter oder in einem künstlichen Uterus ausgetragen werden sollen.

"Unser Ziel ist es, einen Elefanten zu erschaffen, der gegen Kälte geschützt ist und sich verhält wie ein Mammut - und auch so aussieht", erklärt George Church dem "Guardian". Church ist Genetik-Professor an der Harvard Medical School und verantwortlich für das Projekt.

Mammut-Hybride sollen Bäume in den arktischen Steppen fällen

"Wir wollen damit niemanden reinlegen, sondern ein Tier mit der Funktion eines Mammuts haben, das auch bei -40 Grad Celsius ein gutes Leben hat und all das tun kann, was Mammute und Elefanten tun - vor allem Bäume fällen", sagt der Wissenschaftler.

Die Wissenschaftler wollen aber nicht nur einen Mammut-Elefanten-Hybriden erschaffen. Geht es nach Church, sollen in Zukunft große Herden dieser neu geschaffenen Spezies durch die arktischen Steppen ziehen. Indem sie Bäume fällen, könnten sie dabei helfen, den Landschaftstypus der arktischen Steppe, auch bekannt als Mammutsteppe, wieder herzustellen und so die Folgen des Klimawandels bekämpfen.

Wissenschaftlerin: Projekt im jetzigen Maßstab nicht funktionieren

An dem Projekt gibt es allerdings auch reichlich Kritik: "Ich glaube nicht, dass es plausibel ist, die Arktis durch Geo-Engineering mit Hilfe einer Herde Mammute zu retten", sagt Dr. Victoria Herridge, die am National History Museum in London arbeitet, dem "Guardian".

"Man müsste dieses Experiment in einem riesigen Maßstab durchführen. Wir sprechen von Hundertausenden von Tieren. Bei jedem einzelnen davon dauert die Schwangerschaft schon 22 Monate. Erst nach 30 Jahren sind die Tiere ausgewachsen", kritisiert Herridge das Projekt.

Bäume sind wichtig für die Permafrost-Steppen

Außerdem sei nach bisherigem Forschungsstand nicht klar, ob die Auswilderung der Hybrid-Mammute überhaupt gut für die arktische Landschaft wäre, sagt Gareth Phoenix von der Universität Sheffield dem "Guardian".

"Mammute werden aktuell als Lösung präsentiert, um das Abtauen der Permafrost-Böden zu verhindern. Sie sollen Bäume fällen und den Boden festtrampeln, um so dessen Temperatur zu verringern. Wir wissen allerdings auch, dass Bäume und Moos in der Arktis wichtige Faktoren sind, um den Permafrost zu schützen und damit den Klimawandel zu verlangsamen. Bäume zu fällen und das Moos zu zertrampeln ist also das Letzte, was man in der jetzigen Situation tun sollte", so Phoenix weiter.

Die Forscher von Colossus wollen ihr Projekt trotz der Kritik durchführen. "Unser Plan ist es, nicht nur das Mammut zurückzubringen", erzählt Ben Lamm von Colossal dem "Guardian". "Wir wollen ganze Herden, die sich untereinander fortpflanzen, langfristig in der Arktis auswildern."

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