Wandern, so weit die Füße tragen

Braunschweig  Elf Fernwanderwege gibt es in Niedersachsen mit mehr als 1400 Kilometern Länge. Wir stellen eine Auswahl vor.

Der Weg durch das Bodetal über den Harzer Hexenstieg ist eine der schönsten Wanderrouten der Region.

Der Weg durch das Bodetal über den Harzer Hexenstieg ist eine der schönsten Wanderrouten der Region.

Foto:  Stadt Thale/Rosi Radecke

Wandern ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Wer länger als einen Tag unterwegs sein möchte, hat die Möglichkeit, Fernwanderwege zu nutzen. Einige von ihnen laufen quer durch unsere Region – oder schrammen zumindest knapp an ihr vorbei. Niedersachsen bietet elf Fernwanderwege mit mehr als 1400 Kilometern Länge, die alle in unserem Bundesland beginnen und enden.

Aber auch Europäische Fernwanderwege kreuzen unsere Region. Außerdem gibt es Pilgerwege, auf denen die innere Einkehr im Mittelpunkt steht. Das Gute an Fernwanderwegen: Sie können, müssen aber nicht in Gänze absolviert werden. Der Einstieg ist überall möglich. Hier lesen Sie eine Auswahl:

Die Europäischen Fernwanderwege:

Wer sich eine richtig weite Strecke vornehmen möchte, der kann sich auf den Europäischen Fernwanderweg E 6 begeben. Er reicht von Kilpisjärvi in Finnland bis zu den Dardanellen in der Türkei. Auf deutschem Boden führt der Weg von Flensburg bis in den Bayrischen Wald. In unserer Region geht er von Bad Bodenteich durch die Heide über Gifhorn nach Braunschweig und dann über Wolfenbüttel weiter bis in den Harz.

Ein anderer Europäischer Fernwanderweg verläuft knapp an unserer Region vorbei: Der E 11, der in Amsterdam beginnt, führt einmal quer entlang der Nordseite des Harzes bis in die Mark Brandenburg. Er endet in der Augustower Heide an der litauischen Grenze. Er ist wie alle europäischen Fernwanderwege mit einem weißen X auf schwarzem Grund und seiner Bezeichnung gekennzeichnet. Mehr Informationen unter: www.wanderbares-deutschland.de/wanderwege/europaeische_fernwanderwege.

Der Harzer Hexen-Stieg:

Er ist sicher vielen ein Begriff: Der Harzer Hexen-Stieg verläuft von Osterode bis Thale. Er durchquert den Harz mit einer Gesamtlänge von 97 Kilometern von West nach Ost. Markiert ist der Weg durch eine weiße Hexe auf grünem Kreis. Karl Leyrer, Hauptwanderwart des Harzclubs, erläutert die Besonderheiten: „Der Hexen-Stieg ist eine abwechslungsreiche Tour, auf der wir einen Querschnitt des Wesens des Harzes – mit besonderem Blick auf die Natur – erleben können.“ Mit Steigungen müsse gerechnet werden – zumal die Besteigung des Brockens eine der Etappen des Stiegs ist. Der Hexen-Stieg ist nicht ganzjährig begehbar, da Strecken im Bodetal im Winter häufiger wegen Eisglätte gesperrt werden müssen. Wer sein Gepäck nicht selbst durch den Harz tragen möchte, kann es sich auch von Unterkunft zu Unterkunft transportieren lassen. Mehr Informationen: http://www.hexenstieg.de.

Der Jakobsweg – Pilgern durch die Lünebürger Heide:

Wer nicht nur auf der Suche nach Bewegung, sondern auch nach innerer Einkehr ist, kann durch die Lüneburger Heide auf einem Teil des Jakobsweges wandeln. In Hamburg, an der St.-Jacobi-Kirche, beginnt der Weg, der sich in Soltau spaltet und in Mandelsloh wieder zusammenfindet. Dieser Pilgerweg ist ganzjährig begehbar und auch für Einsteiger geeignet, da es auf seiner Länge von zirka 390 Kilometern nur wenige Höhenmeter zu überwinden gibt. Besonders empfehlenswert ist der Abschnitt durch die Südheide: Von Eschede bis Wienhausen und von dort bis Celle. Er kann in drei Etappen von je zirka 20 Kilometern begangen werden. Auf dem Weg erwarten die Pilger Kirchen und Klöster zur Besichtigung und Besinnung, in denen Pilgerstempel gesammelt werden können. Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH, erklärt, wann der Pilgerweg besonders reizvoll ist: „Natürlich Ende August, wenn die Heide blüht.“

Der Unterschied zu einem reinen Fernwanderweg beim Pilgern liegt in der Motivation: „Die Pilger suchen nach Gemeinschaft mit anderen Gläubigen.“ Das wirke sich auch auf die Beherbergung entlang des Weges aus: Es gibt eher Mehrbettzimmer und einfache Verpflegung als in Unterkünften an Fernwanderwegen. Wer zum Pilgern nicht bis in die Heide reisen möchte, wird übrigens auch in unserer Region fündig: Hier gibt es eine Etappe des Jakobswegs, die von Helmstedt aus kommend einmal quer durch Braunschweig von Riddagshausen bis nach Lehndorf führt. Das Zeichen beider Wege ist die bekannte gelbe Jakobsmuschel. Mehr Informationen: http://www.deutsche-jakobswege.de/wege-uebersicht.html.

Harzer Klosterwanderweg – Architektur und Ruhe :

Eine Mischung aus Besinnung und reinem Wandern bietet dieser Weg: Der Harzer Klosterwanderweg beginnt am Kloster Wendhusen bei Thale und verläuft auf 67 Kilometern Länge bis zum Kloster Grauhof bei Goslar. Hauptwanderwart Karl Leyrer: „Auf dem Harzer Klosterwanderweg wandern Sie am Harzrand, passieren die Teufelsmauer, Blankenburg, Wernigerode und Ilsenburg, sieben Klöster und mehrere Kirchen. Sie erfahren viel Historisches – und erleben gleichzeitig die Vorzüge des Harzes.“ Der Weg ist auch für ungeübte Wanderer gangbar. Eine Teilstrecke führt sogar am Grünen Band entlang, der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die nun ein Rückzugsgebiet für die Natur ist. Der Abschluss des Weges ist in das historisch interessante Goslar. Auch das Kloster Wöltingerode mit historischer Kirche und Brennerei empfiehlt Leyrer als Höhepunkt der Strecke. Mehr: www.harzer-klosterwanderweg.de.

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