Kultusminister lehnt Prüfungsabsage „zum jetzigen Zeitpunkt“ ab

Hannover.  Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne warnte davor, dass die Abschlüsse ohne Prüfung einen „Corona-Makel“ bekommen könnten.

Niedersachsens Kultusministerium hält trotz der Corona-Einschränkungen vorerst an den Abitur- und Abschlussprüfungen fest (Archivbild).

Niedersachsens Kultusministerium hält trotz der Corona-Einschränkungen vorerst an den Abitur- und Abschlussprüfungen fest (Archivbild).

Foto: Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Niedersachsens Kultusministerium hält trotz der Corona-Einschränkungen vorerst an den Abitur- und Abschlussprüfungen fest. „Mir liegt sehr daran, den Prüflingen auch in der gegenwärtig schwierigen Gesamtlage hochwertige Abschlüsse zuzusichern. Prüfungen zum jetzigen Zeitpunkt abzusagen, ist das falsche Signal“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Er warnte davor, dass die Abschlüsse ohne Prüfung einen „Corona-Makel“ bekommen könnten. Das sei nicht im Sinne der Schüler. „Es gilt, passgenaue Prüfungsformate anzubieten, um den Jugendlichen das Recht auf Prüfung einzuräumen“, sagte Tonne.

Eine finale Planungssicherheit gebe es in der Pandemie allerdings nicht, das Ministerium halte auch nicht dogmatisch an den Prüfungen fest. „Wir hoffen sehr, dass sich durch den allgemeinen Shutdown die Gesamtlage derart stabilisiert, dass diese Planungen halten.“

„Es gilt zudem das Motto: Im Zweifel für die Schüler!“

Der Schulleitungsverband (SLVN) hatte gefordert, auf die Abiturprüfungen und die Abschlussprüfungen der Jahrgänge 9 und 10 zu verzichten. Stattdessen solle für das Abitur die Durchschnittsnote herangezogen werden. Außerdem sollten alle Schüler versetzt werden, sofern sie das Schuljahr nicht freiwillig wiederholen wollen.

Mit Blick auf das Sitzenbleiben betonte Tonne, dass es bereits Erleichterungen für die Schüler gebe. Mit Zusatzleistungen könnten sie sich noch verbessern, wenn die Versetzung gefährdet ist. „Darauf haben sie ein Recht, das war vorher nicht so“, erklärte Tonne. „Es gilt zudem das Motto: Im Zweifel für die Schüler!“ Bei engen Entscheidungen müssten die Lehrer die besondere Lage berücksichtigen. „Das halte ich für situationsangemessen, ein generelles Aufrücken aller Schülerinnen und Schüler hingegen nicht“, sagte Tonne.

Schüler für „Prüfungspuzzle“ mit größerer Auswahl

Niedersachsens Schülerrat hat die Diskussion über die Form der Abschlussprüfungen in diesem Jahr begrüßt. Das Kultusministerium solle nicht zu lange mit Anpassungen der Prüfungen warten, sagte der Vorsitzende Florian Reetz am Donnerstag. Den Lernstoff zu ändern oder zu dezentralen Prüfungen zu wechseln, sei schon jetzt kaum mehr möglich. Das Land könne den Schulen aber mit einem „Abschlussprüfungspuzzle“ mehr Auswahlmöglichkeiten bei der Gestaltung der Prüfungen geben. „Die Lehrer wissen am besten, was ihre Schüler verpasst haben oder nicht“, sagte Reetz.

Alternativ könne die Durchschnittsnote für den Abschluss herangezogen werden. Im vergangenen Frühjahr hatte der Schülerrat dieses Verfahren noch ausdrücklich gefordert. Das sei in diesem Jahr anders, weil es bereits inhaltliche Anpassungen des Lernstoffs gegeben habe. Wichtig sei, dass der Stellenwert der Prüfungen erhalten bleibe. „Wir wollen nicht, dass das Niedersachsen-Abi vorbelastet ist“, sagte Reetz.

Für eine abschließende Positionierung will sich der Schülerrat noch mit weiteren Schülern und Lehrern austauschen, um die Forderung des Schulleitungsverbands, die Prüfungen abzusagen, besser verstehen zu können. Oft gebe es für die Probleme einer einzelnen Schule oder Klasse keine Lösung nach Schema F, betonte Reetz.

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