Wirbelsturm: Drei Tote und schwere Schäden in Griechenland

Athen.  Ein Wirbelsturm zieht mit mit hohen Windgeschwindigkeiten über Griechenland. Es gibt bereits schwere Schäden. Drei Menschen starben.

Mindestens zwei Tote durch Sturm in "Ianos" Griechenland

Durch den hurrikanartigen Sturm "Ianos" sind in Griechenland mindestens zwei Menschen getötet worden.

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  • Ein Wirbelsturm, auch Medicane genannt, hat in Griechenland schwere Schäden hinterlassen
  • Drei Menschen kamen wegen des Sturms ums Leben, mehrere werden vermisst
  • Laut griechischer Zivilschutzbehörde erreichte der Sturm Windgeschwindigkeiten von bis zu 117 km/h
  • Anders als ein Hurrikan oder Taifun ist ein Medicane meist ein Wetterphänomen, das nur über wenige Tage anhält

Der Wirbelsturm „Ianos“ (auch „Udine“ genannt) und ein weiteres Sturmtief über der Nordägäis haben in der Nacht zum Samstag in weiten Teilen Griechenlands schwere Schäden verursacht. Bis zum Sonntagmorgen gab es nach offiziellen Angaben drei Todesopfer – zwei Männer und eine Frau. Das Auto der 40-Jährigen war von den über die Ufer getretenen Wassermassen eines Flusses mitgerissen worden. Die Leiche eines 62-Jährigen fanden Rettungskräfte in den Trümmern seines Hauses.

Viele könnten ihre Häuser wegen Hochwassers nicht verlassen, teilte die Feuerwehr am Samstagmorgen mit. Mehr als 600 Menschen seien von Rettungskräften aus Wohnungen befreit oder anderweitig gerettet worden. Wegen Schäden an der Bahnstrecke wurde die Zugverbindung zwischen Athen und Thessaloniki unterbrochen.

„Ianos“ mit seinen heftigen Sturmböen entwurzelte vielerorts Bäume und beschädigte Strommasten. Strom- und Wasserversorgung brachen in einigen Regionen zusammen. In manchen Ortschaften stand das Wasser bis zu einem Meter hoch in den Straßen. Wegen des Sturms mussten auch mehrere Flüge umgeleitet werden.

Bilder und Videos in sozialen Medien und in griechischen Medien zeigen die Spur der Verwüstung: Umgestürzte Bäume und Strommasten, weggeschwemmte Autos, Segelboote, die von Wind und Wellen an Land gespült oder gleich im Hafen versenkt wurden. Der Sturm passierte am Samstag auch die Westküste der Insel Kreta. Die Mittelmeerhinsel war am Freitag zudem von einem Seebeben der Stärke 5,4 erschüttert worden.

Der Wirbelsturm, der auch als Medicane bezeichnet wird, war am Freitag erstmals auf Land getroffen. Ein Ein Medicane ist für Meteorologen ein hurrikanähnlicher Wirbelsturm, der sich im Mittelmeerraum bildet. Diese Stürme haben eine Struktur wie tropische Wirbelstürme.

Medicane in Griechenland: Campingplatz musste evakuiert werden

„Überall stürzen Bäume um“, berichtete die Gouverneurin der Ionischen Inseln, Rodi Kratsa, im Fernsehsender TV ERT bereits am Freitag. Auf Kefalonia, Ithaka und Zakynthos gab es Stromausfälle, Straßen waren unpassierbar. Geringere Schäden wurden von den Inseln Korfu und Lefkada gemeldet. Verletzte oder Opfer wegen des Sturms mit den Merkmalen eines Hurrikans gab es nach Angaben des Zivilschutzes bis zum Freitagnachmittag nicht.

