Landtagswahl Niedersachsen

Liveticker: Landtagswahl in Helmstedt – Domeier holt Direktmandat

| Lesedauer: 14 Minuten
Am Sonntag ist Landtagswahl in Niedersachsen: Auch in Emmerstedt wurde gewählt, wie auf dem Bild zu sehen.

Am Sonntag ist Landtagswahl in Niedersachsen: Auch in Emmerstedt wurde gewählt, wie auf dem Bild zu sehen.

Foto: Markus Brich

Helmstedt.  Landtagswahl im Kreis Helmstedt: Jörn Domeier (SPD) gewinnt vor Veronika Koch (CDU). Die AfD samt Kandidat Rakicky erhält satte Zugewinne.

  • SPD-Mann Jörn Domeier holt zum zweiten Mal das Helmstedter Direktmandat.
  • So haben 72.005 Wahlberechtigte im Wahlkreis Helmstedt abgestimmt.

Jörn Domeier ist Wahlsieger im Landkreis Helmstedt und holt für die SPD zum zweiten Mal in Folge das Direktmandat im Wahlkreis 8. Nach dem vorläufigen Endergebnis erzielte er 35,12 Prozent der Stimmen und liegt damit vor Veronika Koch von der CDU. Sie erreichte ein Ergebnis von 29,66 Prozent und kann nur noch über die Liste in den Landtag einziehen.

Auf dem dritten Platz folgt mit satten Zugewinnen der AfD-Direktkandidat Jozef Rakicky. Er vereinte 13,71 Prozent der Stimmen auf sich und verdoppelte damit sein Ergebnis von 2017. Tamina Reinecke von den Grünen erreichte 10,16 Prozent. Auf Lars Alt (FDP) entfielen 6,47 Prozent der Stimmen. Julian Böhm von der Linken sowie Ute Fritzke von der Basis erzielten 2,52 bzw. 2,37 Prozent.

Der Wahltag im Kreis Helmstedt

20.40 Uhr: Das vorläufige Wahlergebnis für den Landkreis Helmstedt steht fest: Jörn Domeier holt für die SPD das Direktmandat mit 35,12 Prozent der Stimmen. Er liegt damit vor Veronika Koch von der CDU, die 29,66 Prozent der Stimmen erzielt hat und nur noch über die Liste in den Landtag einziehen kann. Auf den dritten Platz folgt mit satten Zugewinnen der AfD-Direktkandidat Jozef Rakicky. Er vereinte 13,71 Prozent der Stimmen auf sich und konnte damit sein Ergebnis von 2017 fast verdoppeln. Tamina Reinecke von den Grünen erreichte 10,16 Prozent. Auf Lars Alt entfielen 6,47 Prozent der Stimmen, der damit nicht mehr dem Landtag angehört. Julian Böhm von der Linken sowie Ute Fritzke von der Basis erzielten 2,52 beziehungsweise 2,37 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt bei 58,72 Prozent und ist damit gegenüber 2017 leicht gesunken (60,12 Prozent).

19 Uhr: Mit 67 von 109 Ergebnissen aus dem Landkreis Helmstedt liegt um 18.58 Uhr rund die Hälfte der Auszählungsergebnisse vor: Bei den Direktwahlkandidaten liegt Jörn Domeier (SPD) derzeit mit 34,72 Prozent erwartungsgemäß von Veronika Koch (CDU), die 29,77 Prozent erreicht. Auch bei den Zweitstimmen liegt die SPD mit 34,24 Prozent vor der CDU (27,88). Die AfD kommt auf 15,31 Prozent, gefolgt von den Grünen (8,89), der FDP (4,57) und der Linken (2,59). Deutliche Zugewinne erzielt die AfD mit ihrem Direktkandidaten Jozef Rakicky, der mit 14,65 Prozent deutlich vor der Grünen-Kandidatin Tamina Reinecke liegt, die 9,52 Prozent auf sich vereinigt.

18.44 Uhr: In der Giordano-Bruno-Gesamtschule in Helmstedt läuft das Auszählen der Briefwahlstimmen zur niedersächsischen Landtagswahl 2022. Rund 14.000 Wahlberechtigte, so erste Schätzungen des Landkreises, haben die Option zur Stimmabgabe per Post genutzt. „Im Vergleich zu den Bundestags- und Kommunalwahlen im vergangenen Jahr, die unter verschärften Corona-Auflagen stattfanden, ist das Briefwahlaufkommen im Landkreis Helmstedt in diesem Jahr überschaubar weniger“, erklärte Lutz Baeslack vom Landkreis Helmstedt am Sonntagabend kurz nach Start der Auszählung.

