Trockenheit

Große Dürre setzt den Wolfsburger Gewässern extrem zu

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Im Drömling ist die Aller auf einigen Abschnitten trockengefallen. Es gab ein großes Fischsterben.

Im Drömling ist die Aller auf einigen Abschnitten trockengefallen. Es gab ein großes Fischsterben.

Foto: Erik Beyen

Vor allem mangels Regen sind die Wasserstände sehr niedrig. Die Aller ist teils trocken, viele Fische sterben. Sogar Quellen im Wald sind versiegt.

Wolfsburg Das ist extrem: Die Aller ist teils trockengefallen, die großen Teiche müssen belüftet werden, damit sie nicht umkippen. Sogar aus Quellen gespeiste Brunnen im Stadtwald und in der Fallersleber Altstadt sind versiegt – denn auch die Grundwasserstände sinken.

Es hat seit Wochen und Monaten so wenig geregnet, dass Wolfsburgs Gewässer stellenweise trockenfallen. „Die Aller führt derzeit allgemein wenig Wasser, stellenweise, beispielsweise bei Vorsfelde, ist sie bereits trockengefallen“, berichtete Christiane Groth von der Stadt-Pressestelle. „Der Hasselbach, der Hehlinger Bach, die Mühlenriede im Bereich des Detmeroder Teichs (Hattorfer Holz) und einige weitere Gewässer sind derzeit ganz oder abschnittsweise trockengefallen.“

Brunnen in der Fallersleber Altstadt sprudelt nicht mehr

Damit aber nicht genug: Auch der Grundwasserspiegel ist niedrig. „Die Grundwasserstände sinken bundesweit. Ein Abwärtstrend ist auch in Wolfsburg erkennbar“, bestätigte die Pressereferentin. Es gibt prominente Beispiele: In der Fallersleber Altstadt sprudelt der Westertor-Brunnen aus einer artesischen Quelle schon seit Wochen nicht mehr. „Das kann nur am mangelnden Grundwasser liegen“, vermutete Brunnenpate Karl Kiene.

Selbst im Stadtwald fehlt Grundwasser. Einige Quellen sind versiegt, so schon vor drei Jahren die Herrenwiesen-Quelle, deren Wasser normalerweise aus 120 Metern Tiefe über einen Wasserspeier heraussprudelt. „Wir haben versucht, sie wiederzubeleben, aber der Grundwasserspiegel war zu tief“, erklärte LSW-Netzmeister Wilhelm Schneider diese Woche. Stadtförster Dirk Schäfer sorgte sich auch um die Tommy-Quelle aus Oberflächenwasser. Gleich nach seinem Urlaub habe er nachgeschaut. „Die Frage ist: Wie lange läuft sie noch?“

Wasserspiegel in Wolfsburger Rückhaltebecken bis zu 40 Zentimeter niedriger

„Im Vergleich zum Frühjahr sind die Wasserstände deutlich geringer. Die Regenrückhaltebecken haben aufgrund der ausbleibenden Regenfälle und temperaturbedingten Verdunstungsrate einen um zirka 10 bis 40 Zentimeter abgesenkten Wasserspiegel“, berichtete Christiane Groth. Damit die Becken nicht umkippen, wurden im Mühlenteich, Neuen Teich, Detmeroder Teich und Großen Schillerteich Lüfter eingesetzt, um für Tiere und Pflanzen den Sauerstoffgehalt zu erhöhen; das soll deren Überlebenschancen erhöhen. Bei anhaltender Hitze ohne Regen seien lebensfeindliche Bedingungen aber nicht zu verhindern.

Und was lässt sich gegen die Gewässer-Niedrigstände unternehmen? Maßnahmen zur Wassereinsparung im Haushalt hätten keine Wirkung auf die Wasserstände in den oberirdischen Gewässern, da Trinkwasserförderung immer aus tieferen Grundwasserleitern erfolge, erklärte Christiane Groth. Doch auch mit der Grundwasser-Förderung müsse sorgsam umgegangen werden. „Ein bewussterer Umgang mit der wertvollen Lebensgrundlage Wasser ist in jedem Fall wünschenswert und erforderlich.“

Aller-Ohre-Verband beklagt auch sinkende Grundwasserstände

„Im vierten Jahr in Folge haben wir im Sommer hohe bis sehr hohe Temperaturen und geringe Niederschläge auch im Winter. Das über die Jahre steigende Defizit der Niederschläge wirkt sich zunehmend auch auf die Grundwasserstände, die letztlich die Grundausstattung der Gewässer ausmachen, aus“, erklärte der Vize-Geschäftsführer des Aller-Ohre-Verbands, Rolf Buhmann.

