Covid-19-Impfung

Corona: Geimpft und trotzdem erkrankt - Wen es eher trifft

Lesedauer: 6 Minuten
Spahn: Bei Corona-Genesenen reicht eine Impfung

Spahn: Bei Corona-Genesenen reicht eine Impfung

Müssen Corona-Genesene, die laut RKI nur eine Impfung erhalten sollen, weiterhin Tests machen, wenn sie Geschäfte betreten oder auf Reisen gehen wollen? Laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist das nicht der Fall. Er habe extra noch einmal nachgesehen, zumal er selbst betroffen sei, sagte Spahn.

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Berlin  Eine neue Charité-Studie deckt auf, warum manche Menschen trotz Corona-Impfung eher erkranken als andere und wie man sie schützen kann.

  • Wird die Wirkung der Corona-Impfung bei manchen Menschen gebremst? Zu diesem Ergebnis kamen mehrere Studien
  • Betroffen sind offenbar vor allem Menschen mit einem medikamentös geschwächtem Immunsystem
  • Lesen Sie hier, woran das liegt und wer noch gefährdet ist

Immer wieder infizieren sich Menschen mit dem Coronavirus, obwohl sie schon dagegen immun sein müssten. Auch wenn inzwischen 46,5 Prozent der Deutschen mindestens einmal geimpft sind und bereits 22,8 Prozent den vollen Impfschutz erhielten, stecken sich einige trotzdem an. Experten bestätigen unserer Redaktion, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) geht davon aus, dass etliche Menschen trotz vollständiger Impfung keinen wirksamen Immunschutz aufgebaut haben: Es gebe mehrere Studien, die zum Beispiel zeigten, dass die Impfung gegen Covid-19 bei Menschen, deren Immunsystem medikamentös gebremst wird, nicht so gut wirke wie bei anderen, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens. "Abhängig vom Ausmaß der Immunsuppression und den verwendeten Medikamenten ist die Immunantwort sogar trotz vollständiger Impfung deutlich schlechter oder fällt ganz aus."

Corona-Ansteckung trotz Impfung: Diese Menschen betrifft es

Im Moment könne man noch nicht abschätzen, wie groß die Gruppe der Patienten sei, die trotz vollständiger Impfung keinen oder einen zu geringen Immunschutz aufgebaut hätten, so Mertens. Das gelte auch für die Frage, wann diese Menschen erneut geimpft werden sollten. Dazu liefen aktuell noch etliche Studien. "Wir müssen aber davon ausgehen, dass es nicht nur Einzelfälle sind", so Mertens.

Betroffen seien etwa Menschen nach einer Organtransplantation oder zum Teil auch Krebspatienten. In solchen Fällen sei es wichtig, das Ansteckungsrisiko im Umfeld durch Impfungen so weit wie möglich zu verringern. "Man nennt das Kokonstrategie", so Mertens. Auch bei Rheumapatienten sei die Immunantwort je nach Art der Immunsuppression zumindest reduziert.

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Charité Forschungsteam: Darum sind Ältere stärker betroffen

Die Charité hat jetzt ein Forschungsteam der Berliner Universitätsmedizin beauftragt, einen solchen Fall zu untersuchen. Das Team analysierte einen Sars-CoV"-Ausbruch in einem Berliner Pflegeheim – die Bewohner waren zum Zeitpunkt des Ausbruchs vollständig geimpft.

Die in einem Fachblatt präsentierten Ergebnisse belegen die Wirksamkeit der Impfung, deuten aber auch auf eine verzögerte und leicht reduzierte Immunantwort bei älteren Menschen hin. Das bedeutet: Das Immunsystem von alten Menschen reagiert nicht so effizient auf die Impfung wie das von jüngeren.

Daher betonen die Forschenden in ihrem Bericht, wie wichtig der Impfschutz der Kontaktpersonen ist, um diese besonders gefährdete Risikogruppe besser zu schützen.

