Neubaugebiete und ambitionierte Projekte verändern das Gesicht Wolfenbüttels

Wolfenbüttel.  Bürgermeister Thomas Pink spricht über die künftige Entwicklung der Kreisstadt.

Bürgermeister Thomas Pink begründet im Gespräch mit unserer Zeitung im Rathaus von Wolfenbüttel seinen Rücktritt aus der CDU.

Bürgermeister Thomas Pink begründet im Gespräch mit unserer Zeitung im Rathaus von Wolfenbüttel seinen Rücktritt aus der CDU.

Foto: Johannes Kaufmann

Wie sieht für Bürgermeister Thomas Pink die Zukunft in Wolfenbüttel aus? Redakteurin Stephanie Memmert sprach mit ihm über laufende und geplante Projekte.

Herr Pink, schauen wir auf die größte Baustelle im Herzen der Stadt. Sind Sie mit dem Baufortschritt am neuen Einkaufszentrum, dem Löwentor, zufrieden?

Ja, durchaus. Wir sind im Bauzeitenplan und halten am Eröffnungstermin im Herbst 2019 fest. Das Löwentor wird zu einer erheblichen Attraktivitätssteigerung am Schlossplatz führen. Das gesamte westliche Innenstadtquartier wird aufgewertet.

Können Sie inzwischen etwas zu den Geschäften sagen, die dort einziehen werden?

Bekannt ist, dass Woolworth und die Drogeriekette „dm“ dort einziehen werden. Zu den weiteren Geschäften kann ich nichts sagen. Das ist und bleibt Sache des Entwicklers, der es dann selbst kommunizieren möchte.

Schwenken wir den Blick rüber zum Schlossplatz. Wann wird er wohl fertig sein?

Ich rechne damit, dass das im zweiten Quartal 2019 sein wird. Dann planen wir eine feierliche Übergabe. Aber wir müssen natürlich abwarten, wie der Winter wird. Durch die archäologischen Funde sind wir derzeit vier Wochen im Rückstand. Dennoch wollen wir den Bauzeitenplan auch hier einhalten. Bei den archäologischen Funden handelt es sich um Reste von Häusern aus dem 16. Jahrhundert.

Wie wollen sie damit umgehen?

Eine Tafel, die auf dem Schlossplatz aufgestellt werden soll, wird die Funde beschreiben. Im Rahmen der Wolfenbüttel-App ist aber auch ein digitaler Programmpunkt zu diesem Thema denkbar.

Wie bewerten Sie die neue Gestaltung des Schlossplatzes?

Vor der historischen Schlosskulisse sind anspruchsvolle Veranstaltungen denkbar. Zum Beispiel Konzerte. Ob der Wochenmarkt dort stattfinden sollte, wenn auf dem Stadtmarkt der Weihnachtsmarkt aufgebaut ist, müssen wir mit den Marktbeschickern besprechen. Wir greifen jedenfalls mit der Gestaltung der Straßenführung die Ideen und Vorschläge von Professor Paul Raabe auf und freuen uns, dass der ursprüngliche Platzcharakter wieder zur Geltung kommt.

Schauen wir in die Fußgängerzone. Wie wird es dort weitergehen?

Der Große Zimmerhof, Krambuden und Löwenstraße sind fertig. Und so soll die Gestaltung dann auch in der ganzen Fußgängerzone sein. Wenn wir mit den großen innenstädtischen Baumaßnahmen 2019 fertig sind, werden wir aber nicht gleich den nächsten Teil der Fußgängerzone aufreißen. Ich denke, dass wir den Geschäftsleuten erst einmal eine Verschnaufpause gönnen sollten. 2021 können die Planungen und Umsetzungen fortgesetzt werden.

Wolfenbüttel scheint als Wohnstadt immer interessanter zu werden. Erkennen Sie so etwas wie eine Landflucht der Menschen in die Stadt?

Wir nehmen durchaus Bevölkerungsgruppen wahr, die vom Land in die Stadt ziehen. Das gilt vor allem für junge Familien, denen wir hier Kindertagesstätten, Schulen, Schwimmbad und viele Freizeitmöglichkeiten anbieten können. Da hat Wolfenbüttel einen großen Standortvorteil. Das gilt aber auch für die sogenannten Bestager, also ältere Bürger, die sich zum Beispiel kulturelle Angebote leisten können. Und dann ist da ja noch die gute Anbindung zum Oberzentrum Braunschweig. Ob man das alles aber als Landflucht bezeichnen sollte, weiß ich nicht.

Blicken wir in unsere Neubaugebiete. Wie läuft es?

Wir haben mit der Vermarktung des Neubaugebietes Södeweg begonnen. Die Nachfrage ist enorm. Derzeit werden die Erschließungsstraßen gebaut. 350 Wohneinheiten entstehen – Einfamilienhäuser, Reihenhäuser, Geschosseigenheime und Mehrfamilienhäuser. Baubeginn könnte noch in diesem Jahr sein. Ebenso gut läuft es im Neubaugebiet Östlich Fallsteinweg. Mehrfamilienhäuser entstehen an Rodeland, Ottmerstraße, Jägermeisterstraße, Ackerstraße und Fallsteinweg.

Wenn Wolfenbüttel derartig wächst, brauchen wir neue Kindergärten und neue Schulen?

Wenn wir die Menschen einladen, nach Wolfenbüttel zu ziehen und eine attraktive Infrastruktur versprechen, dann müssen wir auch für Betreuungsmöglichkeiten der Kinder sorgen. Derzeit erarbeitet die Stadt ein Konzept für die Entwicklung der Kindertagesstätten für den nächsten Jahre. Auch in der Frage der Schulstandorte müssen wir nacharbeiten. Wir werden wohl keine neuen Schulen bauen, aber durchaus Veränderungen im Schulbestand vornehmen.

Und wie sehen Sie die Zukunft des Einzelhandels in Wolfenbüttel?

Als Stadt können wir nur die Rahmenbedingungen setzen, indem wir für eine Aufwertung der öffentlichen Flächen sorgen. Die Aktivitäten des Einzelhandels selbst können wir nicht beeinflussen. Auch die Mieten können wir nicht beeinflussen. Unser neues Einzelhandelsentwicklungskonzept passiert derzeit die Fachausschüsse und wird voraussichtlich in der Ratssitzung im Dezember beschlossen werden.

Wie wird es wohl mit dem Online-Handel in der Stadt weitergehen?

Da gibt es jedes Jahr erhebliche Steigerungsraten. Der Einzelhandel muss hier möglichst geschlossen für eigene Konzepte werben, damit die Leute online schauen und dann in die Stadt gehen, um einzukaufen. Es gibt in der Tat in Wolfenbüttel Geschäfte, die mit ihren tollen Konzepten die Innenstadt beleben, aber dann gibt es auch diejenigen, die nur wenig veränderungsbereit sind.

Der erste Bauabschnitt des Gewerbegebietes West ist besetzt. Wie sieht dort die Zukunft aus?

Die Erschließung und Vermarktung des zweiten Bauabschnitts hat begonnen. Wir haben schon eine ganze Reihe von Interessenten.

Herr Pink, danke für das Gespräch.

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