18.30 Uhr: Als erster Wahlkreis im Landkreis Helmstedt ist Bahrdorf gegen 18.30 Uhr bereits ausgezählt: Hier ist die CDU ganz vorne, mit 31,5 Prozent. Knapp dahinter rangiert die SPD, und dahinter die AfD mit 20,8 Prozent Stimmenanteil. Im Laufe des Abends werden weiter folgen.

16.40 Uhr: Die Wahl im Landkreis Helmstedt verlief über den Tag ruhig. Entgegen der vorherigen Befürchtungen gab es keine nennenswerten Ausfälle bei den Wahlhelfern. „Die Gemeinden haben das alles gut hinbekommen“, sagte Manja Heinrich vom Landkreis Helmstedt am Nachmittag. Bei der Wahlbeteiligung scheint sich ein niedriger Wert abzuzeichnen, stellte sie eine erste Prognose. Dies zeigten zum Teil auch unsere eigenen Stichproben: Während in der zum Wahllokal umfunktionierten Sporthalle Wendhausen am Vormittag reger Betrieb herrschte, lag die Beteiligung im Graslebener Wahllokal Altbau Grundschule am Nachmittag lediglich bei etwa 25 Prozent. Noch bis 18 Uhr besteht Gelegenheit zur Stimmabgabe.

14.30 Uhr: Der SPD-Landtagsabgeordnete Jörn Domeier will für die Sozialdemokraten im Wahlkreis Helmstedt erneut direkt in den niedersächsischen Landtag einziehen. Heute Mittag gab er seine Stimme in Schöningen ab. Wie er haben heute dazu genau 72.005 Wahlberechtigte im Landkreis Helmstedt die Möglichkeit.

Für die Stimmabgabe stehen dazu noch bis 18 Uhr insgesamt 99 Wahllokale im Kreisgebiet zur Verfügung. Im Wahllokal der Grundschule Emmerstedt war das Wahlaufkommen bis zum Mittag normal.

Wofür gebe ich meine Stimme?

Sie haben eine Stimme für einen der sieben Direktkandidaten (Personenwahl) und eine Stimme für die 14 Landeslisten von Parteien. Achtung: Die Zweitstimme bestimmt die Mehrheitsverhältnisse im Plenum mit mindestens 135 Abgeordneten (zurzeit sind es 137).

Wer holt Helmstedts einziges Direktmandat?

Gleich drei Abgeordnete vertreten zurzeit die Interessen des Landkreises Helmstedt im Landtag und wollen ihre Mandate nach fünf Jahren verteidigen. Es ist ihre erste Bewährungsprobe. Jörn Domeier gewann den Wahlkreis 2017 direkt mit 40,80 Prozent der Erststimmen. CDU-Konkurrentin Veronika Koch zog damals über die Landesliste ein. Lars Alt von der FDP schaffte es erst 2020 während der laufenden Wahlperiode als sogenannter Nachrücker.

Unter den 14 Parteien auf dem Stimmzettel tummeln sich einige Neulinge jenseits der Etablierten. Unter den oft als „Sonstigen“ zusammengefassten Listen finden sich in Helmstedt erstmals Die Basis, die Partei Gesundheitsforschung und Volt. Bereits 2017 traten – erfolglos – die Freien Wähler an, die Partei Die Partei, die Tierschutzpartei und die Piraten. Dagegen haben die V-Partei, die ÖDP, die liberal-konservativen Reformer Niedersachsen, die Deutsche Mitte und das Bündnis Grundeinkommen anders als 2017 diesmal keine Listen mehr aufgestellt.

Helmstedt hat über die bundesweiten Wahlthemen Inflation und Energiekrise hinaus, die auf Landesebene eher stellvertretend diskutiert werden, zwei beherrschende eigene Fragen. Der Strukturwandel nach dem Ende des Braunkohleabbaus drängt: Wann kommen die versprochenen 90 Millionen Euro Zukunftshilfe – und wofür wird das Geld eingesetzt? Und die Bildungspolitik – ureigene Landesaufgabe – hat schon seit längerem einen handfesten lokalen Streitfall: Wie lassen sich die vielen unbesetzten Lehrerstellen im Kreis besetzen? Wie bekommt man Pädagoginnen aufs Land?

