Eickhorst-Mord: „Aktenzeichen XY“-Beitrag bringt vage Hinweise

Gifhorn.  Ein XY-Beitrag im ZDF berichtete am Mittwoch über den Mord an einer Tunesierin im Jahr 1994. Spuren führen nach Wolfsburg und Salzgitter.

Eine Szene aus dem "Aktenzeichen XY"-Film: Der Sohn von Zaki Mansour trauert am Grab seiner ermordeten Mutter.

Eine Szene aus dem "Aktenzeichen XY"-Film: Der Sohn von Zaki Mansour trauert am Grab seiner ermordeten Mutter.

Foto: ZDF / Saskia Pavek

Nach dem Berichten über einen Mordfall aus dem Jahr 1994 im Landkreis Gifhorn in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ haben Ermittler mehrere Hinweise bekommen. „Wir haben zwei vage Informationen erhalten, die konkret genug sind, um ihnen nachzugehen“, sagte ein Polizeisprecher aus Gifhorn am Donnerstag. Es sei aber zu früh, um zu bewerten, ob die Ansätze vielversprechend seien.

Ein Ermittlerteam sei nun mit der Auswertung der Sendung vom Mittwochabend befasst, sagte der Polizeisprecher.

Mord verjährt nicht und die Ermittler der Kripo Gifhorn wollen diesen Fall lösen

Die Tunesierin Zakia Mansour (28) kam am 13. Dezember 1994 nach Deutschland. Dreizehn Tage später wurde ihre malträtierte Leiche in einem Wasserloch an einem Feldweg bei Eickhorst (bei Vordorf, Kreis Gifhorn). Das Opfer wurde regelrecht hingerichtet – warum sie sterben musste, ist bis heute ein Rätsel. Ihr Mörder lebt womöglich bis heute noch unter uns. Mittwochabend steht der Fall im Mittelpunkt bei der Fahndungssendung „Aktenzeichen XY“.

Die Identität der Toten konnte erst im vergangenen Frühjahr geklärt werden, nachdem ihr Sohn eine Vermisstenanzeige aufgegeben hatte. Er war viele Jahre in dem Glauben, dass ihn seine Mutter 1994 – da war er sechs Jahre alt – in Tunesien zurückgelassen hatte. Mittlerweile lebt er selbst in Österreich. Seine Ehefrau bedrängte ihn, Vermisstenanzeige zu erstatten. So kam heraus: Die unbekannte Tote von Eickhorst ist Zakia Mansour.

Sie reiste 1994 mit dem Linienflug von Monastir nach Hannover. Sie kam nach Deutschland, wohl um hier zu heiraten. Oder wollte sie hier anschaffen? Die Ermittler wissen von ihren Kontakten nach Salzgitter. Dort wurde sie von einem Zeugen zuletzt lebend in der Kult-Disco „Nanu“ gesehen, vielleicht am 16., 17. oder noch am 23. Dezember 1994, so der Zeuge. Im XY-Beitrag wurden die Zuschauer dazu aufgerufen, nachzuschauen, ob sie aus dem „Nanu“ aus dieser Zeit noch alte Fotos haben oder sich gar an die Getötete erinnern.

Gibt es eine Verbindung zu einem anderen Vermisstenfall?

Kontakte hatte Mansour außerdem zu Personen nach Wolfsburg. Wollte sie dort einen Partner und ihr Glück finden? Es gibt noch eine weitere Verbindung in dem Fall in die VW-Stadt: Mansour wurde hier von einem Zeugen gesehen in Begleitung von Männern und von Ganya Thielke. Die unter dem Namen „Noc“ bekannte Prostituierte und Glücksspielerin gilt seit dem 24. Dezember 1994 als vermisst, also zwei Tage vor dem Auffinden der Leiche von Zakia Mansour. Thielkes Spur verliert sich in der Nähe von Hannover und Winsen/Luhe. Die Ermittler glauben, es könnte eine Verbindung zwischen dem Vermissten- und dem Mordfall bestehen.