Das führe dazu, dass die Nebenflüsse der Aller zunehmend keinen Abfluss mehr haben. Neben Regen fehle Grundwasser, das an den Gewässern zu Tage trete. „Von fließen kann oftmals keine Rede mehr sein.“ In früheren Jahren seien diese Verhältnisse eher die Ausnahme und an kleineren Gewässern zu beobachten gewesen.

An der renaturierten Aller wird Niedrigwasserabfluss gestützt

Dieser witterungsbedingten oder sogar klimabedingten Veränderung könne man nicht sofort entgegenwirken. „Allerdings sorgt der Verband, wie an der renaturierten Aller zwischen Vorsfelde und Wolfsburg, dafür, dass der Niedrigwasserabfluss gestützt wird“, berichtete Buhmann.

Der Spagat bestehe darin, eine potenzielle Hochwassersituation nicht zu verschlechtern und gleichzeitig die Niedrigwasserführung zu verbessern. Diese Entwicklung benötige Zeit und hohe Investitionen. „Bei den Investitionen sind die Stadt, das Land, der Bund und die EU gefordert, und diese haben die Notwendigkeit auch erkannt.“

Angel- und Gewässerschutzverein Vorsfelde schlägt Alarm

Alarm geschlagen in Sachen Aller hatte jüngst auch der Angel- und Gewässerschutzverein Wolfsburg-Vorsfelde und Umgebung. „Fischsterben in der Aller durch illegale Wasserentnahme“, hatte der Verein seine Dokumentation mit Fotos von toten oder halbtoten Fischen auf dem Trockenen überschrieben, die er nach eigenen Angaben an mehrere Zeitungen und an die zuständigen Behörden schickte.

„Die Aller im Bereich des Drömlings im Landkreis Helmstedt und auf dem Gebiet der Stadt Wolfsburg ist komplett trockengefallen. Dies hat schon Tausenden von Fischen das Leben gekostet“, schrieb der zweite Vorsitzende und Gewässerwart, Stefan Ludwig. Die Mitglieder hätten schon Hunderte von Fischen geborgen. Betroffen seien auch geschützte Arten wie Bitterling, Schlammpeitzger und Aal.

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„Der sehr wahrscheinliche Grund für dieses Sterben“ sei nach Vermutungen des Gewässerschützers – neben der großen Trockenheit – eine Wasserentnahme aus der Aller in Sachsen-Anhalt, zwischen Oebisfelde im Landkreis Börde und Grafhorst im Kreis Helmstedt. Im Verdacht stand ein Landwirt, der sein Feld beregnet haben soll.

Ludwig drängte auf eine sofortige Beendigung und forderte die Behörden zur Stellungnahme auf. Im Gespräch mit unserer Helmstedter Redaktion erklärte AGV-Gewässerwart Marcel Leise am Aller-Düker in Vorsfelde die Problematik.

Wolfsburger Wasserbehörde lehnt weitere Wasserentnahme aus Aller ab

Pressesprecher Ralf Schmidt berichtete auf Anfrage unserer Zeitung: „Nachdem die Untere Wasserbehörde der Stadt Wolfsburg Kenntnis von den extremen Wasserständen, dem Fischsterben und der möglichen Wasserentnahme bei Oebisfelde erhalten hat, wurde die zuständige Wasserbehörde des Landkreises Börde angefragt und um Überprüfung des Sachverhalts gebeten.“ Die Antwort sei gewesen, dass es ein gültiges Wasserrecht zur Entnahme aus der Aller gebe, das wegen Trockenheit jedoch seit vier Wochen nicht mehr genutzt werde.

Der Stadt-Sprecher wies zudem auf das Wasserhaushaltsgesetz hin, das eine Mindestwasserführung vorsehe. „Aus diesem Grund sind aus Sicht der Unteren Wasserbehörde der Stadt Wolfsburg bei den derzeitigen Wasserständen keine weiteren Entnahmen zulässig.“