USA von Corona schwer getroffen: Wo die Lage eskaliert

Berlin.  Das Coronavirus breitet sich in den USA weiter aus. Besonders betroffen sind dabei die Bundesstaaten Florida, Texas und Kalifornien.

Wieso Trump versucht, den US-Chef-Virologen zu diskreditieren

Vor Monaten traten Donald Trump und der Chef-Virologe Anthony Fauci noch gemeinsam auf. Heute will der US-Präsident nichts mehr von den warnenden Worten des Experten hören. Kein Wunder: Die Infektionszahlen in den USA steigen und widerlegen zunehmend Trumps Botschaft, die Coronavirus-Pandemie in den USA sei "besiegt".

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  • In den USA verbreitet sich das Coronavirus besonders: Jeden Tag werden Zehntausende Neuinfektionen gemeldet
  • Kritiker führen diese Bilanz darauf zurück, dass die Corona-Restriktionen vielerorts zu früh gelockert worden seien
  • Besonders die Bundesstaaten im Süden, Südwesten und Westen verzeichnen eine rasante Ausbreitung

Corona hat Amerika weiterhin fest im Griff: Die Zahl der Neuinfektionen nimmt rasend schnell zu. Allein am Dienstag haben sich mehr als 65.000 Menschen mit dem neuen Virus angesteckt. Im ganzen Land gab es bis Mittwoch rund 3,5 Millionen Infektionen und mehr als 136.000 Todesfälle.

Vor allem die Bundesstaaten im Süden, Südwesten und Westen verzeichnen eine rasante Ausbreitung der Seuche. Ein Überblick über die schlimmsten Hotspots:

1. Coronavirus in den USA: Die Lage in Florida

Der Sonnenschein-Staat im Südosten der USA, bekannt für seine feuchtfröhlichen Studentenfeten („Spring Break“), weist die besorgniserregendste Entwicklung auf. Mehr als 15.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gab es in den letzten Tagen. Kein Bundesstaat kommt auf mehr. Insgesamt haben sich bis Mittwoch 291.621 Menschen angesteckt, 4409 starben. Insbesondere der Großraum Miami ist stark betroffen.

Kritiker führen diese Bilanz darauf zurück, dass die Corona-Restriktionen vielerorts zu früh gelockert worden seien. Floridas Gouverneur Ron DeSantis, Republikaner und ein Bewunderer von US-Präsident Donald Trump, hatte bereits Anfang Mai mit der Rücknahme der Corona-Maßnahmen begonnen.

Doch angesichts explodierender Zahlen ließ DeSantis Ende Juni Bars wieder schließen. Im Unterschied zu anderen Gouverneuren des Südens ordnete er jedoch keine Maskenpflicht im öffentlichen Raum an.

Trumps ehemaliger Chefvirologe Anthony Fauci hatte kürzlich DeSantis ungewöhnlich scharf gerügt: In Florida seien die Beschränkungen aufgehoben worden, bevor die Daten zum Virus solche Schritte gerechtfertigt hätten. Der Gouverneur wies die Kritik zurück. Er habe auf Basis der damals vorhandenen Daten gehandelt, entgegnete er. Lesen Sie auch: Coronavirus für Top-US-Experte Fauci „schlimmster Alptraum“

Trotz der steigenden Fallzahlen in Florida machte der Freizeitpark Walt Disney World am Sonnabend seine Türen wieder für Besucher auf. „Der Magic-Kingdom-Park und der Disney’s-Animal-Kingdom-Park sind jetzt geöffnet“, hieß es auf der Webseite des Parks nahe Orlando.

2. Kalifornien hat nach New York die meisten Infizierten in den USA

Der bevölkerungsreichste Bundesstaat an der Westküste hat nach New York die höchste Zahl an Corona-Infektionen: Bis Mittwoch waren 346.651 Fälle registriert, 7250 Menschen starben. Zuletzt gab es mehr als 10.000 Neuinfektionen an einem Tag. Insbesondere der Bezirk Los Angeles ist gebeutelt. 136.357 Infektionen wurden hier verzeichnet, kein Distrikt weist mehr auf.

Wegen der steil ansteigenden Kurve zog Gouverneur Gavin Newsom, ein Demokrat, die Notbremse:

  • Viele Lockerungen werden rückgängig gemacht. Bars, Kinos und Museen müssen schließen.
  • Zudem dürfen Restaurants keine Gäste mehr in geschlossenen Räumen bewirten.
  • Ebenso müssen in 30 Bezirken auch Fitnessstudios, Kirchen, Friseursalons sowie viele Büros und Einkaufszentren ihren Betrieb einstellen – sofern dieser in geschlossenen Räumen stattfindet.

Der riesige Schulbezirk Los Angeles kündigte an, dass die Schüler wegen der anhaltenden Corona-Pandemie in dem am 18. August beginnenden Schuljahr bis auf Weiteres nur online lernen können. „Die Gesundheit und Sicherheit aller in der Schulgemeinschaft ist nichts, wo wir Kompromisse eingehen können“, hieß es. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump übt Druck auf Bundesstaaten und Kommunen aus, Schulen mit dem neuen Schuljahr wieder normal zu öffnen. Lesen Sie auch: Die USA versinken im Corona-Chaos – Trump gießt Öl ins Feuer

3. Texas führte Maskenpflicht erst Anfang Juli ein

Der Bundesstaat im Süden wies zuletzt ebenfalls mehr als 10.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag auf. Bis Mittwoch haben sich 284.638 Menschen angesteckt, 3449 starben. Der republikanische Gouverneur Greg Abbott hatte sich lange gegen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gewehrt. Erst Anfang Juli verhängte er eine allgemeine Maskenpflicht – die desaströsen Zahlen belehrten ihn offensichtlich eines Besseren.

Die Ärztin Jane Appleby aus San Antonio warnte in den lokalen Medien vor einem leichtsinnigen Umgang mit dem Virus. Sie zitierte das Beispiel eines 30-Jährigen, der an einer „Covid-19-Party“ teilgenommen hatte, sich dabei infizierte und später an der Seuche starb. Die Jugendlichen hätten herausfinden wollen, ob das Virus wirklich existiere und ob es gegebenenfalls besiegt werden könne, betonte die Medizinerin.

Der Verstorbene habe kurz vor seinem Tod über seinen Partybesuch gesagt: „Ich glaube, ich habe einen Fehler gemacht.“ Das Virus sei ernst, verbreite sich einfach und mache keinen Unterschied zwischen den Menschen, mahnte Appleby.

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