Die Vorstellung ist schwer auszuhalten, wie die letzten Minuten im Leben von Zakia Mansour ausgesehen haben. Sie war wie üblich an ihrem Todestag schick gekleidet, trug ein schwarzes Samtkleid, einen hochwertigen, für ihre Figur (nur 1,51 Meter groß) aber etwas zu großen braunen Wollmantel, neue schwarze Wildleder-Stiefeletten. Sie wurde über einen Feldweg geschleift und mit einem Beil oder einem Baseballschläger traktiert. Ihre Zähne wurden ihr ausgeschlagen und das Gesicht wurde zertrümmert. „Das Opfer wurde erst bewusstlos geschlagen und dann in das Wasserloch abgelegt. Der Täter oder die Täterin ging zielgerichtet vor und wollte sichergehen, dass das Opfer stirbt. Das indiziert eine gewisse Wiederholungsgefahr. Sowas setzt uns Ermittler besonders unter Druck“, meint Jürgen Schmidt.

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Fast 25 Jahre war der Spitzen-Kriminalist der Leiter der Kripo Gifhorn. In seiner Karriere mit zahlreichen spektakulären Tötungsdelikten – inklusive aller versuchten Taten waren es 142 Fälle – blieb der Mordfall Eickhorst sein einzig ungeklärter Fall. „Ich möchte nicht so weit gehen, dass das an mir nagt. Aber ich möchte doch, dass dieser brutale Mord noch aufgeklärt wird. Deshalb wurde er von uns auch immer wieder aufgegriffen.“

Mordkommission bleibt an dem Fall dran

2016 ging Schmidt in Pension, seine Nachfolger bleiben am Fall dran. Die Mordkommission „Eickhorst II“ leitet Frank Bauerfeld – er war am Mittwoch bei XY ins Studio aus Gifhorn zugeschaltet. Die Mitglieder der Moko, die 1994 noch nicht in Gifhorn im Dienst waren, stehen in dem Fall bis heute mit Schmidt in Kontakt, um sich über Ermittlungsergebnisse zu beraten – die Mörderjagd kennt keine Altersgrenze.

Die Vermisstenmeldung des Sohnes von Zakia Mansour sei ein ganz wichtiger Ansatzpunkt, um die Tat noch aufzuklären, so Schmidt. „So konnten die letzten Tage in ihrem Leben nachvollzogen werden – natürlich mit aller Problematik nach so viel vergangener Zeit. Der Umstand, dass sie nur wenige Tage vor ihrem Tod erst nach Deutschland, machte die Ermittlungen nicht leichter.“

Der Mordfall Eickhorst war bereits mehrfach Thema bei Fahndungssendungen, erstmals 1995 bei XY, dann noch einmal 2015, 2017 in der RTL2-Sendung „Ungeklärte Fälle“, schließlich nach der Identifizierung der Toten wieder bei XY im Juli 2020 in einem Kurzbeitrag. Weil es keine entscheidenden Hinweise gab, baten die Ermittler die XY-Redaktion, nochmal größer in den Fall einzusteigen. „Das haben wir natürlich gern gemacht. Der Film hat knapp 15 Minuten Länge, der Fall wird also schon ein Schwerpunkt in der Sendung sein. Die Länge des Beitrags hängt auch damit zusammen, dass der bislang ermittelte Sachverhalt sehr vielschichtig und die Geschichte der Frau an sich komplex ist. Mittlerweile kennt man ja doch relativ viele Details, die für Ermittlungsarbeit und die Aufklärung der Tat wichtig sind“, erklärt XY-Chefredakteurin Ina-Maria Reize-Wildemann.

Sie meint, der Fall habe eine ganz eigene Tragik. „Es ist ja auch deshalb sehr berührend, weil sich Zakia Mansour in Tunesien 1994 von ihrem Sohn verabschiedete und sagte, er solle nicht traurig sein, sie müsse aber nach Europa. Damit beginnt auch der Beitrag und ich finde, das wurde filmisch sehr gut umgesetzt. Ich hoffe sehr, dass die Polizei mit Hilfe unserer Zuschauer den entscheidenden Hinweis bekommt und den Fall bald restlos aufklären kann.“ Das hofft auch Jürgen Schmidt: „Ich bin guten Mutes, dass die Sendung Hinweise erbringen wird, die den Kollegen bei der Aufklärung entscheidend weiterhelfen.“

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