Kultusministerium prüft Rückkehr in Klassen mit Ausnahmen

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Kultusminister Grant Hendrik Tonne verfolgt das Ziel, dass die Schulen  so schnell wie möglich in den Wechselbetrieb zurückkehren.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne verfolgt das Ziel, dass die Schulen so schnell wie möglich in den Wechselbetrieb zurückkehren.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Hannover.  Viele Wochen durften Schüler wegen der Corona-Epidemie nicht in die Schulen. In geteilten Klassen soll dort der Unterricht im März wieder anlaufen.

Das niedersächsische Kultusministerium möchte in der kommenden Woche über die Rückkehr aller Klassen in die Schulen im Wechselmodell entscheiden und schließt dabei regionale Ausnahmen nicht aus. Beabsichtigt sei, so schnell wie möglich wieder in geteilten Klassen zu unterrichten, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Sorge bereiten ihm dabei die Infektionszahlen, die in den Landkreisen unterschiedlich hoch sind.

Wann können wieder mehr Schülerinnen und Schüler in die Klassen zurückkehren - die Rede war von Anfang März?

Ich gehe davon aus, dass wir das Anfang oder Mitte nächster Woche sagen können. Unser Ziel ist, dass wir so schnell wie möglich in den Wechselbetrieb zurückkehren. Wir müssen uns die Rahmenbedingungen angucken und feststellen, dass die Infektionszahlen nicht so sind, wie wir uns das wünschen für einen Betrieb mit allen Schülern zur gleichen Zeit. Beides muss abgewogen werden, Bildung und Kindeswohl auf der einen, Gesundheits- und Infektionsschutz auf der anderen Seite. Kinder müssen in die Schulen, aber das muss verantwortungsbewusst geschehen. Ab Anfang März ist das Ziel, aber wir entscheiden das in der nächsten Woche.

Sind die aktuellen Infektionsfälle an Schulen ein Hemmschuh für ein weiteres Öffnen der Schulen?

Wenn wir Zahlen haben, dass 0,1 Prozent der Schülerinnen und Schüler infiziert sind, dann ist jede einzelne Infektion eine zu viel. Aber insgesamt ist das auch nach den Wochen der Erfahrung eine gute Grundlage, um festzustellen, dass eben das Virus nicht in besonderem Ausmaß in die Schule transportiert wird mit den Sicherheitsvorkehrungen, die wir haben. Die Zahlen von gestern zeigen, dass 20 Prozent der Schulen von Corona-Infektionen betroffen sind, über 70 Prozent davon aber nur mit einem Fall.

Die Infektionslage ist in den Landkreisen sehr unterschiedlich. Wird die Rückkehr in die Klassen möglicherweise regional unterschiedlich ablaufen?

Wir haben sehr klar gesagt, dass für uns bis Ostern nicht mehr denkbar ist als das Szenario B, also die halben Klassen im Wechsel, daran halte ich auch fest. Wir müssen nach all den Wochen einen vernünftigen Weg zurückfinden in die Schule. Sorge bereitet uns aber schon die wirklich sehr große Spreizung der Infektionszahlen. Ich kann nicht ausschließen, dass es in Landkreisen, die höher belastet sind, Schließungen geben wird. Das sollte man differenziert betrachten. Das gehört zu den Fragen, die wir auch mit prüfen. Insofern kann das nicht ausgeschlossen werden, genauso wenig wie gesetzt ist, dass es so kommt.

Lehrkräfte können nun freiwillig einen Schnelltest machen lassen. Wie steht es mit Selbsttests auch für Schüler?

Wir haben ja die Ankündigung des Bundes, dass ab dem 1. März kostenlose Testmöglichkeiten in Apotheken und Hausarztpraxen zur Verfügung stehen. Wenn das so ist, dann möge man bitte auch darauf achten, dass das auch für Schülerinnen und Schüler gilt. Wenn es außerdem eine Zertifizierung von Selbsttests gibt, eine Zulassung also, dann kann man auch damit ein Angebot machen für alle Schulbesucher, um die Sicherheit zu erhöhen. Da kann sich jeder sicher sein, dass wir uns da mit hohem Nachdruck hinter klemmen. Dann sollen auch Schüler Testmöglichkeiten erhalten. Das wäre ein weiterer Baustein zur sicheren Schule und mehr Normalität.

Grant Hendrik Tonne (44) kommt gebürtig aus Bad Oeynhausen in NRW und hat in Petershagen an der Grenze zu Niedersachsen sein Abitur gemacht. Seit 2017 ist der Rechtsanwalt und Vater von vier Kindern niedersächsischer Kultusminister.

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