Der Wahlkreis 8 (Helmstedt) – Details

Der Wahlkreis Helmstedt ist einer von landesweit gerade vier Kreisen und Städten, wo der Wahlkreis den Kreisgrenzen entspricht. Am bisherigen Zuschnitt ändert sich im Vergleich zur Landtagswahl 2017 nichts. Die tatsächliche Anzahl der künftigen Helmstedter Abgeordneten ergibt sich nach deren Plätzen auf der Landesliste. Ein Beispiel: Würde die AfD überdurchschnittlich gut abschneiden, wären gleich zwei Helmstedter im Landtag: Direktkandidat Dr. Jozef Rakicky (Bahrdorf) auf Listenplatz 11 und Vanessa Behrendt (Offleben) auf Platz 16.

Das sind die Direktkandidatinnen im Wahlkreis 8 (Helmstedt)

Sieben Parteien haben Direktkandidaten aufgestellt, die ihren Landeslisten ein lokales Gesicht geben. In dieser Reihenfolge finden sie sich auf dem amtlichen Stimmzettel:

Jörn Domeier tritt für die SPD an. Der 42-Jährige muss den Wahlkreis wie 2017 direkt gewinnen, wenn er im Landtag bleiben will. Platz 55 auf der SPD-Landesliste bietet keine realistische Aussicht auf Erfolg. Der

Rennauer arbeitete vor dem Einstieg in die Berufspolitik als Industriemeister bei Volkswagen. Domeier setzt auf Transparenz. Auf seiner Homepage gibt er seine Bezüge auf den Cent genau an: 7485,48 Euro Abgeordnetendiät plus 1526,01 Euro steuerfreie Aufwandspauschale – und nichts nebenher. Domeier arbeitet im Landwirtschaftsausschuss mit.

Veronika Koch hält die Farben der CDU hoch. Die Graslebenerin feiert einen Tag vor der Wahl 50. Geburtstag. Macht sie sich das Direktmandat zum Geschenk? Mit 35,12 Prozent lag sie vor fünf Jahren deutlich, aber nicht unaufholbar hinter Jörn Domeier. Beruflich war

sie bis zum Einzug in den Landtag via CDU-Landesliste als Verwaltungswirtin bei der Stadt Wolfsburg beschäftigt. Ihr aktueller Listenplatz 14 könnte sich erneut als zugkräftig erweisen. Koch ist im Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten aktiv.

Tamina Reinecke kandidiert erstmals für die Grünen. Die 26-Jährige aus Lehre-Essenrode hat Tourismus- und Umweltwissenschaften studiert und arbeitet zurzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin des örtlichen Grünen-Bundestagsabgeordneten Frank Bsirske. Auf der Landesliste der Grünen ist Reinecke auf Position 22 platziert.

Lars Alt ist als Abgeordneter mit der FDP aktuell in der Opposition. Der 31-Jährige aus Süpplingen steht auf der Landesliste auf Platz 12 – einen Platz höher als 2017, als die FDP in Helmstedt 7,07 Prozent der Zweitstimmen holte, auf Landesebene 7,5 Prozent und damit elf

Landtagssitze. Der Politikwissenschaftler ist aktuell der jüngste männliche Abgeordnete. Er ist auch Spitzenkandidat der Jungen Liberalen. Im Parlament arbeitet Alt im Ausschuss für Wissenschaft und Kultur. Ehrenamtlich ist er Partei-und Fraktionschef der Helmstedter Kreis-FDP.

Dr. Jozef Rakicky kandidiert für die AfD. Der 66-Jährige ist Chefarzt der Neurologie am Helmstedter Helios-Klinikum. Der Bahrdorfer hatte bereits 2021 für das Amt des Helmstedter Landrats kandidiert. Ehrenamtlich ist er Partei- und Fraktionschef der Helmstedter Kreis-AfD.

Julian Böhm tritt für die Partei die Linke an. Der 30-Jährige hat es nicht auf die Landesliste seiner Partei geschafft. Beruflich absolviert der Schöninger eine Ausbildung als sozialpädagogischer Assistent. Politisch ist Böhm seit 2016 bei den Linken. Seit 2021 ist er Kreistagsabgeordneter, seit diesem Jahr auch Ratsherr seiner Heimatstadt und Mitglied des Linken-Kreisvorstands.

Ute Fritzke bewirbt sich für die Partei Die Basis. Die 64-jährige Neu-Pensionärin aus Wolfsburg geht ebenfalls ohne Rückhalt ihrer Landesliste ins Rennen. Fritzke arbeitete noch bis Anfang 2022 als Sozialpädagogin. Der noch jungen Partei Die Basis gehört sie seit Sommer 2021 an.

