Dem Biber auf der Spur: Wanderung um den Wolfsburger Allersee

Vorsfelde.  Zwischen Vorsfelde und Allersee hat sich der Biber angesiedelt. Wie die Nager Hochwasser verhindern könnten, zeigt sich bei einer Biberwanderung.

Der Europäische Biber ist über den Drömling nach Wolfsburg gekommen. Hier ist ein Biber an der Drahendorfer Spree, einem Teilstück der rund 400 Kilometer langen Spree, zu sehen (Symbolfoto).

Der Europäische Biber ist über den Drömling nach Wolfsburg gekommen. Hier ist ein Biber an der Drahendorfer Spree, einem Teilstück der rund 400 Kilometer langen Spree, zu sehen (Symbolfoto).

Foto: Patrick Pleul / dpa

Abgenagte Bäume, Burgen, Dämme: Auf der Wanderung von Vorsfelde Richtung Allersee grüßt der Biber vielfach – nur blicken lässt er sich nicht. „Biber sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere“, berichtet Michael Kühn gleich zu Beginn des Rundkurses. Mit etwas Glück könne man die Biber beobachten, erzählt der Vorsitzende vom Naturschutzbund (Nabu) Wolfsburg.

Über den angrenzenden Drömling sei das zweitgrößte Nagetier der Erde nach Wolfsburg gekommen – und er fühlt sich hier offenbar sehr wohl in den Kötherwiesen. In der Aller als Fließgewässer, aber auch dem Grabensystem, das für den Ausbau des Mittellandkanals als Ausgleichsmaßnahme angelegt wurde.

Dämme, angenagte Bäume und Biberburgen

Nach rund einem Kilometer weicht Michael Kühn vom Weg ab: Hier hat der Biber sich eine Burg gebaut. Abgenagte Bäume sind zu sehen und viele Äste, die aufeinandergelegt sind. „Die Burg ist stets am Wasser gelegen“, berichtet der Experte. Kühn ist voll des Lobes für das Nagetier: „Der Biber gestaltet Lebensräume. Kein Tier ist so gut im Bereich der Nachhaltigkeit aufgestellt.“ Jede Nacht kontrolliert der Biber die Dämme – das Wasser darf nicht zu niedrig, nicht zu hoch sein. „Wird die Burg zu trocken, zieht der Biber um“, berichtet der Wolfsburger, ehe es über einen Steg weitergeht in Richtung Allersee und somit zur „Zweitwohnung“ des Bibers.

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Die Wanderung, die der Nabu hier anbietet, passt zur aktuellen Frage, wie Menschen sich vor Hochwasser schützen können. „Denn der Biber macht es uns Menschen vor“, begründet Kühn. Das Tier bekommt den Spagat zwischen Hochwasserschutz und Dürre perfekt hin. „Wir Menschen wollen das Wasser schnell wegbekommen. Aber es müsste vielmehr abgeleitet werden – denn in Dürrezeiten hätten wir dann Reserven“, erklärt der Nabu-Vorsitzende, während wir die Zweitwohnung des Nagers am Allersee erreichen.

Ganz in der Nähe befindet sich auch eine Hinweistafel zum Biber. Die Rückkehr des „Castor fiber“, dem Europäischen Biber, wird als großer Glücksfall bezeichnet. Zudem gibt es Informationen zu Gewicht, Aussehen oder etwa der Nahrung.

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Biber fördern auch jenseits des Wassers die Artenvielfalt

Michael Kühn freut sich nicht nur über die Rückkehr des Nagetiers. Sondern damit einhergehend auch über die vielen Arten, die sich aufgrund des intelligenten Wassermanagements des Bibers rund um den Allersee wohlfühlen. „Das Tier sorgt dafür, dass in dem Graben ausreichend Wasser vorhanden ist – und schafft so Biotope für andere Arten“, berichtet der Wolfsburger und entdeckt einen Eisvogel auf einem Ast. „Der wäre ohne den Biber gar nicht hier“, betont Kühn, während der Weg Richtung Aller führt.

Das Gras ist hochgewachsen, selten wird hier gemäht. Echte Natur eben. Michael Kühn stoppt derweil auf einer Brücke und lässt den Blick schweifen. „Die Aller ist schnurgerade – und das ist unnatürlich.
Das Wasser fließt kaum noch“, berichtet der Wolfsburger. Die Renaturierung des Flusses ist schon beschlossene Sache, bald soll es mit den Arbeiten losgehen – um auch hier wieder Lebensraum für Tiere zu schaffen.

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