Auch in zahlreichen Regionen Westgriechenlands und auf der Halbinsel Peloponnes fiel der Strom aus. Mehrere Boote wurden in den Häfen der Urlaubsinseln Zakynthos, Lefkada, Kefalonia und Ithaka beschädigt. Ein Campingplatz auf der Insel Kefalonia wurde evakuiert, wie das Staatsfernsehen (ERT) berichtete. Die Schulen in zahlreichen Regionen Westgriechenlands blieben am Freitag geschlossen. Auch die Fährverbindungen zu den Inseln Kefalonia, Zakynthos und Ithaka wurden unterbrochen, wie es hieß

Medicane „Ianos“: Flüchtlingsboot geriet in Seenot

Die griechische Küstenwache suchte am Samstag weiter nach einem Boot mit 55 Flüchtlingen an Bord, das am Freitag vor der Südküste des Peloponnes einen Notruf abgesetzt hatte. Ein Beamter der Küstenwache sagte: „Es ist möglich, dass das Boot seinen Kurs geändert hat.“

Offiziere der Küstenwache hofften, dass das Boot in Richtung Festland getrieben werde. Dies würde die Rettungsaktion erleichtern, hieß es aus Kreisen der Küstenwache. „Das, was die Schlepper gemacht haben, ist Irrsinn“, sagte ein Offizier der Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur. Mit so einem Sturm verlasse niemand den Hafen.

Regierung in Griechenland: 800 Asylbewerber evakuiert

Im Ionischen Meer, das zwischen Italien und Griechenland liegt, werden fast täglich Migranten auf dem Weg nach Italien entdeckt. Mit von Schlepperbanden organisierten Überfahrten aus Griechenland oder der Türkei direkt nach Italien versuchen Migranten, die weitgehend geschlossene Balkanroute zu umgehen und auf diesem Weg nach Westeuropa zu gelangen.

Die Regierung hatte angekündigt, mehr als 800 Asylbewerber aus drei Lagern in der Nähe von Athen wegen des Sturms vorsichtshalber in einer Konferenzhalle in der Hauptstadt unterzubringen.

Zwei Maschinen der Fluggesellschaft Ryanair konnten am Freitagmorgen nicht wie geplant auf der Insel Kefalonia im Ionischen Meer landen und wurden nach Athen umgeleitet. Der örtliche Fährverkehr wurde eingestellt. Mit einer Wetterbesserung rechnen die Meteorologen von Sonntagnacht an.

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Die Zivilschutzbehörde warnte vor jeglichen nicht notwendigen Reisen während des Sturms. Wegen drohender Überschwemmungen sollten Keller nicht betreten werden. Der Bürgermeister der Inselhauptstadt Argostoli auf Kefalonia, Dionysis Minetos, sagte im griechischen Fernsehen, die Bewohner sollten in ihren Häusern bleiben und nicht auf die Straße gehen.

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Der Zivilschutz stellte in besonders gefährdeten Gebieten vorsorglich Rettungsteams bereit, auch drei Rettungshubschrauber sind in Alarmbereitschaft.

Medicane und Hurrikan: Was ist der Unterschied?

Anders als ein Hurrikan oder Taifun ist ein Medicane meist ein Wetterphänomen, das nur über wenige Tage anhält. Eine Medicane-Saison gibt es nicht. Das liegt unter anderem an der Größe des Mittelmeers, das im Vergleich zum Atlantik viel zu klein ist.

Der Begriff Medicane ist eine Wortschöpfung aus „mediterran“ und dem englischen Wort „Hurricane“. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) kam der Begriff erst in den 80er Jahren auf, als in den Herbstmonaten über dem Mittelmeer orkanartige Wolkenstrukturen auf Satellitenbildern entdeckt wurden.

Medicanes entstehen nach Angaben des DWD meist dann, wenn es im Herbst einen Kaltluftausbruch aus gemäßigten Breiten in Richtung Äquator gibt und ein Tief in höheren Luftschichten über dem Mittelmeer seine Wirkung entfaltet. Es sorgt dafür, dass über der im Herbst noch warmen Meeresoberfläche die vom Meer verdunstete Luftmasse kondensiert und sich ein Wolkenwirbel bildet.

Schon im Herbst 2018 hat sich ein Medicane im Mittelmeer zusammengebraut. Damals stürzten in Griechenland mehrere hundert Bäume um, viele Schulen im Land mussten geschlossen werden. Bei einem Medicane im November 2017 starben in Griechenland mindestens 15 Menschen.

Aktuell sorgt der Hurrikan „Sally“ für massive Überflutungen an der Golfküste der USA. (dpa/AFP/dmt)

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