Wichtiges zu Wahltag und Briefwahl

Der Klassiker der Stimmabgabe ist: Am Wahlsonntag im Wahllokal. Also am 9. Oktober 2022 von Punkt 8 bis Punkt 18 Uhr. Viele Alteingesessene kennen „ihr“ Wahllokal seit Jahrzehnten – die Kommunen ändern Bewährtes bewusst so wenig wie möglich. Die genaue Anschrift des Wahllokals findet jeder auf seinem Wahlschein. Kreisweit gibt es laut Wahlleiter Torsten Wendt 99 Wahllokale. Dort sorgen rund 1000 ehrenamtliche Wahlhelfer für einen reibungslosen Ablauf. Und: Von 18 Uhr an zählen sie die Stimmzettel aus. Bei zwei Stimmen geht es erfahrungsgemäß recht schnell, bis ein vorläufiges amtliches Endergebnis vorliegt. Rund 170 Wahlhelfer bilden zusätzliche 28 Wahlvorstände, die die Briefwahlergebnisse feststellen. Sie nutzen die Räumlichkeiten Giordano-Bruno-Gesamtschule und beginnen bereits um 15 Uhr mit den Vorbereitungen. Das offizielle Helmstedter Wahlergebnis ermittelt Wahlleiter Wendt im Kreishaus am Südertor.

Die aktuellen Zahlen finden sich im Internet unter www.landkreis-helmstedt.de. Was es diesmal nicht gibt, ist eine Präsentation im Sitzungsraum.

Apropos Briefwahl: Wer dieses Angebot nutzen will, wendet sich an das auf seinem Wahlschein angegebenen Briefwahlbüro der Heimatgemeinde. Dort lassen sich Briefwahlunterlagen für Zuhause abholen oder man füllt den Stimmzettel gleich dort aus und wirft ihn in die Wahlurne. In der Stadt Helmstedt beispielsweise lassen sich Briefwahlunterlagen auch online bestellen über den Link stadt-helmstedt.de/rathaus/wahlen/landtagswahl-2022/beantragung-von-briefwahlunterlagen.html

In den Wahllokalen läuft laut Wahlleiter Wendt alles routiniert. Externe Besuche etwa von Meinungsforschungsinstituten für Nachwahlumfragen sind nicht angemeldet. Laut Lutz Baeslack im Büro des Kreiswahlleiters bekommt Infratest-dimap für die Hochrechnungen der ARD zwei Ergebnisse der Briefwahlvorstände.

Die zehn Wahllokale der Stadt Helmstedt sind nach Angaben der Verwaltung zwar nicht in jeder Hinsicht offiziell barrierefrei, aber doch vielfach zumindest rollstuhlgerecht und zugänglich für Personen mit körperlichen Einschränkungen. Individuelle Fragen beantwortet das Rathaus unter Ruf (05351) 17-1401 oder per mail an wahlen@stadt-helmstedt.de.

So fiel die Landtagswahl 2017 im Kreis Helmstedt aus

Zuletzt fand die Landtagswahl im Oktober 2017 statt, damals gerade drei Wochen nach der Bundestagswahl, deren Ergebnis bis zur Bildung der Großen Koalition eine Hängepartie war. Auch in Niedersachsen gingen seinerzeit SPD und CDU zusammen, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen mit dem SPD-Regierungschef Stephan Weil. Auf Bundesebene lag die CDU vorn.

Im Kreis Helmstedt wurden die Karten 2017 neu gemischt, weil sich der langjährige SPD-Parlamentarier Uwe Strümpel altersbedingt zurückzog. Auch die unterlegene CDU-Kandidatin von 2012, Elisabeth Heister-Neumann, trat nicht wieder an. Jörn Domeier (40,80 Prozent) verteidigte für die SPD das Direktmandat gegen die neue CDU-Bewerberin Veronika Koch (35,12 Prozent), die über die Landesliste ins Plenum einzog.

Bei den Zweitstimmen, die über die Sitzverteilung im Landtag entscheiden, fiel der Abstand zugunsten der SPD vor der CDU mit 41,47 zu 32,52 Prozent noch deutlicher aus, für die SPD besser als im ganzen Land, für die CDU schlechter. Die Grünen blieben mit 5,73 Prozent deutlich unter dem Landesergebnis von 8,7 Prozent. Die FDP schnitt mit 7,07 Prozent leicht unter dem Niedersachsen-Wert von 7,5 Prozent ab. Die AfD übertraf mit 6,84 Prozent in Helmstedt das Landesergebnis von 6,2 Prozent.

Im langfristigen Trend gegenüber 2012 hatte die SPD vor fünf Jahren ihr Zweitstimmenergebnis gehalten, die CDU war um rund 2,5 Prozentpunkte abgebröckelt. Die Grünen hatten 2017 ein Drittel ihrer Zweitstimmen von 2012 eingebüßt. Die FDP gewann seinerzeit leicht dazu.