Wie kam es zu dem Corona-Ausbruch im Berliner Pflegeheim, obwohl die Bewohner geimpft sind

Beim Ausbruch in dem Berliner Pflegeheim hatten sich im Februar neben 11 Pflegekräften ohne vollständigen Impfschutz – auch 20 Bewohnerinnen und Bewohner mit Corona angesteckt. Bis auf vier von ihnen waren alle vollständig mit Biontech/Pfizer geimpft.

Während die vier Ungeimpften so schwer erkrankten, dass sie in einem Krankenhaus behandelt werden mussten, zeigte nur rund ein Drittel der Geimpften Krankheitszeichen wie Husten oder Atemnot. Durch Abstrich-Proben stellte das Team fest, dass Geimpfte weniger Virus im Rachen aufwiesen als Ungeimpfte. Bei ihnen wurde das Virus zudem über einen deutlich kürzeren Zeitraum nachgewiesen, im Schnitt nur knapp 8 statt 31 Tage.

Zwei der 16 geimpften Corona-Patientinnen und -Patienten mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Dort starb eine Frau nach einem starken Anstieg des Blutdrucks an einer Hirnblutung. Eine zweite Patientin starb im Heim, nachdem sie über zwei Wochen schon kein Virus mehr ausgeschieden hatte. Wiel die beiden Frauen keine Atemwegssymptome aufwiesen, geht das Forschungsteam deshalb "nicht von einem ursächlichen Zusammenhang mit der Coronainfektion aus".

Was der Ausbruch im Pflegeheim beweist

„Auf der einen Seite sehen wir an diesem Ausbruch, dass die Impfung die Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims insgesamt geschützt hat, denn ihre Krankheitsverläufe waren deutlich milder“, sagt Dr. Victor Corman, Stellvertretender Leiter des Konsiliarlabors für Coronaviren am Institut für Virologie der Charité und einer der drei Autoren der Studie. Zudem habe die kürze Virusausscheidung eine längere Übertragung verhindert.

Einen der möglichen Gründe für die Ausbreitung des Virus im Pflegeheim sei, dass der Ausbruch von der Alpha-Virusvariante, die zunächst in Großbritannien aufgetreten war, ausgelöst worden war, die mit einer höheren Virusmenge im Rachen und einer größeren Übertragbarkeit einhergeht. Ein zweiter Grund sei die Immunantwort der Betroffenen auf die Impfung selbst.

Ältere bilden langsamer Antikörper im Blut

Das Forschungsteam verglich die Immunreaktion auf Biontech/Pfizer bei über 70-jährigen Patientinnen und Patienten einer Hausarztpraxis mit der von Charité-Beschäftigten, die im Schnitt 34 Jahre alt waren.

Dabei zeigten Blutanalysen, dass schon drei Wochen nach der ersten Dosis etwa 87 Prozent der Jüngeren Antikörper gebildet hatten, unter den Älteren waren es nur rund 31 Prozent. Einen Monat nach der zweiten Dosis hatten fast alle jungen Impflinge (99 Prozent) der Corona-spezifischen Antikörper im Blut, unter den älteren waren es rund 91 Prozent.

Weil sich also die Antikörper bei Älteren langsamer entwickeln, konnten sie das Virus schlechter an sich binden. Und auch der zweite Teil der Immunreaktion, die sogenannte T-Zell-Antwort, sei schwächer ausgefallen. "Unsere Studie zeigt also, dass bei älteren Menschen die Immunantwort nach der Impfung deutlich verzögert ist und nicht das Niveau von jungen Impflingen erreicht", sagt Prof. Dr. Leif Erik Sander, Impfstoffforscher von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité.

Maßnahmen, die helfen, die Verbreitung von Corona einzudämmen

Privatdozent Dr. Florian Kurth, von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité, betont: "Zwar hat nach der vollständigen Impfung nur knapp jeder Zehnte der über 70-Jährigen keine Antikörper im Blut." Aber es könne nur schwer ermittelt werden, wer davon betroffen sein. Zum Schutz dieser Gruppe sei es daher wichtig, weiter zu testen und die Hygieneregeln einzuhalten. Mittelfristig komme auch eine weitere Auffrischimpfung für ältere Menschen infrage, um deren Impfschutz zu verbessern, so Kurth.

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